KRITIK: JEAN CLAUDE VAN DAMME SPECIAL #9: GEBALLTE LADUNG – DOUBLE IMPACT

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© NSM / MGM

Autor: Tom Burgas

Wir haben es 1991 und unser kickender Belgier befindet sich weiterhin auf dem aufsteigenden Ast. Mit verschiedenen Produktionshäusern hatte er einen Erfolg nach dem anderen zu verbuchen. Selbst DEATH WARRANT – MIT STÄHLENDER FAUST war trotz schwieriger Umstände, durch schließende Studios, ein Erfolg.

Auch schauspielerisch konnte er sich, besonders in LIONHEART beweisen, auch wenn das natürlich weit weg ist von einer Oscarleistung, aber wir befanden uns damals noch in den 80ern. Da hatten Helden zu schwitzen und zu töten und sonst nichts, nicht dass das was Schlechtes ist. Einem Van Damme reicht das natürlich nicht, was man daran erkennt, dass er schon bei seinen ersten Werken wenigstens am Drehbuch mitschreiben wollte oder sich auch erfolgreich am Schnitt und der Kampfchoreografie versuchte. Zu den genannten tat er sich hier nun auch als Produzent hervor.

Also raus aus dem Schattendasein als erfolgreicher B-Moviestar auf der Leinwand und her mit den dickeren Budgets und natürlich, wir sprechen hier immer noch von Jean-Claude Van Damme, dem wachsenden Ego. Ersteres bekam man durch eine Produktionsfirma die Michael Douglas mit ins Leben gerufen hatte, damals noch für seine Jagd nach dem Juwel vom Nil. Ganze 6 Filme wurden produziert, unter anderem auch STONE COLD oder BARETT mit Kollege Lundgren. Und weil ein Douglas etwas betuchter ist wurde das Budget auf 15 Mio. $ aufgestockt, was immerhin rund das 4-5 fache der bisherigen Geldmengen der Van Damme-Filme betrug.

 

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© NSM / MGM

Was sein Ego angeht und zugegebenen Maßen seinem Wunsch nach Anerkennung was seine schauspielerischen Leistungen angeht, kam er auf die Idee eine Doppelrolle spielen zu wollen. Als Vorlage lag ihm dabei lose Alexandre Dumas CORSICAN BROTHERS als Idee vor. Eigentlich wollte er, dass Albert Pyun, der Regisseur seines CYBORG, das Ruder übernimmt. Dieser sagte ihm allerdings, dass er lieber bei seinem altgedienten bleiben solle. Dies war dann auch bis heute das letzte Gespräch der beiden.

Somit trug er es weiter an Sheldon Lettich, mit dem er seine letzte Produktion LIONHEART herausbrachte und herausgekommen ist einer seiner besseren Kinoabenteuer, auf den er zu Recht stolz sein kann/konnte.

Die Geschichte ist nicht wirklich kompliziert. Bei einem politisch/wirtschaftlichen Attentat werden die Eltern der Zwillingsbrüder Chad und Alex getötet, wodurch beide 25 Jahre getrennt werden. Nun erwachsen, sorgt der ehemalige Bodyguard und die väterliche Figur von Chad dafür, dass beide sich in Hong Kong treffen und ihre Rache nehmen können. Selbstverständlich sind sich die beiden am Anfang nicht grün, aber nach diversen Diskussionen über Seidenunterwäsche und psychodelischen Fieberträumen kann die gemeinsame Action losgehen und die Bösköppe bekommen in guter Standardmanier auf den Sack.

 

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Und bis es soweit ist muss man zugeben, dass man auf ein Neues feststellen darf, dass Jean-Claude sich wieder steigert und hier diesmal seine komödiantische Seite ausleben darf die er, wie er immer wieder betont viel öfter ausleben wollen würde. Sein Chad ist wunderbar Over the Top und darf am Anfang wunderbar in einer süßpeinlichen Szene in einer engen Sporthose seinen Arsch in die Kamera strecken und im Sporthöschen einen Kick verteilen. Selbstverständlich liegt ihm schon hier die Damenwelt zu Füßen, so ist die Regel!!

