KRITIK – JUDGMENT NIGHT – ZUM TÖTEN VERURTEILT

© Universal Pictures
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Autor: Florian Wurfbaum

Spätestens in den 90er Jahren erreichte die Hip Hop Kultur den Mainstream, was sich auch in unzähligen Crossover-Musiksamplern widerspiegelte. Hierbei produzierten verschiedene Hip Hop- und Rock-Künstler gemeinsam Songs, die dadurch auch eine große Aufmerksamkeit erlangten. Eines dieser maßgebenden Alben war der Soundtrack zu dem Action-Thriller „Judgment Night“. Das Album war mit zahlreichen Musikgrößen wie z.B. House of Pain, Faith no more, Cypress Hill, Slayer, Ice T und Pearl Jam bestückt und wurde so zu einer der erfolgreichsten Musikalben des damals immens populären Crossover-Musikgenres.

Im Gegensatz dazu erhielt der gleichnamige Film, in dem vier Normalos – auf dem Weg zu einem Boxkampf – in ein heruntergekommenes Ghetto gelangen und hier von einem Gangsterboss gnadenlos gejagt werden, bei seiner Erstveröffentlichung nur wenig Aufmerksamkeit. So erwies sich die Universal Produktion letztlich, gemessen an dem ordentlichen Budget, als Flop. Der heimische Misserfolg führte auch dazu, dass der deutsche Verleiher nur wenig Vertrauen in die 21 Millionen $ Produktion fasste und hierzulande gleich ganz auf einen Kinostart verzichtete und den B-Action-Reißer direkt auf Video auswertete.

 

© Universal Pictures
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Doch die damalige Missachtung bei Publikum und Kritikern hat „Judgment Night“ in keinster Weise verdient und erfreulicherweise änderte sich dies auch im Laufe der Zeit. Folglich ist der 1993 entstandene Streifen mittlerweile völlig zurecht vollends rehabilitiert und gilt heutzutage als kleiner, feiner Genre-Kultfilm. Vermutlich war eine fehlgeleitete Marketingstrategie des produzierenden Filmstudios Universal für den Misserfolg verantwortlich, aber dies ist aus heutiger Sicht nur noch schwer nachzuvollziehen.

An der Qualität des Actionfilmes liegt es auf jeden Fall nicht. So besticht „Judgment Night“ zum einen mit seiner erstklassigen Besetzung, um die damals angesagten und aufstrebenden Darsteller Emilio Estevez, Cuba Gooding, Jr., Stephen Dorff und Denis Leary. Insbesondere der heutige Serienstar Leary („Rescue Me“) begeistert als zynischer Schurke, der den gejagten Normalos immer wieder ihre Arroganz und Ignoranz vorwirft. Leider verliert sein Spiel durch die stimmlich unpassende deutsche Synchronstimme ein wenig an Intensität und Bedrohung, aber man kann ja jederzeit auf den Originalton umschalten. Zum anderen beeindruckt der Film mit seiner ungemein dichten Atmosphäre und der rasanten Inszenierung, die den Zuschauer in eine überaus packende Hetzjagd durch die Nacht schickt.

 

© Universal Pictures
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Atmosphärisch erinnert der Action-Thriller dabei an Walter Hill´s „The Warriors“ oder einige Werke von John Carpenter. Hier zeigen sich auch die Stärken von Regisseur Stephen Hopkins, der sich vor allem in den 90er Jahren für mehr als gelungene Genrefilme wie z.B. „Predator 2“ (1990) oder „Explosiv – Blown Away“ (1994) verantwortlich zeichnete.

Neben den handwerklichen Stärken und dem famosen Soundtrack vermag zudem auch das stets nachvollziehbare Handeln der stimmig gezeichneten Charaktere zu gefallen. Diese angenehm geerdete Herangehensweise führt auch dazu, dass sich der Zuschauer mit den im Mittelpunkt stehenden Figuren identifizieren kann und so über die komplette Laufzeit mitfiebert. Der Gewaltgrad ist durchaus ordentlich, aber die FSK 18 Freigabe zum Erstveröffentlichungszeitpunkt war nicht wirklich angebracht, so dass die Herabstufung im Jahre 2009 auf eine 16er Freigabe völlig gerechtfertigt ist.

 

judgment-night-bewertung

Ab dem 08. Dezember 2016 auf DVD & Blu-Ray erhältlich!

DVD-Cover & Bilder © Universal Pictures / Concorde Video.

 

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