KRITIK: MOTHER!

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© Paramount Pictures Germany

Autor: Tom Burgas

Vorfreude, so richtige Vorfreude gibt es wohl nur noch selten wenn man im Kinosessel sitzt. Denn durch den ganzen Social Media-Kram wissen wir fast schon alles. Dutzende Trailer, Teaser zu Trailer und dazu wird Facebook oder Twitter vollgeschissen mit Neuigkeiten. Selbst wenn man es nicht will ist es wahnsinnig schwer nicht schon vorher recht viel vom Film zu erfahren. MOTHER ist hier einer der wenigen Ausnahmen. Auf einmal war er da und selbst die Poster oder der Trailer sagten nichts aus und zeigten nur ein paar Frames. Darren Aronofsky darf das mittlerweile. War er mit seinen ersten Filmen „nur“ bei Filmkennern auf der Liste der Könner, konnte er spätestens mit dem Überraschungserfolg BLACK SWAN auch bei allen anderen Kinogängern punkten. Durch seine früheren Werke war er kurzzeitig auch MEIN Lieblingsregisseur, da er mir besonders mit THE FOUNTAIN die Hosen stramm zog. Jedenfalls hatte er durch den Schwanengesang langsam einen kleinen Freifahrtsschein, den er hier auch brauchte, aber dazu später.

Kommen wir mal zur Geschichte. Hierbei muss ich ebenfalls mehr als im Normalfall eingehen, denn diese ist der absolute Dreh und Angelpunkt des Ganzen und hier mal zur Abwechslung der Teil der am meisten diskutiert werden wird. Ohne jetzt die ganze Geschichte runterzurasseln reicht es zu sagen, dass ein Ehepaar (Jennifer Lawrence und Javier Bardem) in ihrem abgelengenen Haus lebt und er an seiner Schreibblockade arbeitet und sie am Haus rumwerkelt. Dann kommt der erste Besuch in Form von Ed Harris und Michelle Pfeiffer. Doch dabei soll es nicht bleiben und es kommen immer mehr Besucher und alle verhalten sich mehr als merkwürdig. Während Lawrence immer mehr den Verstand verliert scheint Bardem es immer mehr zu genießen und alles entwickelt sich spätestens ab der Hälfte zu einem filmgewordenen Alptraum von Hyronimus Bosch.

 

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© Paramount Pictures Germany

Ich nenne jetzt keine Rollennamen da diese nicht existieren und zudem wie der ganze Film mit Absicht im dunkeln bleiben.

Genauso im dunkeln bleibt für mich leider auch die Absicht von MOTHER! Hat er schon in seinen vorigen Werken immer versteckte Botschaften einbauen wollen oder den Zuschauer aufgefordert wirklich sein Werk mehrmals zu schauen und mit Hilfe seiner eigenen Interpretation den Film zu verstehen, gibt er hier nur noch Krümel wo mal ein ganzen Brot war und zieht einen schönen Rahmen drum über den man sich dann aber im Grunde auch wieder streiten kann.

Vom Inszenierungsstil oder generell als Vergleich wurde ROSEMARYS BABY schon zuvor in den Ring geworfen und das ist nichtmal wirklich abwegig. Ein ständiges Rauschen welches über dem Bild liegt, lange ruhige Kamerafahrten und entsättigte Bilder ziehen einen von Anfang an in eine 70er Atmosphäre. An Roman Polanski kommt er dabei nicht ran, aber wer kann das schon? Vielleicht mag ich auch MOTHER zu wenig oder bin nostalgisch verklärt, aber bereits nach den ersten Minuten dachte ich „Hmm, irgendwie wirkt das alles nach Hallo ich will sein, aber bin es nicht“.

 

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© Paramount Pictures Germany

Auch wenn ich es als sehr angenehm empfand nicht wirklich zu wissen auf was man sich einlässt, zeigte mir der Film von Minute zu Minute dass ich kein Fan werde. Schon die erste Minute finde ich mehr als ungünstig gewählt, denn wenn man über diese kurz nachdenkt, legt er schon die letzte Minute offen und damit schon das komplette Konzept des Films zu großen Teilen.

Dazu kam gleich in den ersten Szenen eine Jennifer Lawrence der ich einfach immer weniger abgewinnen kann. Okay, Aranofsky kam mit ihr während der Dreharbeiten zusammen, aber muss man sie dann gleich immer so offensichtlich ins Bild rücken als wolle man Werbung für sie machen? Dazu kommt immer der selbe Gesichtsausdruck und mein wissen dass ich sie schlussendlich nicht als große Schauspielerin ansehen kann und vor mir eine der nervigsten Frauenrollen seit langer Zeit habe. Nicht das es falsch rüberkommt, ich glaube ich mochte sie in anderen Filmen, nur fällt mir gerade keiner ein.

Jedoch war ich auch von Javier Bardem etwas enttäuscht, da er nie zu den schauspielerischen Stärken finden kann,  die man sonst von ihm gewohnt ist. Anders hingegen sieht es bei Ed Harris und Michelle Pfeiffer aus. Harris bleibt für mich auf ewig Brigadier General Francis X Hummel und damit eine der coolsten harten Säue und bei Pfeiffer bekomme ich immer noch weiche Knie und beide hatten mal so richtig Lust auf ihre Rollen. Sie sind eine der wenigen Lichtblicke und reißen jede Szene an sich.

 

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© Paramount Pictures Germany

Doch selbst sie schafften es nicht mich vor der Langeweile zu retten, die einfach zu schnell einsetzte und selbst als MOTHER ab der Hälfte ins abstrakte/brutale/psychodelische abtaucht hat er mich verloren und es war für mich einfach nur laut und wirr.

Ich denke dass ich zu einem Großteil die Handlung verstanden habe und umso mehr ärgert mich das Ganze. Immer mehr will Aronofsky religiöse Grundfragen oder Überlegungen bebildern, aber diesmal ganz klar ohne was zu erzählen. Runtergekürzt und mit etwas mehr Erklärungen wäre es eine nette Folge in der TWILIGHT ZONE geworden. Hier jedoch ärgert es einfach dass er MOTHER mit einer nervigen Dekadenz erzählt und sich in sich selbst suhlt ohne eine eigene Identität aufzubauen und nur weil er es mit einem religiösen Unterbau inszeniert ist es nicht faszinierend und vor allem nicht neu. Am Anfang hat man wirklich die Stimmung von ROSEMARYS BABY, während er dann zu HIGH-RISE mutiert und eine Auflösung bietet die man aus HELLRAISER: INFERNO kennen könnte. Wäre kein Problem wenn er mir nicht ständig das Gefühl gegeben hätte als würde er sich selber richtig geil finden und da helfen auch keine grenzwertigen harten Bilder, die so manchen vielleicht wirklich schocken könnte.

Es war wirklich schwer danach was gutes zu finden, denn nichts hasse ich selber, als einen Film komplett nur zu verreißen. Am ehesten würde mir da wohl einfallen, dass ich den Film wie eben zur Schau gestellt richtig langweilig bzw. schlecht finde, aber immerhin absolut verstehen kann, dass jemand ihn mag. Denn was er bietet ist Diskussionfläche, aus meiner Sicht jedoch nur aus dem Grund dass er nichts zeigt und dem Zuschauer zu viel überlässt. Als Geschichtenerzähler jedoch einfach ein paar Zeilen auslassen ist für mich keine Kunst – Aranofsky schrieb auch das Drehbuch.

 

Mother - Bewertung

Seit dem 14. September 2017 nur im Kino!

Kinoplakat & Bilder © Paramount Pictures Germany.

 

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