KRITIK: TOMB RAIDER

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© Warner Bros. Entertainment

Autor: Tom Burgas

Yeah Videospielverfilmungen, ich steh drauf. Nirgendwo sonst kann man so oft völlig unreflektierte Kritiken lesen, weil die ja so oder so scheiße sind. Ein Mittelfeld gibt es da nicht, schließlich würde man ja dann nicht am kollektiven Hate teilnehmen und wo kämen wir denn dann bitte hin? Okay, ich bin ehrlich, richtig gute Sachen sind auch selten bei rum gekommen, aber viele konnten mindestens 90 Minuten Unterhaltung bieten, ohne dass man aufhört an das Gute zu glauben.

Über LARA CROFT oder TOMB RAIDER braucht man nicht mehr viel sagen. Die Spielereihe hat die Spielebranche mächtig aufgewirbelt, war werbetechnisch überall vertreten und wahrscheinlich hatte Lara sogar eine eigene Zahnpasta. Heißt mindestens aus der 32-Bit-Ära gibt es keine „größere“ Videospielfigur als unsere wohlgeformte Miss Indiana Jones. Das erkannte man schon 2001 und hat Schlauchbootlippe Angelina Jolie in 2 Abenteuern auftreten lassen, die mit ihr damals perfekt besetzt waren, aber wirkliche Qualität vermissen ließen. Immerhin spielt Til Schweiger im zweiten Teil mit, da wundere ich mich warum gerade dieser dann gefloppt ist (Ironiemodus aus). Jedenfalls hatte sich die Serie irgendwann totgeritten bis dann durch die UNCHARTED-Reihe neues Leben in das Abenteuergenre gepumpt wurde. Die Serie bekam einen neuen realistischen Anstrich und zeigte die Anfänge der noch jüngeren Miss Croft und DAS brutaler (FSK 18) und schießwütiger als je zuvor. Der Reboot war von Erfolg gekrönt, sonst säßen wir jetzt wohl auch nicht vor einer Kritik des Films.

 

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© Warner Bros. Entertainment

Das noch recht junge Studio GK FILMS sicherte sich die Rechte und butterte 94 Mio. Dollar an Budget in das Projekt, um Lara auch auf der Leinwand zu neuer Stärke zu helfen. Dabei ist natürlich die erste Frage wer Lara spielen soll und ähnlich wie bei WONDER WOMAN gab es einen kleinen Aufschrei. Genau wie bei ihr, hingen sich alle an der Tittenfrage auf – ich muss das so stumpf ausdrücken – weil, nunja man erwartet es von mir nicht anders :). Aber trotzdem geht mir das schon immer sehr auf den Sack, wie die Kleinhirne da sitzen und DARAN eine Figur festmachen, obwohl die Macher jahrelang dutzend andere Züge an ihr aufzeigten. Alicia Vikander ist durch EX MACHINA und JASON BOURNE zur Zeit ein kleiner Shootingstar und wie sich rausstellte, nicht die schlechteste Wahl. Auch die Wahl des Regisseurs ist eher ungewöhnlich, holte man doch den Norweger Roar Uthaug ins Boot, der mir durch seine COLD PREY-Filme in Erinnerung ist, welche zu den wenigen Slasherfilmen gehören, die ich persönlich mag. Ein wenig Verstärkung holte man sich dann noch mit Dominic West, Walton Goggins, Kristin Scott Thomas und nicht zu vergessen…Daniel Wu.

Storytechnisch geht man den SILENT HILL-Weg, man erzählt die Vorlage des Spiels (die des ersten Teils des letzten Reboots) und nimmt sich die Freiheiten die man braucht, damit es in den Film passt. Das ist hier zum Glück meistens gelungen. Gerade die übernatürlichen Bausteine, die ich in den Spielen schon immer völlig Panne fand, hat man geerdet. Ansonsten geht es weiterhin um die Suche nach Laras Vater und ihrem eigenen Leidensweg hin zur kampferpropten Amazone. Nebenbei muss sie, gestrandet auf einer Insel, einen Böskopp ausschalten und das Geheimnis um eine alte chinesische Kaiserin/Mumie lüften. Dabei ist gerade der anfängliche Teil, der nicht auf der Insel spielt, sehr sympatisch. Lara ist einfach eine coole Socke, peinliche Szenen gibt es nicht und der Witz passt. Soweit also überraschend gut. Zumal auch die Chemie zwischen Wu und Vikander passt.