Eigentlich ein Kontrastprogramm zu den ersten Minuten, in denen das erwähnte Attentat recht blutig und ohne Mitleid daherkommt. Diesen Spagat(!) fährt die GEBALLTE LADUNG bis zum Ende hin erfolgreich. Hier und da ein paar Frotzeleien zwischen den Brüdern und dann wieder ernste überschaubare Action, ohne jemals in eine Komödie abzudriften. Am meisten überrascht zusätzlich wohl die Technik. Wenn van Damme doppelt im Bild erscheint sieht man zwar in wenigen Shots auf Blu-ray mittlerweile die Effektkanten, meist jedoch wird hier gelungen getrickst. Dass Van Damme dabei sogar glaubhaft zwei verschiedene Charaktere mimt unterstützt das Ganze. Dass er öfter Doppelrollen übernahm verwundert nicht.

Auf der anderen Seite dürfte, die meiste Freude Miesfresse Bolo Yeung verteilen, der beim BLUTSPORT schon zeigte wie man ordentlich Köpfe tritt. Hier legt er nochmal eine gesunde Dosis Sadismus mit rauf und gibt wie immer einen wunderbaren Schmierlappen, gegen den Van Damme auch erstmal keine Sonne sieht. Aber egal wer was auf die Zwölf bekommt, schön übersichtlich gefilmt ist es immer. Der schöne 90er Flair fängt die Action jederzeit gut sichtbar ein und schnell vermisst man die Zeiten als die Akteure wirklich Nahkampf beherrschten und nicht durch Wackelkamera unterstützt werden mussten. Egal ob Chad kickt oder Alex in Zeitlupe ballert, das hat schon immer den richtigen Saft. Dass die Sause dann auch noch komplett in Hong Kong gedreht wurde passt sich dem positiven Gesamtbild an.

 

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Wo es Schnitzer gibt, sind die Nebenfiguren. Egal ob Alonna Shaw als Alibi-Blondchen aka Klischee-Freundin oder Alan Scarfe. Die haben alle keine charismatischen Szenen und können auch abseits dessen mit nichts punkten. Einzig Philip Chan hat ein Gesicht wie für die Kamera gemacht, hatte dieser auch schon eine Minirolle in BLOODSPORT und ist bis heute im asiatischen Raum einer der größten Produzenten. Auch der Endkampf gegen Bolo Yeung ist dann weniger aufregend als gewünscht, gerade hier hat man sich einen Kampf der Giganten gewünscht, der leider ausbleibt.

DOUBLE IMPACT schafft es jedoch durchweg die Qualitätsfahne hoch zu halten, da die Negativpunkte dem ganzen nur minimal ins Fleisch schneiden. Wir haben hier alles was man will: Sympathische kleine Fremdschammomente, einen gut aufgelegten doppelten Van Damme und eine nochmalige Steigerung des Product Value zu seinen vorigen Filmen. Geballert und gekickt wird auch genug und die Kamera und der Schnitt machen gute Arbeit. Ein 90er van Damme der zurecht abermals Erfolg hatte und den Weg ebnete zu noch höherem. Van Damme war nicht aufzuhalten. Der rote Teppich für das Blockbusterkino wurde hiernach für ihn ausgelegt.

Zensurtechnisch wurde bei uns 2012 die unnötige Indizierung aufgehoben. Erhältlich ist DOUBLE IMPACT von NSM als Mediabook, Future Pack oder normale Amaray. Als Bonus gibt es leider nur ein Mini-Making of. Hier hätte ich gerne einen Audiokommentar von Beteiligten gehört. Das Bild ist völlig ok, hat leichtes Rauschen in dunklen Szenen, aber das kann man mehr als verschmerzen. Bei der Synchro sollte man im Übrigen die originale Tonspur vorziehen da die deutsche leider Härten abschwächt und Van Damme noch nicht von Charles Rettinghaus gesprochen wird.

 

Geballte Ladung - Bewertung

Blu-Ray-Cover und Bilder © MGM / NSM Records. All Rights Reserved.

 


 

VAN DAMME SPECIAL #9 – GEBALLTE LADUNG – DOUBLE IMPACT

 

 

 In der neunten Ausgabe unseres Specials bekommt ihr die “Geballte Ladung” Van Damme serviert. Tom und Tobi plaudern über Van Damme´s erste Doppelrolle, bei der es die belgische Kampfbeule mit einem alten Bekannten zu tun bekommt. Bolo Yeung mimt in “Double Impact”, wie der Originaltitel lautet, den Antagonisten und gibt dem doppelten Van Damme ordentlich auf die Beule. Letztlich stellte JVCD mit der 15 Mio. $ Produktion abermals seine geballte Starpower unter Beweis und trieb folglich seine Karriere zu neuen Höhen.

 

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