KRITIK: JUSTICE LEAGUE (UND DER ALTE FEIND CGI)

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© Warner Bros. Entertainment

Autor: Tom Burgas

Trailer, eine Kunst für sich, aber egal wie sie verpackt sind, sie haben ein gemeinsames Ziel: das Interesse am Film schüren. DC, könnte man meinen, ist sich seiner Sache ziemlich sicher. Eigentlich komisch, denn wir erinnern uns, deren Comichelden machten auf der Leinwand doch gar nicht mal so eine gute Figur. Ich selber bin da etwas weniger hart. „Man of Steel“ rockte, „Batman v Superman“ ist trotz seiner extremen Drehbuchschwächen ein fleisch-gewordener Comic und „Wonder Woman“ ist naiv sympathisch. Okay, beim „Suicide Squad“ fällt es mir schwer, etwas schönzureden. So oder so weiß man unlängst, dass DC einige Leichen im Keller hat, was ihren Aufbau des Universe angeht. Aber das scheint ihnen egal zu sein und kann es ihnen im Grunde auch, wenn man sich das Einspiel ihrer letzten Auskopplungen anschaut. Trotzdem die Eier zu haben, solch lieblose Trailer raus zu rotzen, dazu gehört schon was. Dabei hat man hier eigentlich das worauf sich Comicfreunde freuen sollten wie über ein zweites Weihnachten. Immerhin hat man das Aufeinandertreffen der wichtigsten DC-Helden. Aber genau genommen hatte man das halbe Team schon bei „Batman v Superman“ und so richtig hatte man einfach keine Hoffnung mehr, dass sie die Kurve noch bekommen, was die Trailer ja letzten Endes bestätigten. Diese wirkten schon so dermaßen CGI-überflutet und seelenlos, dass einem die Lust verging. Zudem kam es während der Produktion zu einer Tragödie. Die Tochter des Regisseurs Zack Snyder beging Selbstmord. Daraufhin sagte er sich von dem Projekt los um bei seiner Familie zu sein. Dass man jetzt Joss Whedon holte, der im Marvel-Segment mit für den Erfolg verantwortlich war,  konnte nur hinderlich sein, da sein Stil ein komplett anderer ist.

 
 

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© Warner Bros. Entertainment

 Aber gut, viele Kinder sind schon in irgendwelche Brunnen gefallen, was konnte denn jetzt gerettet werden? Ich für meinen Teil sage immer, dass ich total übersättigt bin von all den Strumpfhosenkämpfern und Capeträgern, aber wenn dann doch das Zeichen der Comicverlage komm,t freu ich mich wieder wie ein kleines Kind, wie auch hier. Um es vorweg zu nehmen, die ersten 5 Minuten stehen für mich dann gleich für den ganzen Film. Film geht los und man sieht Batman auf einem Dach gegen irgendein Fliegewesen kämpfen, welches sich auch noch in Luft auflöst (explodiert). Das Ganze wirkt im typischen Snyderstil unwirklich. Die Kulisse ist als solche sofort zu erkennen und man weiß komplett erstmal gar nicht was los ist. Bevor man dann mal Infos bekommt, geht es gleich weiter zum nächsten Helden und so weiter und so weiter. Also Hoffnungen erst einmal runterfahren und die positiven Sachen bemerken. Da wäre Ben Affleck und sein Batman, der zwar immer noch gewöhnungsbedürftig ist, weil Christian Bale einfach noch zu sehr in Gedanken ist und Gal Gardot die eine Traumbesetzung darstellt. Generell gibt es keine Besetzung die fehl am Platz wirkt, was aber auch schwer herauszufiltern wäre, da kaum ein Charakter wirklich viel Screentime bekommt. Leider merkt man dann auch, dass Whedon hier viel gewerkelt hat. Gruppendynamik ist eben total sein Ding. Doof nur, wenn es völlig konträr zu dem ernsten Ton Snyders steht und das mehr als auffällig ist. Tonal wird man also alle paar Minuten hin und her geschmissen. Besonders schade, da beides für sich allein gut funktionieren würde.

 

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© Warner Bros. Entertainment

So zum Beispiel funktionieren die Witze von Flash, der hier die Kasperclownfigur übernimmt, eigentlich komplett alle. Auch muss man schon auf kindische Art grinsen, wenn Batman mit fetten Kampfrobotern anrückt und alles in Schutt und Asche gelegt wird. Hier liegt wohl der größte Unterschied zu Marvel. Anders als diese probiert DC erst gar nicht das Ganze in unserer Welt zu verwurzeln. Hier ist alles kontraststark, hier gibt es eben auf einmal irgendwelche Flugdämonen und technischen Firlefanz und wenn man nicht zu stark über den Sinn nachdenkt, hat man die Essenz eines Comicheftes. Eigentlich toll wenn der Aufbau gelungen wäre. Zudem ist jeder Held nur so gut wie sein Gegner und heilige Makrele Batman, was wurde hier danebengegriffen. Schon der Name: STEPPENWOLF! Was kommt als nächstes? Die Bad Twins Max und Moritz?

Dann ist der noch komplett animiert und das auf keinem zufriedenstellenden Level. Ganz dickes Minus. Dieser Quatsch, dass er irgendwelche Mutterboxen will, die natürlich so verteilt sind wie es die Story gerade braucht und er genau jetzt nach tausenden Jahren auftaucht…große Scheiße!

Der Grund warum Justice League dann nicht völlig absäuft, sind neben erwähnten Schauspielern zwei ausufernde Kampfszenen, die einfach funktionieren und einen Heidenspaß machen und bei denen die exzessive Nutzung der Computereffekte nicht stört, da sie da hingehören. Da fällt auch auf, welchen Impact diese Szenen hätten,wenn man schon mehr mit den Figuren vertraut wäre. Gerade ein Cyborg oder ein Aquaman sind erschreckend austauschbar. Alles in allem hat DC es also verschlafen hier ein episches Aufeinandertreffen auf die Beine zu stellen. Trotzdem kann man mit gesenkten Erwartungen seinen Spaß haben, eine Vollkatastrophe wie bei „Suicide Squad“ haben wir hier nicht. Viele schlechte Wertungen beruhen eher auf der Enttäuschung. Hier wäre so viel möglich gewesen. Ein absolut gut goutierbarer Comicfilm ist es allemal, nur eben nie mehr und manchmal ein wenig weniger. Immerhin ist die After Creditscene witzig.

 

Justice League - Bewertung

Seit dem 16. November 2017 nur im Kino!

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