KRITIK: AVENGERS: INFINITY WAR

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© The Walt Disney Company Germany GmbH

Autor: Tom Burgas

Wie soll man nur Anfangen zu diesem Mammutprojekt zu schreiben? Gerade einmal eine Stunde ist es her, seit ich erleben durfte woran Marvel und Disney seit 18 Filmen arbeitet. Nun also der epische Abschluss des Ganzen, natürlich nicht ohne längst schon an einen Neuanfang zu denken, denn wie in den Comics ist einfach alles möglich.

Die Geschichte will ich nur so kurz wie möglich anreißen, denn wer nicht wenigstens ein paar der vorigen Teile sah wird hier mehr als nur überfordert sein. Wobei es nicht unmöglich sein dürfte zu gleichen Teilen trotzdem seinen Spaß zu haben. Denn im Grunde haben wir wieder einen Bösewicht, der nicht viel Gutes mit der Welt vorhat und es diesmal fast alle Helden und Antihelden aus den vorigen Teilen braucht um irgendwie gegen ihn anzukommen. Um gleich eines vorweg zu nehmen: es wurde immer bemängelt, dass es Marvel an charismatischen Bösköppen fehlt. Thanos setzt hier gleich mal ein Statement und ist für mich der beste aller Filme, nicht nur dass er genug „Fleisch“ bekommt um ein gewisses Verständnis für die Figur zu bekommen, auch wird er von Josh Brolin kongenial verkörpert. Fast wünschte ich mir, dass er am Ende der Reise als Sieger hervorgeht.

Auch wurde immer geschrieben, dass man sich um die Helden nie Sorgen machen musste da diese eh gerade in der Gruppe zu stark seien und weitere Filme folgen sollten, somit feststand, dass wirkliche Folgen nicht befürchtet werden musste. Auch hier lässt sich der „Infinity War“ nicht lumpen. Allein die Einführungsszene, die aufzeigt, dass sich Thanos wohl mit Gegnern wie dem Iron Monger oder Loki die Zähne putzen würde sorgte bei mir für ein fettes Grinsen und man fragt sich sofort wie selbst unsere an die 30 Helden es schaffen sollen diesem Koloss was entgegenzusetzen.

 

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„Infinity War“ drosselt das Tempo von Anfang an in nur wenigen Szenen, die eigentlich nur zur nächsten Actionsequenz überleiten sollen. Trotzdem packt er in diese so viele gekonnte Story-Elemente, dass er allen Figuren genug Tiefe verleiht, was wirklich nicht einfach scheint, wenn man am laufenden Band die Setpieces ändert. Haut Thanos am Anfang im All Birnen zu Brei, geht es danach gleich zu Dr. Strange und Iron Man um ein wenig die Großstadt zu zerlegen nur um sich dann wieder im All auf verschiedenen Planeten und Raumstationen ein Effektgewitter um die Ohren zu hauen. Während der perfekten Choreografien kommt es dann immer wieder zu emotionalen Charaktermomenten, die eben auch nur funktionieren, weil man sie in den Einzelfilmen ankündigt.

Apropos Effektgewitter: hatte ich für die Effekte bei „Black Panther“ nur ein müdes Lächeln übrig wird hier geprotzt, dass es sich gewaschen hat. Kein schlechtes Greenscreen, keine Rauchschwaden aus dem letzten Jahrzehnt oder animierte Menschen die eher nach Videospiel aussehen. Dazu gesellen sich Maskeneffekte die allein schon durch ihre Masse Erwähnung finden sollten, hier jedoch das Maßstab aller Dinge sind…Oscarnominierung ick hör dir trapsen.

Man ist einfach wieder ein Kind, wenn jede Actionsequenz im Film eigentlich der Showdown in jedem anderen Film wäre und die hier abgefeuert werden wie Wundertüten, bei denen jeder Held seine Momente bekommt und vor allem trotzdem seine Entwicklung nicht vernachlässigt wird. Wie angekündigt kann man hier natürlich etwas rabiater mit den Helden umgehen da es sich um den Endspurt handelt. Ohne etwas zu spoilern passiert das auch, auch wenn ich mir dies im größeren Maßstab gewünscht hätte. Dicke Tränenvergießer waren da jetzt nicht bei, aber dass man Abschied nehmen muss hier und da ist ja ein offenes Geheimnis.

 

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Zum Schluss gibt es dann als Sahnehäufchen auch noch eine Schlacht als befänden wir uns in der Schlacht um Helms Klamm und es geht nochmal so richtig die Post ab. Bei den meisten Blockbustern würde ich sagen, dass mich das irgendwann ermüden würde, hier jedoch will man einfach nur noch mehr. Man will sehen wie Rocket sich mit dem Winter Soldier Massen von Monstern entgegenstellt, die Kamera nach oben fährt wo der Falke mit War Machine von Saures gibt während man nach einem kurzen Schnitt auf einem anderen Planeten ist und Dr. Strange, Spider-Man, Iron-Man und der Rest der Guardians Thanos probieren im Zweikampf fertig zu machen.

Infinity War bietet nicht mehr und nicht weniger als das Non plus Ultra davon, wie ein Big Budget Blockbuster auszusehen hat. Es gibt minimale Hänger in der Hälfte aber das auch nur weil der Rest komplett das Gaspedal bis zum Boden durchdrückt.

Damit ich hier nicht zu einem Loblied verkomme muss man auch die wenigen negativen Sachen kurz mal betrachten. Zum einen ist ein fabelhafter Bösewicht viel zu früh von der Bildfläche verschwunden und zum anderen die letzten 15 Minuten.

 

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Hier wird theatralisch damit gespielt, dass wir die Taschentücher im Doppelpack nutzen sollen, aber wer auch nur kurz nachdenkt und den Faktor des Zeitreisens überdenkt, erkennt dass dies ganz schlimm nach schlechtem Budenzauber aussieht und dass das schon im nächsten Teil keine Tragweite mehr haben wird/könnte. Irgendwie passte das alles nicht zum Ton, der vorher über 2 Stunden zum Tragen kam und wirkt als hätten sie nochmal schocken wollen, aber das verpufft einfach nur wenn einem klar ist welche Filme schon angekündigt sind, das hat erzählerisch eine sehr billige Note, die man den Regisseuren nicht gewohnt ist, zeichneten sie sich schon für die sehr runden „Captain America 2 und 3“ aus. Wenn man die obligatorische After Creditscene sieht weiß man dann auch wer die Karre wohl aus dem Dreck ziehen wird.

Was bleibt ist also ein Quasi-Best of aller liebgewonnenen Helden, die alle nochmal zeigen können was sie können und dass, gegen einen schier übermächtigen Gegner, der verteufelt viel Spaß macht. Dadurch verkommt das Ganze zu einem etwas episodenhaften Aufbau, aber wenn das so viel Spaß macht und so gut gemacht ist und vor allem nicht mehr sein will als der perfekte Blockbuster dann verdammt…take my Money!!!

 

Avengers - Infinity War - Bewertung

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