KRITIK – THE BIG SHORT

© Paramount Pictures Germany
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Autor: Marcel Flock

Das alljährliche Oscarrennen steht wieder bevor. Wieder stellen wir uns die nervenaufreibenden Fragen: Schafft DiCaprio den Oscar, was wird der beste Film? Nun, vielleicht der hier; nominiert ist der neue Streich von Adam McKay, legendärer Regisseur der Mediensatire „Anchorman“, schon mal und seine Chancen auf den begehrten Goldjungen stehen auch gar nicht so schlecht. Nur – ist der Film seiner Nominierung auch würdig oder ist es wieder so ein haarsträubendes Machwerk wie „Silver Linings“ von David O’Russell, wo sich manche Kritiker bis heute fragen, wofür Jennifer Lawrence bitteschön den Oscar verdient hat? Beide sind übrigens auch dieses Jahr wieder mit im Rennen.

Zum Inhalt: New York im Jahr 2005: Der Dollar ist stark, die Wirtschaft boomt. An der Wall Street werden jeden Tag aufs Neue Börsen- und Wertpapiergeschäfte in gigantischem Umfang getätigt. Mit immer komplexer werdenden Immobilienprodukten, hervorragenden Renditen und vermeintlich minimalem Risiko werden selbst Arbeitslose zu Villenbesitzern und den Maklern, Versicherern und Bankenbossen winkt das schnelle Geld. 

Was die Finanzbosse, die Medien und die Regierung nicht erkennen, durchschaut der eigenwillige Hedgefonds-Manager Michael Burry (Christian Bale) sofort: Er prognostiziert schon in wenigen Jahren das Platzen der amerikanischen Immobilienblase und den daraus resultierenden Zusammenbruch der Weltwirtschaft, der Millionen Menschen heimat- und arbeitslos machen wird. Als Burry vor der großen Katastrophe warnt, will niemand auf ihn hören – zu sicher fühlen sich die Bankenbosse und tun seine Prognosen ab. Daraufhin entwickelt Burry einen perfiden Plan: den „Big Short“. Durch sogenannte „Shortings“, Leerverkäufe von Aktien großer Investmentbanken, wettet er gemeinsam mit weiteren risikofreudigen Spekulanten, wie dem unbeirrbaren Trader Mark Baum (Steve Carell), dem geldgierigen Deutsche-Bank-Makler Jared Vennett (Ryan Gosling) und dem früheren Star-Investor Ben Rickert (Brad Pitt), gegen das Finanzsystem, um selbst das unfassbar große Geld zu machen. Das Desaster und der absolute Wahnsinn jenseits aller moralischen Grenzen hat begonnen …

 

© Paramount Pictures Germany
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Wenn wir ehrlich sind, gibt es eigentlich schon genug Filme über die Machenschaften der Wall Street. Siehe Oliver Stones gleichnamiges Meisterwerk mit Michael Douglas als skrupelloser Finanzhai Gordan Gecko, J. C. Chandors analytischer, intellektueller Blick in „Margin Call“ oder natürlich Martin Scorseses Exzess, der die Wall Street als undurchdringlichen Dschungel mit außer Rand und Band geratenen Affen darstellte.

McKays Film beleuchtet die Ereignisse vor der Finanzkrise 2008, die mehrere Banken in den Ruin getrieben hat. Und zwar aus der Sicht jener, die diese Krise kommen sahen und mächtig von der Dummheit der Banken profitierten, basierend auf dem gleichnamigen Buch von Michael Lewis. Klingt interessant und ist es auch. McKay hat aus „The Big Short“ eine wundervolle, poetische Komödie gemacht mit einprägsamen Zitaten wie: „Die denken, wir sind high oder haben einen Schlaganfall… irgendwie brillant.“ Gespickt mit einem hochkarätigen Cast wie Brad Pitt, der in manchen Szenen wie ein Robert-Redford-Verschnitt wirkt, vom Auftreten und Aussehen her, aber auch mit seinen eindringlichen Warnungen der Konsequenzen dieser Aktion. Aber auch Christian Bale als autistischer Hedgefondmanager Michael Burry, dessen Ticks einem manchmal sehr ungewöhnlich verkommen, siehe Schlagzeug, dennoch ein brillanter Kopf ist. Das einzige, was man McKay ankreiden kann, ist, dass der Bilderfluss, in denen er zeigt, was neben der Wall Street noch so für Errungenschaften zustande kommen, manchmal sehr plakativ wirkt, als wollte er Werbung für diese Unternehmen machen und das manchmal überhandnimmt.

 

The Big Short - Bewertung

 

Seit dem 02. Juni 2016 überall auf DVD, Blu-Ray und VOD erhältlich!

 

 

DVD-Cover, Bilder & Trailer © Paramount Pictures Germany.

 

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