KRITIK: THE BOOK OF HENRY

© 2017 Focus Features LLC. All Rights Reserved.
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Autor: Tom Burgas

Also ich gebe es ja zu, ich hatte bei JURASSIC WORLD einen Mordsspaß, so richtig! Somit war der neue Film von Colin Trevorrow fast schon Pflichtprogramm, gerade da er den neuen STAR WARS machen sollte. Eine kleine 10 Mio. Dollar Fingerübung zwischen zwei  Riesenblockbustern klingt auch nach einer guten Idee. Dabei sollte THE BOOK OF HENRY eigentlich bereits vor dem Dinoausbruch gedreht worden zu sein, denn das Drehbuch selbst hat auch schon 20 Jahre auf dem Buckel.

Ich kann mir vorstellen das Treverow nach seinem finanziellen Riesenhit ziemlich freies Feld hatte und trotzden blieb der Film „klein“. Allerdings konnte der US-Amerikaner bei den Schauspielern voll zulangen und verpflichtete mit Naomi Watts, Jacob Trambley und Jaeden Lieberher eine Vielzahl an Top-Leuten. Dass alle um drei Ecken schonmal mit einander gedreht haben merkt man (was ein großer Pluspunkt ist), aber dazu später mehr.

Die Geschichte kann man aus dem Trailer schon rausfiltern, auch wenn diese eben nicht genretypisch daherkommt. Im Grunde haben wir ein hochbegabtes Kind, welches die Probleme seiner Mutter regelt und sich um den kleineren Bruder kümmert. Er bekommt mit, dass die gleichaltrige Nachbarin von ihrem Stiefvater misshandelt wird und nachdem ihm/ihr keiner so richtig helfen mag, will er was dagegen unternehmen und das auch mit Hilfe seiner Mutter. Das klingt doch schonmal nach einer durchaus brauchbaren Prämisse, dieses ganze Rache-Action-Thema in die Hände einer viel zu jungen Person zu legen. Selbst als ruhigerer Thriller versteckt sich da für mich eine ziemlich gute Idee oder wenigstens eine gute Möglichkeit. Mehr bleibt es dann jedoch leider nicht.

 

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Halten wir fest, die drei Hauptdarsteller sind Wahnsinn: Naomi Watts muss kaum mehr was beweisen und schlägt sich tapfer wird jedoch an die Wand gespielt von den beiden Jungs. Jacob Trambley kennt man aus ROOM, für den er abgesahnt hat und mit Naomi Watts hat er zudem bereits in SHUT zusammengearbeitet. Und auch hier ist der Kleine der absolute Wahnsinn. Aber auch Jaden Lieberher hält da locker mit, was mich mit Freuden auf das ES-Remake hoffen lässt, da er hier eine tragende Rolle inne hat und auch bei ihm gibt es bereits eine Verbindung zu Frau Watts, denn auch er spielte bereits in ST. VINCENT an ihrer Seite.

Dennoch muss man sagen dass die Rolle des Überbegabten einfach viel zu übertrieben ist: Selbst X-Men Charles Xavier würde wohl gegen ihn ein Wissensquiz verlieren und das stört einen bereits sehr früh. Dabei ist das erste Drittel noch das Beste und hätte gerne so weitergehen können, denn die Zuneigung der drei und deren Alltag ist vielleicht kitschige, aber einfach eine realistische niedliche Coming of Age-Story. Doch leider gibt es da noch das zweite Drittel und das Letzte und hier jetzt mal Spoilerwarnung für die nächsten Absätze.

 

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SPOILERWARNUNG:

Im zweiten Drittel mutiert das Ganze dann zu einer Krankenhausgeschichte, da Henry einen Tumor hat und wohl jeder weiß was jetzt kommt. Große emotionale Szenen, die aber irgendwie komplett nicht zum fantasievollen Ton der ersten halben Stunde passen. Zumal manche Szenen  einen Kopfschütteln lassen: warum küsst eine erwachsene Frau Henry als Zuneigungsbeweis auf die Lippen? Warum muss er dem Arzt zeigen dass er alles besser weiß und spätestens ab dem Moment beginnt man sich alle paar Minuten zu fragen….WARUM???

Das letzte Drittel soll dann so eine Art Selbstjustiz-Thriller werden und man fasst sich nur noch an den Kopf. Ich will gar nicht alles hier spoilern, aber Naomi Watts hört die aufgenommene Stimme von Henry über Kopfhörer und die Stimme weiß immer genau was sie denkt. Das ist so peinlich das muss man gesehen haben. Mal davon abgesehen, dass der Ton vom letzten Drittel natürlich auch wieder nicht zu den anderen beiden passt. Dass eine Mutter bereit ist den Nachbarn und gleichzeitig Polzeichef, mit einem Snipergewehr umzubringen, weil der 11-13 jährige Sohn darum bittet, ist natürlich die Spitze des Eisberges. Natürlich probiert der Film das Ganze emotional zu untermauern, aber es bleibt totaler Quatsch an allen Ecken und der Zufall scheint von ihnen geradezu bezahlt worden zu sein.

SPOILERENDE:

Somit komm ich zum Schluss: Hier wurden Schauspieltalente in einem Witz von Drehbuch verbraten, dessen Lächerlichkeit fast schon wieder lustig ist. Am besten macht man ihn nach dem ersten Drittel aus und erfreut sich bis dahin an ein paar netten Ideen und wunderbar sympathischen Jungschauspielern. Alles was danach kommt, fühlt sich so an als hätte man eine Wundertüte bekommen, die oben noch Süßigkeiten und Spielzeug hatte und danach kommen langweilige Schulbücher, gefolgt von schmerzhaften Mäusefallen und man will nur noch alles wegschmeißen.

 

The Book of Henry - Bewertung

Ab dem 21. September 2017 nur im Kino!

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