KRITIK – ALIEN: COVENANT

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© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Autor: Tom Burgas

Puuhh, schwere Geburt. Okay mit einem schlechten Wortwitz zu beginnen ist vielleicht nicht gerade die beste Art und Weise anzufangen, aber so ist es nun mal. Wie kann man richtig und unverblümt an diesen Film rangehen? Das ist praktisch unmöglich. Klar könnte ich jetzt sagen „okay, die Pflicht einer Filmkritik sollte es sein, völlig unvoreingenommen an jedes Projekt heranzugehen“. Nö, mach ich aber nicht, dann könnte ich mich ja gleich dekadent in meinen Ledersessel setzen und mein Monokel zurechtrücken, in der Hand ein Theoriebuch über die Kunst des Journalismus. Sorry Leute ich nehm mir dann lieber mein X-Rated-Magazin und schrei mit absoluter Spontanität heraus, was ich von diesem ganzen Zelluloidbrei halte.

Aber erstmal zu meiner herangehensweise, ihr habt hier jemanden, der die alten 4 Teile dutzende Male geguckt hat und alle Extras jeder erschienenden Fassung aufsaugt wie Muttermilch. Nun ja, dann kam „Prometheus“, fand ich ziemlich generischen Kram, hab ich Ridley Scott, der ja bekanntlich den ersten Teil erschuf, verziehen. Da lief hinter den Kulissen ziemlicher Mumpitz ab und man war selber sehr überrascht, dass der Film wahnsinnig Asche machte. Meine liebsten Schleimer waren also back in Space, wo man die Leute dann langsam doch schreien hörte und sich so manches änderte. Leider wurde auch für den neuesten Teil wieder alles sehr merkwürdig geplant. Erst kam Neil Blomkamp mit seinen Ideen und Konzeptzeichnungen und jeder hat es gefeiert. Weaver und Biehn aus Teil 2 sollten in einem alternativen dritten Teil zusammen gegen die Kieferkrabbler antreten und der Stil sich sehr dreckig und geerdet geben. Jeder war begeistert…….außer Ridley Scott, der hat dann auch gezeigt wer die dickeren Eier in Hollwood hat und gab bekannt, dass er erst seine Prequel-Filme zu Ende bringen will. Diese sollen wie mittlerweile bekannt wurde, 4 Teile umfassen. Dagegen ist Blomkamps Fassung wohl erstmal gecancelt.

 

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© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Schade, aber obwohl ich „Prometheus“ einfach nicht wirklich gut fand, ist mir das lieber, als wenn irgendeine glattpolierte Hollywoodnase (einmal ein freundliches Hallo an Brett Ratner) übernimmt. Und diesmal soll es ganz klar „Alien“ sein. Kein Film der das Vieh irgendwie gezwungen reinquetschen soll, nein Scott hat sich jetzt entschieden unseren Lieblingsxenomorph komplett zu integrieren und seine Geschichte zu erzählen. Deswegen heißt das Ganze jetzt auch nicht mehr „Prometheus 2“ sondern „Alien: Covenant“, was ich okay finde, denn somit kann man „Prometheus“ schon alleine für sich stehen lassen.

Dann kam die erste Marketingflut, schnell gab es einen Trailer und ein Poster und wiedermal muss man feststellen, dass Scotts hohes Arbeitstempo Fluch und Segen zugleich ist. Die ersten zwei Poster machten schon Lust auf mehr, zeigten einen geilen Stil und zeugten davon, dass man möglicherweise wieder mehr auf mystischen Gothic-Horror vertraut. Nun ja, habt ihr gedacht, denn dann kam das offizielle Poster samt Trailer und das war für mich so, als würde man auf der Straße 100 Euro finden und dann im letzten Moment mitbekommen, dass es Spielgeld ist. Ich fühlte mich verarscht!! Das Poster ist billigstes Photoshopgewusel mit einem Stilbewusstsein aus der Hölle und der Trailer war der Grund der den fetten Haufen erst so richtig zum Stinken brachte. Ich gebe es zu, mein Problem war und ist meine Erwartung. „Prometheus“ hätte ein Ausrutscher sein können und dürfen. „Alien: Covenant“ sollte jedoch der Film sein , der alles hätte richtig biegen können. Aber komm ich vom Trailer gleich zum Film, denn hiermit bekommt man genau das, was man vermutete.

 

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© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

„Alien: Covenant“ spielt 10 Jahre nach „Prometheus“ und wir lernen schon wieder eine komplett neue Crew kennen. Eine, die den ersten Planeten für Menschen besiedeln soll, doch dann gibt es wiedermal einen Funkspruch dem man folgt. Fand ich jetzt storytechnisch nicht weltbewegend als Einstieg, aber kann man als Aufhänger mal machen.

Zu allererst kann man  mich einfach nicht damit zufrieden stellen, dass die Raumschiffe und alles drumherum seit dem Vorgänger so glatt wirken. Kaum mehr was zu spüren von der dreckigen Art und Weise, dem fliegenden Truckerfrachter aus Teil 1. Das ist noch ok und das kann man sich damit schön reden, dass die Raumfahrt hier noch in den Kinderschuhen steckt und alles noch einen anderen Stellenwert hat. Trotzdem muss man ab Sekunde 1 feststellen, dass der verwendete Stil der Schiffe und der Technik einfach generisch wirkt. Auch fällt sofort der Einsatz von CGI auf, hier wurde nichts mehr mit Hand gebaut und dadurch verliert „Covenant“ stark an Stimmung.

