KRITIK – THE NEON DEMON

© Koch Films GmbH
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Autor: Tom Burgas

Inhalt: Los Angeles – Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten, Glamourwelt, Schauplatz zahlloser Träume und Abgründe. Als das junge aufstrebende Model Jesse (Elle Fanning) nach L.A. kommt, kann sie nicht ahnen, dass ihre Jugend und Lebendigkeit schon bald den Neid einer Gruppe schönheitsfanatischer Frauen auf sich ziehen wird. Und die scheuen keinerlei Mittel, um das zu bekommen, was Jesse hat…

Der alte Schwerenöter Nicolas Winding Refn hat mal wieder zugeschlagen, wobei der Däne es ja irgendwie schafft die nahezu perfekte Gradwanderung zwischen Kommerz und Arthouse zu meistern und dabei immer wieder seine eigene Note reinzupumpen. Eigentlich  müsste ich ein riesen Refn-Fan sein, da mir alle seine Filme wenigstens im Mindestmaß gefallen, außer „Only god forgives“ , den muss ich wohl nochmal gucken. Aber was noch nicht ist, kann ja mit seinen weiteren Werken noch werden.

Letztlich weiß ich nie was ich von dem Film-Ästheten erwarten soll und da man selber komplett, seine eigenen Schlussfolgerungen über das Gesehene für sich entdecken muss, hilft es hierbei auch nicht sich groß zu informieren. Jedoch hatten mich im Fall von „The Neon Demon“ erneut die bildgewaltigen Trailer über alle Maßen begeistert. Zumal einerseits Hauptdarstellerin Elle Fanning immer gern gesehen ist und andererseits mit Komponist Cliff Martinez das sowieso Wichtigste auch wieder mit an Bord war. So weiß eigentlich jeder Refn-erfahrene Zuschauer, dass die Soundtracks und Scores in dessen Filmen eben eine größere Rolle spielt, als in den meisten Werken anderer Regisseure. Auch wartet der Neon-Noir Thriller noch mit ein paar Gesichtern auf, die der gepflegte Kinogänger immer mal wieder gerne sieht.

 

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Hach, wie schön es sein kann, wenn ein Film polarisiert und beinahe jeder Zuschauer eine andere Meinung zu haben scheint. Die Einen können mit dem neuem Refn gar nichts anfangen und die Anderen verehren ihn wiederum wegen seiner Radikalität und Bildgewalt.

Zum wiederholten Male hat Nicolas Winding Refn einen Film geschaffen, der sich nicht für   Kinobesucher eignet die sich nur mal etwas berieseln lassen oder abschalten wollen. Nein, hier darf man mal schön selber mitdenken um sich ein Bild machen und wird von einem Bilderrausch erschlagen, der einen entweder vor Wonne die ganze Zeit grinsen lässt wie ein Kind im Süßwarenladen, oder man ist völlig überfordert und weiß nicht was das Ganze soll.

Ich gehöre eindeutig zur 1. Fraktion! Es ist so wunderbar, wie Refn eigentliche Klischeeversatzstücke nimmt und daraus ein dunkles, brutales Märchen schneidert. Die reale Welt scheint es nicht zu geben , hier geht es einzig und allein um die Ware namens „Schönheit“ und diese wird hier in ihrer ganzen Unschuld perfekt von Elle Fanning verkörpert. Dieses unschuldige Etwas, welches vom Land kommt und den großen naiven Modeltraum leben will, steht ihr perfekt zu Gesicht und hätte  kaum besser besetzt werden können. Die Verwandlung vom Unschuldslamm in einen regelrechten Modelvamp fabriziert sie mühelos – und um mehr geht es im Grunde auch nicht.

 

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Somit kann man hier schonmal sagen, dass „The Neon Demon“ auf narrativer Erzählebene nur das mindeste aufbringt. Die Charaktere (außer Elle als Jesse) machen absolut keine Entwicklung durch und ein jeder steckt in seiner Rolle fest. Refn zeigt im Grunde die zerstörerische betörende Kraft der ultimativen Schönheit und welche Konsequenzen sie auslöst. Dabei übernimmt jeder Charakter im Grunde einen Standpunkt. Wir haben die Neider, die Genießer, den Realisten und den Triebgesteuerten und alles scheint auf eine Katastrophe zuzusteuern. Doch an dieser Stelle jetzt etwas von der letzten halben Stunde zu verraten gehört sich einfach nicht, aber zarte Naturen dürften sich mal wieder vor den Kopf gestoßen fühlen. Ich selbst habe mir nur erfreut die Hände gerieben, allen voran Jena Malone hat eine mutige Szene, bei der ich am liebsten lauthals applaudiert hätte.

Anfangs hatte ich Cliff Martinez positiv erwähnt und hier wurde ich wieder bestätigt. Ein weiterer Soundtrack wird auf Platte in meine Sammlung wandern. Noch treibender könnte man akkustisch den Farbenrausch nicht unterstützen, so dass man sich diesem Exzess einfach nur hingeben will.

 

The Neon Demon - Bewertung

Ab dem 23. Juni 2016 nur im Kino!

Kinoplakat & Bilder © und Eigentum von Koch Films GmbH.

 

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