KRITIK: WINCHESTER – DAS HAUS DER VERDAMMTEN

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© Splendid Film / 24 Bilder

Autor: Tom Burgas

Um es gleich vorweg zunehmen, mittlerweile bin ich kein Fan mehr von Horrorfilmen. Vielleicht liegt es am Alter oder daran dass man die Versatzstücke zu sehr erkennt. So gibt in den letzten Jahren meines Erachtens kaum Abwechslung, jedenfalls nicht im Horrorkino. Gerade die Figuren scheinen oftmals egal und der Look ist sowieso immer der selbe. CONJURING oder ES sind da schon die Ausnahme. Gerade durch die Blumhouse-Filme scheinen die 80er wieder aufzuleben. Gefühlt wöchentlich bringen sie einen neuen Film aus ihrer Schmiede heraus, der mit kleinem Budget ein großes Einspiel generiert. Mit GET OUT haben die jetzt sogar einen Oscargewinner zu verbuchen. Irgendwie mag ich die Entwicklung, aber mein zunehmendes Desintresse gegenüber dem Genre bleibt.

Natürlich wollen sich andere was von dem Kuchen abschneiden und somit haben wir hier eine amerikanisch-australische Co-Produktion, die in Kalifornien spielt und sich im Grunde wie eine alte Hammer-Produktion anfühlt. Als Vorlage dient natürlich klischeehaft eine ach so wahre Geschichte. Wie viel davon jetzt wirklich wahr ist, sollte jeder Themeninteressierte für sich selbst nachprüfen. Das wir es hier nicht mit einem Tatsachenbericht zu tun haben, dürfte jedoch klar sein.

Das Winchester-Haus existiert wirklich und wurde von der Witwe des legendären Gewehrerfinders selben Namens erbaut. Diese glaubte von all den Opfern heimgesucht zu werden, die durch genanntes Gewehr umkamen und baute zeitlebens das Haus um und pfiff dabei auf standartisierte Architektur. Treppen die ins Nichts führten, Fenster hinter denen sich Mauerwerk befindet, 161 Räume voller Kuriositäten.

 

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© Splendid Film / 24 Bilder

Im Film geht es nun um besagte Witwe Winchester (Helen Mirren) die nichts anderes als das Haus im Sinn hat, an dem Sie rund um die Uhr aufbauen und abreißen lässt. Der Gewerkschaft gefallen die Ausgaben natürlich nicht und daher beauftragen sie einen Psychiater (Jason Clarke), der bescheinigen soll, dass die umtriebige Dame verrückt ist. Dieser hat natürlich seine eigenen Dämonen zu bekämpfen und wird alsbald in seinem rationalen Glauben erschüttert……“same old day in the Horror office“.

Bei allen Klischees die die Story bietet, ist vor allem der Einstieg wunderbar unterhaltsam, was insbesondere an Jason Clarke liegt, der den betrunken und den Drogen nicht abgeneigten Lebemann mit sichtlicher Spielfreude mimt. Klar wird schon in den ersten Minuten geklärt, dass er nur seine Vergangenheit betäuben will, aber die humorigen Momente haben hier klaren Vorrang und bieten somit eine Hauptfigur, der man nur zu gerne dabei zusieht wie sie den ganzen Geisterkram für Mumpitz hält. Helen Mirren ist dagegen natürlich wie immer die pure Erhabenheit und haut so eine Performance mittlerweile mit einem Fingerschnippen auf die Leinwand. Damit beweist die Britin abermals warum sie zu den ganz Großen gehört.

Den erwähnten HAMMER-Effekt zaubert uns der dritte Darsteller hervor…das Haus selbst. Denn die Gemäuer dürften einer der interessantesten Horrorfilm-Locations der letzten Jahre sein. Tim Burton hätte hier seine wahre Freude.  Dass sich die Setdesigner nicht an „normale“ Konventionen halten mussten, scheint ihnen mächtig Laune gemacht zu haben. So sieht man immer wieder andere Räume mit anderen Ideen, was richtig Spaß macht. Zusammen mit dem erwähnten Humor und den recht guten Horroreinlagen sorgt das Ganze dafür, dass das Pacing der ersten 2 Drittel überraschend perfekt abläuft. Gerade weil es sich hier nicht um EINEN Geist dreht, sondern jeder Raum einen anderen Spukbewohner beherbergt. Somit ist auch auf der Slimerfront für Abwechslung gesorgt auch wenn diese designtechnisch ziemlich langweilig daherkommen.

 

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© Splendid Film / 24 Bilder

Leider kommt dann im letzten Drittel die volle Breitseite an Klischees, sodass der Film schon fast in Peinlichkeiten versinkt. Natürlich gibt es dann einen bösen Geist der besiegt werden will/muss. Selbstverständlich muss der Psychiater seine eigene Vergangenheit besiegen, um den Tag zu retten. Auch der Showdown ist optisch bekannt und erinnert an gefühlt 1000 andere Enden von ähnlich gelagerten Filmen. Das zieht WINCHESTER so sehr runter, dass man letztlich dann doch ziemlich enttäuscht ist. Hier zeigt sich dann auch, dass die Macher extrem auf Nummer Sicher gegangen sind. Das ist mehr als traurig, da gerade die Ausgangslage des Films so viel mehr möglich gemacht hätte.

Immerhin konnten sich die Regie-führenden Spierig-Brüder zum Teil für den zuvor gedrehten und fürchterlich schlecht geratenen JIGSAW entschuldigen. Wenn die Beiden jetzt wieder anfangen eigenes Material zu verfilmen, könnten sie wohl nochmal die Kurve bekommen. Denn man merkt eindeutig, dass sie künstlerischen Anspruch besitzen und immer wieder Kleinigkeiten rein bringen, die sich vom Standard abheben möchten.

 

Winchester - Bewertung

Filmplakat und Bilder © 2018 Splendid Film / 24 Bilder.

 

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