KRITIK – BURIED ALIVE – LEBENDIG BEGRABEN

© Koch Media GmbH
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Autor: Khalil Boeller

Mit Debutauftritten von Regisseuren ist das so eine Sache – manchmal bleibt das Erstlingswerk auf diversen Gründen weit hinter dem zurück, was man von dem Regisseur kennt, manchmal schafft es der Regisseur nicht, seinen ersten Film zu toppen und manchmal sieht man bestenfalls im Ansatz durchschimmern, wie talentiert der Regisseur ist. Umso mehr durfte man gespannt sein, wie es sich mit dem ersten Film von Frank Darabont verhält, der Stephen Kings „Die Veurteilten“ kongenial verfilmt hat und auch mit der ersten Staffel von „The Walking Dead“ den Grundstein für eine der beliebtesten Fernsehserien gelegt hat.

Dank Kochmedia liegt jetzt auch sein erster Film, „Buried Alive“ endlich als deutschsprachige DVD vor und der geneigte Zuschauer kann sich ein Bild davon machen, zu was jetzt der erste Film von Darabont zählt – Meilenstein, Gurke oder „ganz okay“? „Buried Alive“ ist eine Produktion für das US Fernsehen und kann man am ehesten in die Kategorie Revenge-Movie/Psycho-Thriller einordnen.

 

© Koch Media GmbH
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Zum Inhalt: Clint, gespielt von Tim Matheson, ist mit seiner Frau Joanna, gespielt von Jennifer Jason Leigh, von der großen Stadt in ein kleines verschlafenes Kuhkaff gezogen. Der Handwerker von echtem Schrot und Korn ist mit diesem Ortswechsel mehr als glücklich und hat dort auch schnell Anschluss und Freunde gefunden und auch seine kleine Firma läuft blendend. Allerdings bemerkt er nicht, wie unglücklich seine Frau mit diesem Wechsel ist, dass sie sich nach wie vor nach der großen Stadt sehnt, unglücklich in ihrer Rolle als Hausfrau ist – und eine Affäre mit dem hiesigen Arzt, gespielt von William Atherton, am Laufen hat.

Doch damit nicht genug – aus eigenen Motiven fängt der Arzt an, Joanna dahingehend zu beeinflussen, dass sie ihren Mann aus dem Weg räumen soll, damit Beide glücklich in den Sonnenuntergang reiten können. Auch wenn sich Joanna zuerst dagegen sträubt, es kommt wie es kommen muss, dem Ehemann wird ein Gift verabreicht, welches ihn umbringt – zumindest glauben das die Beiden. Schnell ist der Ehemann in einer billigen Holzkiste auf dem örtlichen Friedhof verschart, Krokodilstränen werden vergossen, damit Niemand auf die Idee kommt, die Frau hätte etwas mit dem Tod zu tun, die Firma wird auch schnell veräußert, damit man ein Startkapital hat – aber die Beiden haben die Rechnung ohne Clint gemacht. Dieser hat den Anschlag auf sein Leben überlebt und schafft es, sich aus der billigen Holzkiste zu befreien, und nachdem er mitbekommen hat, dass seine Frau und der Arzt dahinterstecken, wird aus dem friedlichen Handwerker ein Mann, der nur einen Gedanken verfolgt – Rache, Rache, Rache! Und diese wird er auch bekommen, auch Dank seiner handwerklichen Fähigkeiten, die die beiden Mörder schon bald zu spüren bekommen…

 

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„Buried Alive“ ist ein Streifen, dem man die Zeit, in der er gedreht wurde, Anfang der 90er sehr ansieht, ebenso, dass wohl nicht viel Budget vorhanden war. Dennoch schafft es Darabont, den geneigten Zuschauer gut zu unterhalten, sieht man von einigen Längen am Anfang ab sowie, dass aus den Schauspielern leider keine Meisterleistung herauszulocken war – alle Charaktere bleiben sehr platt, dem Arzt merkt man von Anfang an seine Durchtriebenheit an, beinahe wie die schnurbartzwirbelnden Bösewichte aus den 50ern. Auch Jennifer Jason Leigh bleibt sehr blass in ihrer Rolle, wobei man hier Darabont zugestehen muss, dass ihre Person vielschichtiger dargestellt wurde.

Der Film hat zudem am Anfang einige Längen, man merkt dem Langfilm einfach an, dass er für das Fernsehen gedreht wurde. Das ändert sich zwar, sobald der gehörnte Ehemann wieder auf der Bildfläche erscheint, aber spätestens, wenn es um die Ausführung der Rache geht, die an sich eine sehr interessante Idee ist, schleicht sich beim geneigten Zuschauer der sogenannte „Moment of Disbelief“ ein – allen handwerklichen Fähigkeiten zum trotz, man stellt sich schon die FRAGE „wie soll das bitte funktionieren?“. Auch hätte es gefallen, wenn man sich auf die Rache konzentriert hätte, und weniger auf einen etwas langatmigen Anfang. Dafür weiß aber der Schluss zu gefallen, was weniger am Schluss an sich liegt (bei dem man wieder Fragezeichen über dem Kopf hat), sondern an der letzten Einstellung, ein Bild, was einen bis in den Schlaf verfolgen kann, ohne zuviel zu verraten.

Allen Kritikpunkten zum trotz ist Darabonts Erstling gute Unterhaltung, aber dennoch kein Meilenstein – dafür gibt es einfach zuviele Kritikpunkte, aber auch kein Vollflop. Wer etwas mit Psychothrillern oder Revengestreifen anfangen kann, dem sei der Streifen ans Herz gelegt, auch wenn man ihn sich vermutlich kein weiteres Mal anschauen wird.

Dennoch absolut vorbildlich, dass sich Kochmedia eines Films angenommen hat, der hierzulande lange Zeit nur auf VHS zu bekommen war, und sicher nur ein Nischenpublikum ansprechen wird – dafür, trotz des sehr überschaubaren Bonusmaterials, ein klares „Daumen hoch“ – und lässt auf andere unbekannte Erstlingswerke von Regisseuren noch hoffen.

 

Buried Alive - Bewertung

Seit dem 07. Juli 2016 auf DVD und Blu-Ray erhältlich!

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