KRITIK: JEAN CLAUDE VAN DAMME SPECIAL #6: KICKBOXER: KARATE TIGER 3

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Autor: Tom Burgas

Hach, endlich mal wieder Luft machen können zu meiner belgischen Lieblingsbeule, wobei ich nicht glaube, dass es davon so viele gibt, aber das muss ja nichts über die Qualität aussagen. Nachdem das letzte mal der Quasi-He-Man 2, CYBORG, dran war, der ordentlich Asche in die Kassen spülte, wurde immer mehr klar, dass ein neuer Actionheld das Dojo verlassen hat. Rückblickend muss ich sagen, dass KICKBOXER als nächstes Projekt schon eine komische Wahl war für Van Damme, da sein Artverwandter Durchbruch BLOODSPORT  gerade mal 1-2 Jahre zurück lag und in vielen Punkten sehr ähnlich wirkt. Nur verlief die Produktion diesmal wohl problemloser oder es wurde nichts überliefert. Anders als beim Vorgängerfilm haben wir auf dem Regiestuhl aber kein bekanntes Gesicht: Mark DiSalle hatte noch MIT STÄHLENDER FAUST produziert und das Drehbuch zu BLOODSPORT mitverfasst und ansonsten nur noch einen zweiten Film herausgebracht, wo er mit Jeff Speakman arbeitete. Da man so ein Epos wie KICKBOXER aber nicht alleine stemmen kann hat David Worth auch die Regie übernommen, der immerhin 26 Filme als Regisseur auf der Kappe hat. Darunter befinden sich dann auch zeitlose Klassiker wie Shark Attack 1-3, die bei den Oscars sträflich vernachlässigt wurden.

Ganz so schlimm wird es hier aber nicht, selbst ohne Retrobrille, außer bei der Story. Hier herrschen die 80er Jahre, soll heißen dass sich der Held schnell die Frage stellen muss, was es für einen Grund geben könnte, dass er aus sich einen Meister auf allen Ebenen macht und das gute in der Welt wieder herstellt indem er ein paar Arschlöcher tötet…..naja oder wenigstens k.o. kloppt.

Hier haben wir einen zum Krüppel geschlagenen Bruder von van Damme. Der nennt sich Eric Sloane, ist Kickbox-Champion und eine ziemliche Schmierlocke vor dem Herrn der mal schnell nach Thailand reißt und Tong Po herausfordern will. Tja, dass der aber lieber böse guckt und Rückräder bricht weiß er dann auch sehr schnell und so landet er fein säuberlich im Rollstuhl und Bruder Kurt (Jean-Claude Van Damme) schwört auf Rache und begibt sich zu einem Großmeister. Ab hier startet die feine Klischeesuppe.

 

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Als erstes muss man sagen dass Tong Po schon eine mächtig fiese Sau ist. Physisch wie psychisch bekommt der schon ein Arschloch-Award. Brutaler Thaiboxer mit Spezialität für gebrochene Knochen, kleiner Warlord und Vergewaltiger, also der nimmt was er kriegen kann. Man freut sich wie ein kleines Kind wenn der den Scheitel gezogen bekommt. Gespielt wird er von Michel Qissi, der ein Jugendfreund von van Damme ist und eigentlich technischer Choreograph war und nur davon hörte dass sie wen suchten der orientalisch aussah und Muay Thai beherrscht und er bekam auch die Rolle, im realen ist er Marrokaner. Der hat für mich bis heute immernoch eine der besten Masken der Filmgeschichte und das mein ich ernst. Erst Jahre später bekam ich mit dass Tong Po so nicht aussieht, selbst auf Blu-Ray auf einem 4k-Fernseher konnte ich keine Übergänge feststellen, bis heute ein Punkt den ich höchst respektiere.

Dennis Alexio (van Dammes Bruder im Film) dagegen ist auf dem Bildschirm eher eine Luftpumpe, obwohl in echt der wohl bis heute angesehenste Kickboxchampion und da will ich ihn auch niemals schlecht machen. Im Film macht er aber einfach keine gute Figur. Es wirkt nicht so als könnte er was und sein Charakter ist ziemlich unsympatisch.

Weiter braucht man eigentlich niemanden groß erwähnen: natürlich gibt es die Liebelei die NATÜRLICH die Tochter des Meisters ist und NATÜRLICH haben wir den lustigen schwarzen Sidekick. Die Trainingseinheiten sind dann auch ganz nett und Van Damme ist einfach gut in Form, aber leider erinnert eben in der Hinsicht sehr viel an Bloodsport und somit fehlt ihm generell sehr viel Eigenständigkeit.

 

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Das was er eigenes mitbringt, ist dann auch leider meist ein Schuss in den Ofen des guten Geschmacks. Gerade die ersten Szenen mit dem Brüderpaar haben schon eine zu starke emotionale Richtung das es wunderbar nach billigem Gayporn wirkt, was andererseits natürlich wieder einfach nur lustig ist. Gewisse andere vielleicht hinderlich inszenierte Sachen habe ich im Podcast besprochen und will ich hier nicht nochmal niederschreiben, das könnte nach hinten losgehen. Sagen wir die Regisseure haben es eher nicht geschafft, darzustellen wie cool sie beide sind und schnell an die Mädels rankommen 🙂

Zwischendurch zerfährt sich das Ganze auch und es gibt peinliche Liebesbekundungen im Wald bei Gewitter, Schießereien im Lagerhaus und natürlich van Dammes berühmteste Tanzeinlage die jeder kennen sollte und die wirklich herrlisch scheiße ist wie im Grunde der ganze Film. Die komischen Halluzinationen oder Manifestationen von alten Kriegern die Jean-Claude hat, vergessen wir mal ganz schnell. Beim Schlusskampf kommt allerdings Freude auf wenn die Fäuste rambomäßig in Glas gebettet werden und es recht blutig auf die Möhre gibt und da kommt das erste mal wirklich ernsthafte Qualität zum Tragen. Ich mein die Trainingseinheiten sind nett und alles ist wunderbar 80er, aber ohne Retrobrille mitlerweile doch schon nicht mehr so geil wie man es gerne hätte. Hier am Ende geht es aber für rund 15 Minuten schön rund, davon hätte man vorher gerne schon mehr gesehen.

Ein Hick-Hack gab es in deutschen Landen bei der Namensvergabe. Der hieß nämlich bei uns auch ganz gerne KARATE TIGER 3 was natürlich völliger Schwachsinn ist. Karate Tiger hießen bei uns dann auch 5 Teile, was ein wenig hinderlich ist wenn der erste Teil im Original NO RETREAT NO SURRENDER heißt und selbst auch noch weitere Teile rausbrachte, achso und vom KICKBOXER gibt es auch richtige Sequels in welchen Tong Po und die Familie der Brüder irgendwie noch eine Rolle spielt.  Das Namenschaos versteht man trotzdem schwer. Auf jeden Fall gab es überraschenerweise 2016 ein Reboot des ersten Films welcher zu einer Trilogie ausgebaut werden soll und ein recht moderates Budget besaß und Jean Claude diesmal die Rolle des Meisters übernimmt.

Indiziert war er nie, jedoch gab es 2007 endlich auch die R-rated bei uns auf DVD und seitdem ist er immer ungeschnitten, gibt’s recht billig auf Blu-ray-Amary oder Mediabook mit schickerem Cover.

 

Kickboxer - Bewertung

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