KRITIK – VICTOR FRANKENSTEIN

© 2016 Twentieth Century Fox Home Entertainment
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Autor: Kevin Zindler

Zum Inhalt: Der radikale Wissenschaftler Victor Frankenstein (James McAvoy) und sein ebenso brillanter Schützling Igor Straussman (Daniel Radcliffe) teilen eine noble Vision: durch ihre bahnbrechenden Forschungen wollen sie der Menschheit zur Unsterblichkeit verhelfen. Aber Victors Experiment geht zu weit und seine Obsession hat grauenvolle Konsequenzen. Nur Igor kann seinen Freund am Rande des Wahnsinns erreichen und ihn vor seiner monströsen Kreation retten.

Neben Bram Stoker´s „Dracula“ wird von den Studios auch  immer wieder gerne Mary Shelley´s „Frankenstein“ Vorlage für neue filmische Adoptionen aus dem Hut gezaubert. Doch die letzten beiden Verfilmungen „Mary Shelly´s Frankenstein“ (1994)  – in dem Charakter-Mime Robert De Niro das Monster neues Leben einhauchte – und „I Frankenstein“ (2014) konnten weder inhaltlich noch am Box Office überzeugen. Die miesen Zahlen der Konkurrenz hielten „Fox“ jedoch nicht davon ab, ein weiteres Mal Shelley´s Geschichte einer Frischzellenkur zu unterziehen. Regisseur Paul McGuigan (Lucky Number Slevin) bekam 40 Millionen Dollar zur Verfügung und mit Daniel Radcliffe und James McAvoy  zwei der derzeit angesagtesten Charakter-Schauspieler der Welt zur Seite gestellt. An den US-Kinokassen floppte „Victor Frankenstein“ mit einem Einspiel von 5,7 Millionen gewaltig. Ist das desaströse Ergebnis auch ein Ausdruck inhaltlicher und künstlerischer Schwächen?

 

© 2016 Twentieth Century Fox Home Entertainment
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 „Sie kennen diese Geschichte. Der Blitz. Ein verrücktes Genie. Eine unheilige Schöpfung.“

Mit diesem Prolog – intoniert von Daniel Radcliffe alias Igor Straussman – beginnt „Victor Frankenstein“.  Die Zuschauer werden mit den Worten darauf vorbereitet, dass sie keine wörtliche Nacherzählung des beliebten Horror-Klassikers zu sehen bekommen. Vielmehr geht es um die Beziehung zwischen der Titel gebenden Figur und dessen treuen Mitarbeiter Igor. Und das ist ein wirklich guter Ansatz. Igor, der ein trostloses Leben als buckliger Clown in einem Wanderzirkus fristet und dessen Hobby es ist, die Anatomie des Menschen zu studieren (ja, das darf man als etwas zu weit hergeholt bezeichnen), könnte unglücklicher nicht sein. Einziger Lichtpunkt und Schwarm ist die Trapezkünstlerin Lorelei (Jessica Brown Findlay), welche aber während einer Show buchstäblich den Halt verliert und verunglückt. Mithilfe des zufällig anwesenden Victor Frankenstein kann er Lorelei retten. Victor erkennt Igors Talent und befreit ihn nicht nur aus seinem sklavenähnlichen Zustand, sondern auch vom hässlichen Buckel und bietet ihm obendrein an, für ihn zu arbeiten (ja, auch das darf gerne als etwas zu weit hergeholt bezeichnet werden).

Von diesem Zeitpunkt an nähern wir uns im Grunde wieder der eigentlichen Geschichte. Gemeinsam experimentieren die neuen besten Freunde, wollen Tote wieder lebendig machen. Immer mehr offenbart Victor dabei seine fast schon besessene, wahnsinnige Seite und Igor zweifelt trotz seines loyalen Verhaltens immer mehr am Erfolg dieser Experimente. Letzten Endes bekommt der geneigte Horror-Fan dann doch das Monster zu sehen, welches bekannter Weise  nicht dem Ideal-Bild entspricht, dass sich der/die Schöpfer in den Kopf gesetzt hat/haben.

 

© 2016 Twentieth Century Fox Home Entertainment
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McGuigan hält ein enges Gleichgewicht zwischen Horror, Drama und Romantik, während sichergestellt wird, dass das Tempo nicht absackt. Die Atmosphäre ist stimmig, die Optik stellenweise gar brillant. Das Finale kommt im strömenden Regen daher und stellt nicht nur im Bezug auf die Optik das Highlight des Films dar. Das Erwecken des Monsters, welches einher geht mit dessen Vernichtung, wird spannend in Szene gesetzt. Nicht nur die tollen Kulissen, auch das Monster selbst können dabei auf ganzer Linie überzeugen. Der Härtegrad hält sich in Grenzen, jedoch wird nicht an Authentizität gespart, wenn beispielsweise Organe explizit vor die Kamera gehalten werden. Somit geht die Freigabe „Ab 16“ durchaus in Ordnung.

McAvoy und Radcliffe liefern eine überwiegend gute Performance. Sie sind Schauspieler mit Charme und Gravität. McAvoy übertreibt es mit seinem Spiel ein wenig, driftet das ein oder andere Mal ins Overacting ab, womit er es seinem Vorgänger Kenneth Branagh – dem Frankenstein von 1994 – gleichtut. Seine Interpretation des gleichermaßen besessenen wie genialen, extrovertierten und bizarren Victor ist aber durchaus sehenswert und ansprechend. Radcliffe – der schon lange sein Harry Potter Image abgestreift hat und immer wieder mit sorgfältig ausgewählten Rollen überrascht – steht seinem Kollegen in nichts nach und man nimmt ihm den gutherzigen, gequälten und dezent auftretenden Kompagnon hundert prozentig ab.

Schwachpunkt des Films ist die bereits erwähnte unglaubwürdige „Kennenlernphase“ (wiewohl durchaus unterhaltsam) und die nicht ausgereifte Liaison zwischen Igor und Lorelei, die ruhig noch etwas Tiefgang hätte vertragen können.

 

victor-frankenstein-bewertung

Ab dem 22. September auf Blu-Ray, DVD und VOD erhältlich!

DVD-Cover & Bilder © 2016 Twentieth Century Fox Home Entertainment.

 

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