 

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© Warner Bros. Entertainment

Leider strauchelt TOMB RAIDER dann mit Betreten der Insel, anstatt wirkliche Atmosphäre aufkommen zu lassen, tingelt man im hellsten Sonnenschein am Strand herum und Walton Goggins muss den Klischee-Bösewicht geben, der erst am Ende etwas punkten darf. Gerade da man durch das Spiel weiß, was da für Bilder und Abläufe möglich gewesen wären, ist das schon mehr als enttäuschend. Keine ekligen Höhlen, keine Insekten oder Blut und andere widerliche Sachen. Einfach ärgerlich, da man sich dadurch stark vom Vorbild abheben hätte können. Trotzdem wird man dann hier und da mit Verfolgungsjagenden und Schießereien entschädigt. Die sind inszenatorisch zwar nicht herausstechend, aber vom Sound wenigstens schön wuchtig.

Um mal bei wuchtig zu bleiben, der Film ist FSK 12, was einem natürlich erstmal die Mundwinkel nach unten fahren lässt. Man kann aber aufatmen, ob man es glaubt oder nicht, das Dreckige der Vorlage wird recht gut beibehalten und die Freigabe bis zur Schmerzensgrenze ausgereizt. So werden hier Leute mit blutigen Einschüssen erledigt, Sachen bleiben im Körper stecken und Menschen lösen sich auf ohne das die Kamera wegdreht. Vielleicht war das nur durch den ansonsten recht cleanen Look möglich. Dennoch wirkt das Ganze für die Grabjäger-Thematik zu sauber und hell. Vor allem da immer alles perfekt ausgeleuchtet ist, so dass das Abenteuer auch wie eine Popcorn-Hochglanz-Produktion aussieht. Aber das kann man auch gutheißen, denn auf der anderen Seite setzt der Film recht wenig CGI ein. Allerdings wenn die CGI-Effekte dann auftauchen, fallen diese auch deutlich auf. Nicht wirklich schlecht, aber wenn CGI erkennbar ist, ist daran auch irgendwas falsch.

 

© Warner Bros. Entertainment
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So toll der Einstieg war, spätestens ab der Hälfte und nach einem kleinen Storytwist plätschert TOMB RAIDER viel zu sehr dahin, so dass es schon fast nervt. Da wird einem wieder bewusst, dass Filme heute unbedingt 2 Stunden gehen müssen. Gerade dadurch, dass wir es hier mit puren platten Klischee-Charakteren zu tun haben, hätte man gut daran getan, rund 20 Minuten von dem platten Gelaber und von mir aus sogar den Twist zu entfernen. So hätte man letzten Endes einen guten straighten Abenteuerfilm gehabt. Überlänge sollte man sich nur leisten, wenn einem die Figuren interessieren, aber so wartet man irgendwann gelangweilt auf den Showdown.

DER ist dann sogar wieder recht nett geworden, dadurch dass er Höhlen, Rätsel und Kämpfe bietet und den erwähnten übernatürlichen Firlefanz storytechnisch wunderbar in die Realität hebt. Auch schafft man es dann doch noch intensiv zu werden: bissel epochaler Soundtrack hier, guter Schlusskampf da (alles bricht zusammen), das passt schon. Die letzten 2 Sekunden zeigen dann – wie schon im Trailer zu sehen ist – eine Alicia Vikander mit Waffen scheint nicht zu funktionieren, aber  ist ja noch Zeit.

 

Tomb Raider - Bewertung

Filmplakat und Bilder © 2018 Warner Bros. Entertainment.

 

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