KRITIK: SPIDER-MAN: FAR FROM HOME

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© Sony Pictures Releasing GmbH

Autor: Tom Burgas

Wo fängt man nach über 20 Filmen überhaupt an? Wir haben gerade den Höhepunkt erreicht, haben innerhalb kürzerer Zeit den dritten Spider-Man-Darsteller und trotzdem soll dieser jetzt hier erst den wirklichen Abschluss der dritten Phase liefern. Fluch und Segen zugleich, denn eine Geschichte, die sich nur im eigenen Kosmos abspielt, ist ziemlich unmöglich und wird leider auch gar nicht angestrebt. Wichtig ist das MCU und nicht die Helden für sich.

Der erste Einstand von Parker war beim Einspiel und den Kritikern erfolgreich und auch als Nebenfigur in den anderen Beiträgen Marvels war Spidey gern gesehen, gerade da er bei den Avengers eigentlich schon immer eine größere Rolle spielte. Tom Holland schien zudem eine absolute Traumbesetzung. Doch kann er nach dem epischen Finale überhaupt mithalten oder wird er doch nur Schlusslicht?

Zur Sicherheit hat man sich an den Regisseur festgehalten, der schon den Vorgänger erfolgreich inszeniert hat. Story-technisch haben wir natürlich viel zu verdauen. Die Weltbevölkerung muss damit zurechtkommen, dass viele ihrer Angehörigen nach 7 Jahren ohne Alterserscheinungen wiederauftauchen, viele unserer Helden gibt es nicht mehr und dass es mehr als eine Dimension zu geben scheint führt auch zu einigen Kopfschmerzen. In diese Mischung noch neue Feinde und Ausrichtungen reinzupacken könnte schnell das Teil überfrachten.

 

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© Sony Pictures Releasing GmbH

Da kann man allerdings Entwarnung geben. Wie beim MCU üblich, ist man Meister darin komplizierte Sachverhalte in wenigen Sätzen zu klären, so auch hier. Schon nach 5 Minuten dreht es sich wieder nur um Peter Parker und seinem Wunsch auch mal ein normales Leben zu führen. Der Eurotrip mit seiner Schulklasse kommt ihm da gerade recht, damit er MJ auch endlich seine Liebe gestehen kann. Selbstverständlich taucht schon in der ersten Stadt (Venedig) das erste Monster auf, welches bekämpft werden muss. DAS muss er jedoch nicht allein, denn Mysterio alias Jake Gyllenhaal fliegt rum und verschießt grünen Rauch gegen die Klischeemonster. Davon gibt es vier Stück, eines für jedes Element.

Nach zirka 30-40 Minuten ist man an einem Punkt angelangt und ich musste mir eingestehen, dass ich dachte, dass mich hier der schlechteste MCU-Beitrag von allen trifft. Europa und Elementmonster plus die billige „Ich bin der letzte von meinem Planetengeschichte“ von Mysterio? Noch mehr Klischee geht ja wohl nicht. Zudem passt der Humor diesmal mehr schlecht als recht und wirkt befremdlich unpassend.

Dann kommt allerdings der erste Twist und erklärt, dass die rotzige Billigstory Methode war und zum Konzept gehört, wodurch ich erstmal verwirrt war. Das MUSSTE also kacke sein, ist es dadurch dann wieder gut? Spätestens ab dem Moment, wenn dadurch der eigentliche neue Feind klar ist und durch seine Fähigkeiten optisch und auf erzählerischer Ebene neue Facetten aufgemacht werden können, wird es von Minute zu Minute besser.

 

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Der Humor wirkt immer noch ungelenk, aber immerhin traut man sich später auch ein paar Emotionen auszupacken und da bietet FAR FROM HOME 1-2 wirkliche Herzensknacker, für die abermals die heimliche Seele aller Filme zuständig ist, Iron-Man 1+2 Regisseur Jon Favreau als Happy Hogan. Hier merkt man, dass wohl darauf hingearbeitet wird, dass Peter sowas wie der neue Anführer unserer Heldentruppe werden dürfte.

Beim Schlusskampf muss dann der Zeitgeist etwas zu offensichtlich herhalten, dafür packt man allerdings ein paar Minicharaktere alter Teile rein. Das wirkt etwas aufgezwungen, aber gut was solls?

Das große Plus sind die fiebertraumähnlichen Spielereien, die durch den Bösewicht möglich sind. Egal was hier passiert oder man glaubt zu sehen, ganz sicher kann man sich nicht sein. Besonders der Aufenthalt in Berlin geht da in die Vollen. Es ist verdammt schwer noch viel mehr zu schreiben, ohne auch nur im Ansatz zu spoilern, daher lass ich das.

 

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FAR FROM HOME ist seit längerer Zeit wieder ein etwas experemtierfreudiger Marvelfilm. Vieles funktioniert, vieles aber auch nicht. Was diesmal gar nicht passt ist der Humor, dieser wirkt fast immer fehl am Platz. Zudem sind manche Effektszenen nicht wirklich gelungen und wirken gar billig. Auch wirkt der Ton nicht gut getroffen, springt ständig hin und her.

Auf der Habenseite verbuchen wir dagegen einen geilen Cast plus interessantem Bösewicht, nicht weil seine Figur gut ausgearbeitet ist, das ist sie nicht, sondern weil diese dem Film eine Eigenständigkeit schenken kann denen dem MCU sonst abgeht. Am Ende unbedingt sitzen bleiben, denn die After Creditszenen gehören wohl zu den besten überhaupt und erklären durchaus warum einem bestimmte Charaktere eher lustlos vorkamen. Auch hier wieder eine wunderbare Doppelbödigkeit. Die allerletzte Szene lässt das Nerdherz dann implodieren.

 

Spider-Man - Far From Home - Bewertung

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