KRITIK: AMERICAN ASSASSIN

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© Studiocanal GmbH Filmverleih

Autor: Tom Burgas

Also ich bin ehrlich, ich hatte absolut keine Ahnung woher „American Assassin“ kommt. Buchvorlage? Die Macher hinter dem Ganzen? Kein Plan, ich sah nur den Teenie aus „Maze Runner“ in einem Trailer, der mir nichts gab und dachte mir „echt jetzt“? Aber zwischen meinen Momenten in denen ich gottgleich bin, bin ich eben auch mal ein nichtswissender Trottel. Hätte ich es nämlich gewusst, hätte ich mich wohl voller Vorfreude auf das Ding gestürzt und wäre, soviel sei verraten, nicht enttäuscht gewesen.

Nachdem ich ein paar Blätter umgeschlagen habe wusste ich also, dass es bereits an die 15 Bücher gibt und unser Held Mitch Rapp schon so einige Male irgendetwas rettete. Die Origin-Geschichte kam in Buchform erst recht spät, wird jetzt allerdings als erstes verfilmt. Eigentlich sollte Antoine Fuqua („Training Day“) den Film machen und Chris Hemsworth die Hauptrolle übernehmen, zum Glück kam es nicht dazu.

 

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© Studiocanal GmbH Filmverleih

Trotzdem sitzen hinter dem Projekt wahnsinnig gute Leute:

Regisseur Micheal Cuesta („Homeland“) oder auch Drehbuchschreiber  Edward Zwick (Regisseur von „Blood Diamond“ und „Last Samurai“), sowie der Kameramann von „Deepwater Horizon“ lassen schon anmerken, dass wir hier kaum überstrapazierte Effektspielereien oder einen CGI-Overkill zu erwarten haben. Und schon die ersten 5 Minuten bestätigten mich und schockten mich regelrecht, da ich DIESE Härte dann doch nicht erwartete. Wir sehen das Ereignis welches Mitch Rapp zu einem Einzelkämpfer werden lässt. Bemüht realitätsnah, ohne blöde Sprüche, ohne Spielereien und blutig. Ein Held ala‘ Ethan Hunt oder James Bond wird hier nicht erschaffen, sondern eher ein Frank Castle („The Punisher“) in jungen Jahren.

 

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© Studiocanal GmbH Filmverleih

Nach 1-2 Actionszenen bekommt man mit, dass er einen Mentor braucht, Auftritt von Gottkönig Michael Keaton. Was der hier abzieht ist einfach wunderbar, welch ein harter Brocken, dem man nicht ans Bein pinkeln will. Auch hier sind die Charaktermomente alle wunderbar bodenständig und kantig. Man zielt ganz klar auf ein erwachseneres Publikum und hebt sich wunderbar von typischer Popcornunterhaltung ab. Natürlich bleibt alles in recht klischeebeladenen Pfaden, aber innerhalb des bekannten Konstruktes wütet der „American Assassin“ wie damals höchstens Jason Bourne. Nur müssen wir uns hier nicht mit einer Liebesgeschichte rumärgern oder mit moralischen Fragen die den Held zweifeln lassen. Nein, Arschlöcher haben seine Freundin getötet und er hat für sich entschieden, welchen anderen Arschlöchern er die Schuld gibt und los gehts, ohne emotionalen Ballast.

Unterstützung gibt es zwischendurch sogar von Scott Adkins, der leider nicht zeigen darf was er drauf hat. Das ist mehr als schade, gerade da man 1-2 Szenen für ihn hätte anpassen können, in denen er eben mal ein wenig rumwirbelt, aber nun gut.

Der Hauptböskopp ist hier Taylor Kitsch, den ich ja ziemlich mag, der aber insgesamt etwas farblos bleibt. Natürlich hat der auch noch eine persönliche Rechnung zu begleichen und will nebenbei eine Wasserstoffbombe an weitere Bösschädel verkaufen. Storytechnisch also Sparflamme, was aber nicht stört, da wir ja auch noch die Origin-Geschichte haben und diese auch genug Luft zum atmen bekommt. Dylan O’Brien macht als Retter der Welt einen ganz guten Job. Durch seine Jugend und seine schmale Statur wirkt er erstmal wenig bedrohlich, jedoch kommt man schnell zu dem Punkt, dass es einem gefällt, da der Held mal nicht wie gephotoshoped wirkt.

 

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© Studiocanal GmbH Filmverleih

Selbes gilt für die Action, die ohne großen Firlefanz daherkommt und wunderbar an  die „Bourne“-Filme erinnert oder bei den Zweikämpfen an „Die Stunde des Jägers“, an den ich mich generell öfters erinnert fühlte. Die Auseinandersetzungen werden schnell und präzise abgehandelt ohne unrealistische Kampfchoreografie. Trotzdem muss man auf einen knalligen Härtegrad nicht verzichten. Blutige Einschüsse, Kollateralschäden in Form von Passanten, die immer mal wieder im Weg stehen und löchrig umfallen, bis hin zu miesen fiesen Fingernagelszenen, meckern kann man da wirklich nicht. Zum Ende hin wird dann die Effektkeule so imposant rausgeholt, dass hat man mit Sicherheit so noch nicht gesehen.

Was wir hier überraschenderweise haben, ist einer der besten Actionfilme der letzten Jahre. Ich will klarstellen, dass er komplett nichts Neues erschafft und darin auch seine wenigen negativen Punkte liegen. Trotz der altbekannten Narrative kackt er wunderbar darauf ob er als Popcornfilm funktioniert. Auch hätten ihm ein paar mehr Minuten gut getan, die erklären warum Mister Rapp in so kurzer Zeit zu solch einem Arschtreter wird. Aber hey, wenn man sich schon an solchen Kleinigkeiten aufhalten muss, kann der Rest nur verdammt gut sein – und das ist er.

 

American Assassin - Bewertung

Ab dem 12. Oktober 2017 nur im Kino!

Kinoplakat & Bilder ©  Studiocanal GmbH Filmverleih.

 

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