KRITIK: THE OUTSIDER

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© Netflix

Autor: Tom Burgas

Hach Netflix, was bist du ein hin und her der Gefühle. Einerseits lieben wir dich natürlich für die Zeit die du uns klaust, andererseits bist du nicht gerade vom Glück geküsst, wenn es um eigene Filmproduktionen geht. Auch die Strategie mittelgroße Filme aufzukaufen, für eine weltweite Veröffentlichung bei euch, läuft irgendwie noch nicht so richtig an. Nicht ohne Grund gelten diese Filme als Risiko-Kandidaten. Um einen solchen dreht es sich hier, denn anders als es das fette Netflixlogo vermuten lässt, ist THE OUTSIDER nicht von Netflix produziert, sondern eben „nur“ aufgekauft.

Geplant wurde das Projekt 2015 schon mit Takeshi Miike und Tom Hardy, auch Michael Fassbender oder Jeremy Renner sollten schon fest im Sattel sitzen, bis es dann schlussendlich doch Regisseur Martin Zandvliet und Hauptdarsteller Jared Leto wurde. Von Zandvliet kenne ich persönlich nichts, wobei sein dänischer Beitrag UNTER DEM SAND 2016 für den Oscar nominiert wurde. Zu Leto braucht man wohl nichts mehr sagen, jemand der soviel Talent hat und vor allem als Sänger und Schauspieler so erfolgreich ist darf dann eigentlich nicht auch noch SO gut aussehen. Gefühlt strauchelt er jedoch ein wenig seit seine Joker-Performance eher ein Eigenbeschuss war, wobei ich sage, dass DAS das geringste Problem von SUICIDE SQUAD war.

 

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© Netflix

Ich sage es gleich vorweg, ich stehe auf THE OUTSIDER. Den Trailer und die Abneigung gegenüber dem Film bekam ich glücklicherweise nicht mit und war daher recht unvoreingenommen. Die ersten Minuten machten mir auch etwas Angst da wieder einmal der gehasste cleany Netflix-Look vorherrscht. Ich hab keine Ahnung ob sie nochmal am Bild arbeiten wenn sie Filme einkaufen oder es hier einfach Zufall ist, aber das ist eine Krankheit die mich bei Netflix-Produktionen sehr nervt. Hier allerdings wurde ich eines besseren belehrt da es spätestens nach 10 Minuten perfekt zur Bildsprache passt.

Drehen tut sich alles um Nick, der kurz nach dem 2. Weltkrieg in einem japanischen Gefängnis sitzt und einem Mithäftling hilft zu fliehen. Dieser stellt sich als Yakuza heraus und durch seine Aktion bekommt er das Angebot ebenfalls Teil des Verbrechersyndikats zu werden. Dass dieser annimmt versteht sich von selbst, denn sonst wäre der Film schnell vorbei.

Im Grunde hört die Geschichte da auf, da es einen strikten Handlungsstrang kaum gibt, eher beobachtet man Letos Figur wie er im Alltag probiert in seiner neuen Familie Fuß zu fassen, was Streitigkeiten, Brüderlichkeit und Gewalt beinhaltet. Anders als vielleicht erwartet, muss er moralisch nicht mit sich ringen Menschen umzubringen. Auch seine Loyalität bekommt keine Risse. Eher wandelt er wie ein recht emotionsloser Patrick Bateman durch die neondurchfluteten Straßen und Saloons Japans. Vielleicht liegt es am Unvermögen des Drehbuches oder dem Schauspiel Letos, ich für meinen Teil liebte jedoch diese Schlichtheit, man muss eben nicht immer eine Emotions-Achterbahn mit dem Charakter erleben.

 

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© Netflix

So hat man auch mehr Zeit sich in den Bilder zu verlieren und genau um dieses scheint es auch vorwiegend zu gehen. Alles ist hier so verdammt schön. Egal ob die Yakuza perfekt gepflegt in ihren Anzügen, in ihren glänzenden Autos durch die Straßen fahren oder man sich kulturellen Einrichtungen wie dem Theater oder dem Sumoringen befindet. Alles scheint aus einer Welt in der noch alles ruhig und voller Regeln war. Dass dies natürlich nur ein Stilmittel ist, ist mir persönlich Wumpe, denn es funktioniert. Ich fühlte mich sehr an Michael Mann´s PUBLIC ENEMIES erinnert, bei dem dieser Stil allerdings unterging, da er mit der gebotenen Action nicht korrespondierte. Action gibt es hier auch, jedoch ist diese meist ein Ausbrechen, welches nach Sekunden vorbei ist. Ein Kopfschuss hier, ein Messerstich da, jedoch nie selbstzweckhaft, sondern runtergebrochen auf den Moment und emotionslos auf seine Unabwendbarkeit fokussiert.

Auch der Mikrokosmos der Yakuza wird eher stilistisch, optisch beschönigt, als hätte Nicolas Wending Refn seine Finger im Spiel gehabt. Eine Welt außerhalb dieser scheint es kaum zu geben, was aber okay ist, da wir alles hautnah aus der Sicht von Letos Figur erleben. Dabei halte ich es auch für ein kleines Kunststück, dass die Kamera so nah es nur geht an seine Figur rückt, sein Charakter jedoch nicht distanzierter sein könnte. Selbst als natürlich eine Frau in das Storygerüst geflochten wird, wird nicht der Fehler gemacht daraus jetzt ein explodierendes Drama zu machen. Ab der Hälfte entspinnt sich zwar ein Figurenkarussel, in dem jeder ein wenig seine eigene Interessen hat. Zum Ende hin zündelt die Lunte dann wieder stärker, trotzdem muss ich dem Regisseur meinen Dank aussprechen dass er THE OUTSIDER niemals zu einem reinen Spektakel mutieren lässt. Zumal er sich damit komplett gegen den Mainstream bürstet. Die wohlwollende Langatmigkeit dürften sehr viele als langweilig abtun. Wer kein Interesse an langen Einstellung, wenig Schnitten und Filmen – denen das Genießen der Bildsprache wichtig ist – hat, dürfte es mit THE OUTSIDER somit schwer haben. Um eine Vorstellung von dem Film zu bekommen, stellt euch einfach einen deutlich langsameren DEPARTED vor, mit der überstilisierten Optik von dem erwähnten PUBLIC ENEMIES, nur in der Welt der Yakuza.

 

The Outsider - Bewertung

 

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