Dazu kommt, dass einem die Crew von Anfang an überwiegend egal ist. Man hat so seine 2-3 Figuren die einen Backround und was zu tun bekommen, allerdings ist der Rest einem einfach egal und man weiß irgendwie auch nie so wirklich wie viele da jetzt rumwuseln oder welchen Job die überhaupt haben. Sehr schade und unnötig und das erste Anzeichen dafür, dass das Drehbuch recht „faul“ ist. Das führt schnell dazu, dass selbst die erste Actionsequenz, in der Leute sterben und in Folge dessen was am Schiff draußen repariert werden muss, irgendwie am Arsch vorbeigeht und seltsam seelenlos wirkt.

 

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© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Nun ja, dann kommt Genosse Funkspruch von einem anderen Planet und man findet raus, dass dieser  zum besiedeln ebenso perfekt wäre, und fragt sich, ob man zu ihm fliegt und so 7 Jahre spart. Ich hab das Gefühl, dass ihr die Antwort schon kennt. Übrigens hat der Computer gleich ganz klug rausgefunden, dass der Planet völlig ungefährlich ist. Nur eine Person zeigt Bedenken, für alle anderen ist die Marschrichtung klar. Dies war dann schlussendlich der erste Stirnklatschmoment des Films.

Der zweite folgt dann, als sie auf dem Planeten landen und munter drauflos sich aufteilen und komplett ohne Anzüge da rumwandern. Ja warum auch, der Computer sagt doch, dass alles toll ist. Ein ganzer unbekannter Planet!!!!! Ab dem Moment hatte mich der Film verloren. Die Hoffnung war dahin, denn ich wusste, ich habe nur ein Popcorn-Alien vor mir. Ich will jetzt nicht die ganze Geschichte spoilern, jedoch wird es nicht besser. Es gibt tolle Momente in diesem Film, die kann man ihm nicht absprechen. Die Szenen in denen die ersten Chestburster ausbrechen ist für 5 Minuten schönster, intensiver Terror und am Ende gibt es nochmal ein paar Minuten in denen man schon mitfiebern darf.

 

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© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Alles dazwischen ist leider sehr ärgerliches Mittelmaß. Man hat dumme Charaktere, die sich immer wieder von der Gruppe trennen und vor allem, und das ist fast noch schlimmer, Entscheidungen treffen oder Handlungen vollführen die an Dummheit kaum zu übertreffen sind. Sogar ansich nicht völlig unsympatischen Charakteren wünscht man dadurch einfach den Tod. Weiteres Ärgernis ist das komplette Fernbleiben von handgemachten Effekten. Wie bei den Raumschiffen, ist das Alien und alle Kreaturen die damit zusammenhängen, digital erstellt und das selten wirklich zufriedenstellend. Nicht falsch verstehen, es sieht okay aus, aber bei einer Multimillionen Dollar-Produktion hab ich einfach kein Nachsehen mehr. Besonders im Vergleich zu den originalen Teilen stinkt das Monster einfach ab, was schade ist, da es durchaus wunderbar aggressiv agiert. Wenn es allerdings frisch aus einem Körper platzt und einen Charakter nachmacht der da noch steht, als wäre es seine Mutter, weiß man wieder, dass bei dem Film einfach irgendwas nicht stimmt.

Auch die Vorfreude (auf den Planeten der Konstrukteure und vielleicht einen Blick in eine wunderbar andere Welt und Rasse), die man am Ende von „Prometheus“ noch verspürte, kann man vergessen. Denn das Ganze wird in 2 Minuten abgehandelt und man sieht nichts außer einen kargen Planeten, mehr bekommst du nicht. Ich mecker die ganze Zeit, aber wenn der Film eben was schafft, dann einen wütend zu machen, denn der Film steckt voller guter Ansätze.

 

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© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Auch können die Hauptdarsteller alle keine Akzente setzen, wissen jedoch zu gefallen. Besonders dass Danny McBride eine andere Seite von sich erfolgreich zeigen kann, ist ein Bonus. Auch sehen natürlich bekannte Shots einfach gut aus, aber man bekommt zu keinem Moment dieses Gefühl, welches einem frühere Alienteile schenkten, selbst Teil 4 wird nie erreicht. Alles wirkt digital und schnell heruntergekurbelt. Vielleicht wäre eine Buchumsetzung besser gewesen, vielleicht fühlt sich Scott unter Druck gesetzt. Der Mann ist jetzt 79 Jahre und will unbedingt die Reihe vollenden und dreht und schreibt wie ein Besessener. Das kann einfach nicht förderlich sein und das merkt man dem Projekt hier einfach an. Zu keiner Zeit gibt er einem das Gefühl, dass hier mal geatmet wurde. Ich würde sogar behaupten, dass der diesjährige Genre-Konkurrent „Life“ besser war und das zeigt schon in welchem Radius wir uns hier bewegen.

Das Ende ist zwar auch absolut vorhersehbar und wird einem als großer Twist verkauft, birgt jedoch storytechnisch eine nicht uninteressante Idee wie es mit dem nächsten Teil weitergehen könnte. Für einen Standard-Popcornfilm wäre das wohl noch okay, aber mit seinem eigenen Franchise im Nacken ist das schon beschämend was hier abgeliefert wurde.

 

Alien Covenant - Bewertung

Ab dem 18. Mai 2017 nur im Kino!

Kinoplakat & Bilder © Twentieth Century Fox of Germany GmbH.

 

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