KRITIK: ROCKETMAN

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© Paramount Pictures

Autor: Tom Burgas

BOHEMIAN RHAPSODY oder Leute? Ob man nun Queen-Fan ist oder nicht, Rami Malek, die geile Sau, hat aber auch so jeden in den Sessel gedrückt. Die Kritiken, die ich vernahm, waren in den meisten Fällen hirnrissig, also denke ich auch „Ich habe recht, Basta, geiler Film, Punkt aus Ende“. Bei dem Einspiel könnte ihm das sowieso auch egal sein. Ist es ihm wohl auch, aber nicht der Filmwelt. Denn wir kennen ja die leidliche Geschichte, dass es jetzt fein viele Nachahmer geben muss, bis der Rubel nicht mehr rollt. Ganz so böse sollte man nicht sein, schließlich gab es Biopics schon immer und auf dem Regiestuhl sitzt bei beiden Projekten derselbe Mann, Dexter Fletcher. Zugegeben, beim Queen-Vehikel eher noch von der Reservebank aus, da Brian Singer seine Wichsgriffel nicht von zu jungen Menschen lassen konnte.

ROCKETMAN ist nun komplett sein Baby und Vergleiche bieten sich an. Die erste Szene steht eigentlich exemplarisch für den ganzen Film. Elton John, hier noch zirka um die 30-35, kommt in einem verrückten Teufelsoutfit in den lichtdurchfluteten Raum. Ihm gehört der Moment. Er setzt sich hin und……muss ein Geständnis machen, wodurch er in Sekunden zu einem emotionalen Wrack mutiert. ROCKETMAN ist bei weitem mehr tiefergehendes Drama. Nicht, falsch verstehen, hier gibt es auch viel Party und Gesang und Tanz, doch ist die Ausarbeitung des Charakters von Elton John hier um einiges zentrierter als beim Herrn Mercury. Das liegt aber wohl auch an den Songs und dem Werdegang Johns, sowie dass wir es hier mit EINEM Sänger und keiner Band zu tun haben. Aber trotzdem, scheiß melancholisch das meiste was er gemacht hat. Da ist es kein Wunder, dass sein Film-Vehikel auch öfter in die Kerbe schlägt.

 

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© Paramount Pictures

Zu 90 % funktioniert das alles jedoch bravourös. Jetzt könnt ich zu den tollen Tanzeinlagen kommen oder der Ausstattung, aber nö. Wer den ganzen Film mit einer besorgniserregenden Leichtigkeit auf seinen Schultern trägt ist TARON EGERTON. Leck mich fett zieht der hier eine ganz eigene Show ab, zu der ihm Elton auch geraten hat. Dabei war er nicht wirklich die erste Wahl. Schon früher hatte Justin Timberlake auf der Matte gestanden und war durch die frühere Arbeit mit JOHN eigentlich safe. Auch Tom Hardy sollte es lange werden. Spätestens als Taron Egerton in dem Animationsfilm SING den Song STILL STANDING gesungen hat, brachte er sich in die engere Wahl. Bei KINGSMAN: THE GOLDEN CIRCLE haben sie sich schlussendlich wohl lieben gelernt, denn das gemeinsame Projekt wurde schnell ins Rollen gebracht.

Vom Aufbau haben wir natürlich den alten Klischeestandard. Von jung bis alt bekommen wir den Aufstieg eines Stars, samt Drogen, Sex und tausenden von Süchten. Dass er homosexuell ist interessiert 2019 wohl auch die wenigsten. Zum Glück wird damit recht offen umgegangen und die Darsteller haben damit null Berührungsängste. Aber auch abseits der offenherzigen Szenen wissen alle ihre Rollen perfekt auszufüllen. Vor allem Jamie Bell als Johns bester Freund könnte eine Oscarnominierung einsacken.

 

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© Paramount Pictures

Egal wie großartig der Dramaanteil ist, wenn die Gesangs- oder Tanzeinlagen anfangen rockt der Saal. Perfekt choreografiert und immer mit einer Prise optischer Fantasie schweben dann mal alle im Raum oder ein Oneshot führt durch die vielen Stationen seiner Karriere. In diesen Momenten ist ROCKETMAN eine klare 10 von 10 und löst 2-3-mal das aus, was BOHEMIAN RHAPSODY in seinen letzten 20 Minuten schaffte.

Die Summe seiner Teile funktioniert fast perfekt, aber eben nur fast. Hier und da hat er minimal Leerlauf, ruht sich zu oft in der Frage aus ob er sich durch Drogen und Selbstzweifel zerstört oder es eben doch noch packt. Gerade die Stationen mit seinen Eltern schlagen einen emotional zwar zu Boden, werden jedoch zu wenig ausgearbeitet.  Generell bleibt bei all dem Drama und dem riesigen Erfolg die Kamera immer an der Hauptfigur selbst, was natürlich zum Konzept passt, einem die Ausmaße aber eher schwerlich begreifbar macht. Das sind jedoch eher kleine Stolpersteine beim großen Ganzen.

 

Rocketman - Bewertung

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