KRITIK – BRIDGE OF SPIES – DER UNTERHÄNDLER

© 2015 Twentieth Century Fox
© 2015 Twentieth Century Fox

Autor: Florian Wurfbaum

Die Zusammenarbeit zwischen Steven Spielberg und Tom Hanks war bislang äußerst fruchtbar und so haben die beiden mit „Der Soldat James Ryan“ (1998), „Catch you If You Can“ (2002) und „Terminal“ (2004) große Erfolge mit ihren gemeinsamen Filmprojekten feiern können. Umso verwunderlicher war es, dass Hollywoods einstiges Dream-Team seit einiger Zeit nur noch als gemeinsame Produzenten in Erscheinung traten. Nach elf Jahren fanden die beiden Hollywood-Ikonen 2015 mit „Bridge of Spies“ nun endlich wieder Zeit – und vor allem auch einen Filmstoff – der sie jeweils vor und hinter der Kamera zusammenführte. Wie schon bei „Amistad“ (1997) und zuletzt „Lincoln“ (2012) wählte Spielberg für die vierte Zusammenarbeit mit seinem Kumpel ein Thema, dass die Freiheit und deren Preis in den Fokus rückt. So führt uns das einstige Regie-Wunderkind diesmal in die fünfziger Jahre zurück, wo sich der Zuschauer mitten im Ost-West-Konflikt des damaligen Kalten Krieges wiederfindet.

Zum Filminhalt: Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges erzählt der Thriller die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte des Anwalts James Donovan (Tom Hanks) aus Brooklyn, der plötzlich in das politische Geschehen verwickelt wird. Donovan wird vom CIA beauftragt, die Freilassung eines in der UdSSR verhafteten US-amerikanischen U-2-Piloten zu erwirken – eine Aufgabe, die sich als nahezu unmöglich erweist.

 

© 2015 Twentieth Century Fox
© 2015 Twentieth Century Fox

Trotz der stattlichen Länge von 142 Minuten schafft es der Cold-War-Thriller durchweg zu fesseln und hält somit den Zuschauer eben auch mit seinem gemächlichen Tempo bei der Stange. Während die erste Hälfte den Prozess gegen Rudolf Abel in den Mittelpunkt rückt, befasst sich die zweite Hälfte mit dem Austausch der Spione auf der titelgebenden Brücke. Hierbei ist aber nicht allein der Spionage-Aspekt das Hauptthema, sondern vielmehr die damit verbundene Werte-Frage bezüglich Freiheit und den dafür zu zahlenden Preis. Also ein immer währendes Thema, dass aktueller denn je erscheint. Zumal heutzutage der Ost-West Konflikt wieder an Brisanz gewinnt.

Spielberg-typisch verpackt der Regisseur und dreifache Oscar®-Preisträger das ansich bedrückende Thema möglichst unterhaltsam. So werden zum einen einige Tatsachen ein wenig massentauglicher vereinfacht, um auch unaufmerksameren Zuschauern das Folgen zu erleichtern. Zum anderen werden die örtlichen Gegensätze zwischen dem düster gehaltenen Ost-Berlin und dem lichtdurchfluteten New York mit Hilfe verschiedener Farbgebungen visuell deutlich unterschieden, so dass hierbei schon von einer leicht klischeehaften Darstellung gesprochen werden kann. Dennoch verliert sich die 40 Millionen $ Produktion nicht in Janusz Kaminski´s – an Originalschauplätzen gedrehten – virtuosen Bilderpracht, da die amerikanische Regie-Ikone schlichtweg nicht das Wesentliche aus den Augen verliert, sondern dem Publikum einen inhaltlich erstklassigen, zeithistorischen Ost-West-Agententhriller mit einer wichtigen und insbesondere zeitlosen Botschaft serviert.

Auch die hervorragende Besetzung hält was sie von den Namen her verspricht. So ist diese mit z.B. Alan Alda und Sebastian Koch bis in die kleinste Nebenrolle erstklassig besetzt und zählt zu den großen Stärken von „Bridge of Spies – Der Unterhändler“.  Hierbei begeistert vor allem Hauptdarsteller Tom Hanks, der seine Rolle als aufrechter US-Anwalt ungemein facettenreich anlegt und natürlich auch Oscar Gewinner und neuer Spielberg-Liebling Mark Rylance als der zwielichtige Rudolf Abel. Der zuvor weitestgehend unbekannte Brite brilliert mit seinem minimalistischen aber zugleich einfühlsamen Spiel, so dass er sicherlich nicht ganz unverdient den Goldjungen eingeheimst hat -auch wenn ich in dieser Kategorie immer noch Stallone favorisiere.

 

Bridge of Spies - Bewertung

Ab 12. Mai 2016 auf DVD, Blu-ray und VOD erhältlich!

DVD-Cover & Bilder © und Eigentum Twentieth Century Fox.

 

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