KRITIK: DETROIT

© 2017 Concorde Filmverleih GmbH
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Autor: Tom Burgas

Die unruhige Zeit um den Vietnamkrieg dürfte die amerikanische politische Phase sein, welche mich am meisten interessiert und beängstigt. Es ist ja nicht so, dass es nicht schon genug Filme über diese Zeitperiode gibt, aber dass die Unruhen in Detroit noch nicht in Filmform thematisiert wurden, ist schon erstaunlich, zählen diese doch zu einer der größten Bürgerrechtsaufstände der US-Geschichte.

Als kleine Übersicht des Ganzen sei gesagt, dass es durch die geschichtliche Entwicklung dazu kam, dass die meisten schwarzen Mitbürger in den Norden emigriert bzw. geflohen sind, um unter besseren Umständen leben/überleben zu können. Man versprach sich Arbeit und moralische/menschliche Umgangsformen. Jedoch waren das eher Wunschträume, denn die weiße Bevölkerung wurde weitestgehend bevorzugt und Arbeitslosigkeit sowie Rassenhass waren die Folge.

1967 begann ein Aufstand aufgrund einer Razzia in einer Bar, in der es keine Ausschenklizenz gab. Der Aufstand dauerte 5 Tage, war begleitet von Plünderungen, Schießereien und Brandschatzungen. In dieser Zeit hatten 43 Menschen ihr Leben lassen müssen, es gab über 1000 Verletzte, mehr als 7000 Verhaftungen und hunderte zerstörte Gebäude….diese Zahlen muss man sich mal verinnerlichen…in 5 Tagen!!! Dass man dabei an einen Kriegsschauplatz denkt, ist nur allzu verständlich, denn selbst Nationalgarde und die Armee waren beteiligt.

Soweit war mir das Ganze bekannt. Was ich jedoch nicht wusste, ist die Situation welche der Film als Aufhänger nutzt. In dieser wurden nachweislich mehrere schwarze Bürger (und 2 weiße Frauen) während einer Befragung in einem Hotel von der Polizei misshandelt. Mächtig schwere Kost also.

 

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Man hat sich dafür entschieden „Detroit“ nicht als Emotionskino der großen Momente zu inszenieren, sondern folgt dem halbdokumentarischen Look der anscheinend immer beliebter wird. Wer wäre dafür besser geeignet als Kathryn Bigelow, eine der wenigen Frauen die sowohl Blockbuster („Gefährliche Brandung“), als auch Kritiker- und Publikumslieblinge („Strange Days“, „The Hurt Locker“, „Zero Dark Thirty“) geschaffen hat.

Ihr Name hat dann auch dafür gesorgt, dass man namhafte Darsteller für das Projekt gewinnen konnte. John Boyega kennen wir alle aus „Star Wars“ und demnächst ist er auch in „Pacific Rim 2“ zu sehen. Will Poulter, kennen die meisten wohl als Junge mit den komischen Augenbrauen aus „Maze Runner“ oder auch aus „Wir sind die Millers“. Anthony Mackie ist der Falcon in den Marvelfilmen und abschließend haben wir mit der zuckersüßen Hannah Murray noch auch noch eine „Game of Thrones“-Dame.

Es war sicherlich grundsätzlich nicht einfach die schicksalhaften Ereignisse und die damit verbundene Tragweite auf Zelluloid zu bannen. So wird in den ersten 5 Minuten versucht die Vorgeschichte, wie es letztlich zu diesem Pulverfass kommen konnte und welche politischen Verwicklungen zu diesem Moment führten, per Tricksequenz klarzustellen, was einen erstmal regelrecht erschlägt und für mich ein sehr unglücklicher Einstieg ist. Danach wird man jedoch ziemlich gut involviert und der Film steigt bei der besagter Bar-Razzia ein, mit der alles beginnen soll und führt unweigerlich zu der Hotelsituation, die die meiste Zeit des Films einnimmt. Hierbei behält Bigolow den zuvor genutzten Stil bei. Von allen Beteiligten sehen wir etwas Rahmenstory; bis diese eben zusammenkommen. Mit dabei immer die Wackelkamera und den Versuch keine Schwarz/Weißmalerei zu betreiben. So richtig mitgerissen hat mich das alles nicht, zwar erlaubt sich der Thriller keine Fehler, aber irgendwie gibt es zu wenige Momente an denen man haften bleiben will – vielleicht eben weil auch zu viele Personen in zu kurzer Zeit gezeigt werden.

 

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Ganz anders sieht die Sache ab dem Moment in welcher wir uns im Hotel befinden aus und es zu einem Kammerspiel der eklig perviden Art wird. Für jeden normal denkenden Menschen dürften rassistische Übergriffe schwer zu ertragen sein. Für mich persönlich hatte es schon was Horrorfilm-artiges und am liebsten hätte ich manche Passagen übersprungen, was nur aufzeigt wie gut-realistisch-intensiv vorgegangen wurde. Dass fast alles so detailgenau passiert, sind den akribischen Vorbereitungen und Interviews zu verdanken, die mit allen Beteiligten bereits  2014 begonnen wurden. Dadurch wird der Kloß im Hals auch nur noch fetter und das Geschehen mit zunehmender Laufzeit immer schwerer zu verdauen. Zu oft will man einfach aufschreien und wäre am liebsten dabei gewesen, um den rassistischen Arschlöchern ihre eigene Medizin zum fressen in den Hals zu stopfen. Dies und die natürlich bewusste Verbindung zum heutigen Weltgeschehen machen aus „Detroit“ ein unangenehmes Stück Kino.

Leider kann dann der Restakkord, wie schon der Anfang, nicht ganz mithalten, da hier Situationen ungenutzt gelassen werden, in denen einfach mehr möglich gewesen wäre. Natürlich könnte man auch hier den versuchten Realismusanspruch zwischenwerfen, aber das würde mir nicht reichen, auch wenn der Ausgang der Situation schon als Schlag in die Fresse der Moral ausreichend ist. Der Anspruch wird in diesem Sinne leider auch etwas verraten, denn die ausschlaggebene, negative Figur ist eine erfundene. Es handelt sich dabei um das Alphatier der Polizei, der als Quasiboss die Misshandlungen erst in Kraft setzt. Mit diesem Wissen wäre es für mich auch kein Problem gewesen ein paar Szenen aus dramaturgischer Sicht besser auszunutzen, da man für den Film sowieso schon Anpassungen vorgenommen hat.

Trotzdem überwiegt das positive und wenn auf diese Art und Weise wichtige historische Ereignisse wieder ins Gedächtnis gerufen werden,  bitte sehr. Denn wie die realen Geschehnisse, ist der Film unerträglich intensiv und auch der Zeitgeist wird hier perfekt wiedergegeben. So wird der Zuschauer mit einer Ausstattung verwöhnt, die ihres gleichen sucht, so dass eine Oscarnominierung nur fair wäre.

 

Detroit - Bewertung

Ab dem 23. November 2017 nur im Kino!

Kinoplakat & Bilder ©  2017 Concorde Filmverleih GmbH.

 

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