KRITIK – THE ASSASSIN

© Wildbunch
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Autor: Tom Burgas

Jetzt wird es schwierig und vielleicht verscherze ich es mir mit so manchem, aber ich bekam die Einladung ins Haus geflattert und hatte im Vorfeld von „The Assassin“ noch nie was gehört.  Hmm ok, der Regisseur hat den Regiepreis in Cannes dafür bekommen. Heißt für mich erstmal nichts, da der Jurygeschmack von Cannes mehr als nur selten den meinen trifft, denn Popcorn-Unterhaltung wird da selten zelebriert oder gefeiert und deren künstlerischer Anspruch in Sachen Film halte ich oft genug für pure Selbstbeweihräucherung. Zumal mir der Regisseur Hou Hsiao-Hsien komplett gar nichts sagte, wobei ich mich im Asiensektor auch zu wenig auskenne, als dass mich das überrascht. Aber da der Film auch anderorts gefeiert wird, war Grundinteresse vorhanden, und so schaute ich mir den Trailer an und leider hatte der keinen Nerv bei mir getroffen. So sank das Interesse wieder auf Null. Es schien ein bewusst künstlerischer Film zu sein, der kleine Wuxia-Einlagen besitzt und sich sehr auf seine Optik stürzt. Ich bin dem nicht völlig abgeneigt, da es seltene Ausnahmen wie „Hero“ gibt, welche ich aus dem Fach wenigstens ganz schick finde und zur Abwechslung auch gerne schaue. Ein Fan des Genres bin ich jedoch bei weitem nicht, aber ich gebe ja allem eine Chance und somit durfte ich 10 Uhr morgens in einem kleinen Kino „The Assassin“, im Original mit deutschen Untertitel genießen – wobei genießen eindeutig das falsche Wort ist.

Zum Inhalt: Als Kind von zehn Jahren wurde Nie Yin-Niang ins Exil geschickt, um sie aus dem politischen Machtzentrum auszuschließen. Sie wird von einer taoistischen Nonne in Material Arts zu einer Attentäterin ausgebildet. Ihre Fähigkeit soll sie nun, dreizehn Jahre später, im Dienst der Machterhaltung der Zentralregierung einsetzen. Die Junge Frau wird in ihre Heimat entsandt. Der Befehl: Nie Yin-Niang soll Tian Jian töten, den Gouverneur der größten militärischen Provinz im Norden Chinas. Als Kind war sie ihm, ihrem Cousin, zur Ehefrau versprochen worden. Die Konfrontation mit der Vergangenheit setzt Nie Yin-Niang widerstreitenden Gefühlen aus. Da ist die melancholische Erinnerung an ihre Liebe, die Pflicht gegenüber der Meisterin und die politische Situation ihrer Heimatprovinz Weibo: Denn tötet sie den Gouverneur, werden dessen minderjähriger Sohn und damit dessen Mutter, Tian Jians machtbessene und intrigante Gemahlin,die Provinz beherrschen.

 

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Oh Mann, also nach der Vorstellung hab ich mir selber gesagt, dass ich ein paar Tage warten werde, bis ich die Kritik schreibe, denn ich fühlte mich wirklich um 104 Minuten betrogen, Zeit die mir keiner mehr wiedergibt. Um es kurz zu machen, ich fand die 15 Millionen $ Produktion, einfach nur enttäuschend und es war für mich der schlechteste Film, den ich bisher dieses Jahr im Kino gesehen habe. Ich sehe schon die ganzen Feuilletons aufschreihen, die mich als stumpfen Anhänger der reinen Popcornfilme verschreien wollen, um mich dann mit Forken und Mistgabeln aus der Stadt zu jagen. Dennoch, ich schaue zu gerne auch Filme abseits des Mainstreams, doch  manchmal muss man auch einfach mal eingestehen, dass experimentelles Arthousekino nicht gefallen muss, nur um fein raus zu sein. Aber natürlich möchte ich auch meine Gründe nachvollziehbar darlegen und explizit darauf hinweisen, dass meine Meinung wie jede, höchst subjektiv ist.

Also, der Film fängt schwarz/weiß an, fand ich schonmal gut, denn die Einfachheit der Story und der Bildinhalte gefällt im ersten Moment und wird somit konzeptionell schick übernommen. Auch der Soundteppich – der über dem ganzen Film liegt – sticht sofort positiv heraus.  Da dieser sehr wenig Score beinhaltet und überwiegend auf rein realistischer Soundkulisse ,wie Wind oder raschelnde Fauna, beruht.

 

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Leider nervt dieser starke Minimalismus spätestens nach 10 Minuten zunehmend und man sieht Leuten bei den langweiligsten Dingen zu, die einfach nur unwichtig waren und mich auch nicht interessierten. Da der Regisseur Hsiao-Hsien auch noch lange Kamerafahrten und wenig Schnitte bevorzugt, zog sich das Ganze wie ein Kaugummi. Zumal auch geschichtlich einfach nichts passiert. So hätte jeder „normale“ Film den ganzen Ablauf der Handlung in allerhöchstens 10 Minuten abhandeln können, aber ich denke, dass genau dies hier das Besondere sein sollte. Jedoch geht dieses Experiment nicht auf, da auch fasst alles in Privatgemächern oder Zelten vonstatten geht. Immer wieder  kommt es zu Dialogszenen, wo der Zuschauer bereits weiß, auf was das Ganze hinauslaufen soll, es aber in einer Langatmigkeit niedergelegt werden muss, bei der man sich fragt, ob sich die Leute einfach nur gerne reden hören. Lieber nochmal ohne Grund 10 Sekunden eine Blüte zeigen, weil es ja so „artsifartsi“ ist. Generell verweilt die Kamera mir viel zu oft auf irgendwelchen unwichtigen Stimmungsbildern: Mal eine Blüte, mal ein See und nie erschloss sich mir, was das jetzt soll, oder was mir dieses Bild suggerieren will.

Kann ich eigentlich überhaupt was Gutes sagen? …Tatsächlich recht wenig, die Story ist also ein Hauch von nicht. Die Charaktere waren mir egal wie Krümel in meinem Toaster, aber der Sound war wirklich nett. Zudem waren die Kampfszenen, von denen es glaube ich auch nur 2 kurze gibt, recht ansprechend inszeniert, natürlich klassisch mit Wire-Works realisiert. Auch die Kostüme scheinen behutsam recherchiert worden zu sein, sowie die Sprache, die auf Alt-Mandarin beruht, die heutzutage nur noch sehr selten vorkommt. Trotzdem lässt sich abschließend also sagen,  dass ich „The Assassin“ absolut Niemandem empfehlen würde und es wirklich schwer war, nicht einzuschlafen und das obwohl ich ein absoluter Morgenmensch bin. Aber als ich mich im Kino umschaute, ging es wohl vielen ähnlich, in den vorderen Reihen erblickte ich mindestens 3 werte Herren die gerade schliefen und von besseren Filmen träumten. Schwer dürfte es nicht sein diese zu finden.

 

The Assassin - Bewertung

Ab dem 30. Juni 2016 nur im Kino!

Kinoplakat & Bilder © und Eigentum von Wildbunch.

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