KRITIK: BLACK WATER

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© Koch Films / 24 Bilder

Autor: Tom Burgas

Ein neuer Van Damme kommt raus und nichts könnte mir wichtiger sein. Scheiß auf Marvel oder Star Wars (natürlich nur in diesem Fall). Ich denke es ist kein Geheimnis, dass ER mein liebster aller alten Actionrecken ist. Er ist nicht der beste Kämpfer und ganz bestimmt traf er nicht immer die richtigen Entscheidungen, jedoch ist er der menschlichste und vielleicht sogar der innerlich zerrissenste. Er ist mittlerweile wie eine bunte Wundertüte, egal ob Reality-Show, ironische Amazon-Serie oder melancholische Selbstreflektion, mit ihm wird es nicht langweilig. Die Vorfreude kann dann nur gesteigert werden, wenn man noch einen Helden unserer alten Tage hinzupackt. Wenn wir von solchen Aktionen hören explodieren wir ganz gerne innerlich.

Im Fall von BLACK WATER ist dies ein alter Bekannter für ihn, denn schon in der Vergangenheit haben sie sich ganz gerne über mehrere Jahrzehnte das Leben schwer gemacht, haben sie sich doch als Universal Soldier durch ganze drei Filme geballert. Die Rede ist natürlich von unserem Lieblingsschweden Dolph Lundgren. Groß, blond, smart und mit noch mehr Charisma ausgestattet als unsere belgische Kampfbeule. Eigentlich ein Wunder, dass sie noch nie Seite an Seite kämpften, denn die Gegensätze könnten nicht schöner sein. Doch freuen wir uns mal nicht zu früh, beide bieten zwar hier und da in letzter Zeit gutes Futter, aber B-Fans wissen, dass auf jeden guten meist 2-3 Gurken folgen. Soviel sei schon einmal gesagt, leider befinden wir uns hier beim grünen Gemüse.

Die Ausgangslage ist dabei gar nicht mal so scheiße, so naiv und einfach sie auch gestrikt ist.  Als McGuffin muss hier ein USB-Stick herhalten, auf dem irgendwelche Daten drauf sind die jeder haben will. Jean-Claude Van Damme wird am Anfang gejagt, dann in ein Gefängnis-U-Boot (!!!) gesteckt um dort mit Zellennachbar Lundgren auszubrechen und es den Bösköppen heimzuzahlen. Man hat uns ja schon so manchen Quatsch vorgeworfen und das ist in dem Genre auch völlig ok solange sie es uns gut verkaufen und da strauchelt BLACK WATER ganz gewaltig.

 

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© Koch Films / 24 Bilder

Das fängt schon damit an, dass unser Held am Anfang eine Affäre haben muss die mehr als nur deutlich seine Tochter sein könnte, die ihm natürlich auch noch sagen muss was für ein Hengst er ist. Dass das alles handwerklich schlecht und billig in einem Motelzimmer gedreht wurde macht es nicht besser. Etwas entschädigt wird man mit der ersten Actionsequenz. Hier wird genanntes Zimmer zu Kleinholz geballert, Blutpäckchen explodieren und Van Damme nimmt man gerade noch so den Soldaten ab, auch wenn es schon sehr auffällt, dass keiner der rund ein Dutzend Fieslinge auch nur auf 2 Meter zu treffen scheint. Mit etwas mehr Finesse hätte man hier noch mehr rausholen können, aber das geht schon in Ordnung.

Was aber nicht mehr in Ordnung geht ist alles ab der Ankunft auf dem sogenannten U-Boot. Also das ist das geräumigste U-Boot, welches ich je sah: weite Gänge, keine Rohre massig Zimmer. Hätte man mir gesagt, dass das in einer Militärbasis spielt ich hätte es geglaubt. Dass dann die Mitarbeiter von irgendwelchen Hohlköppen verkörpert werden die in dieser ach so gesicherten Anlagen mit der Außenwelt rumtelefonieren können und generell null Fähigkeiten besitzen, die für solch Anlagen von Nöten sein sollten, kratzt das widerlich an der kompletten Glaubhaftigkeit des Ganzen. Hier wird auf Sparflamme gekocht soweit das Auge reicht und lässt vermuten, dass ein Großteil des Budgets wohl für die Stars drauf gegangen sein muss.

 

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© Koch Films / 24 Bilder

Immerhin macht der Film ansatzweise Spaß solange diese im Bild sind, allerdings sollte man sich davon verabschieden, zu glauben, dass beide genauso viel Screentime bekommen. Lundgren ist eher nur eine größere Nebenrolle, füllt diese aber mit seinem typischen Humor. Auch die kleinen Sticheleien der beiden hätte man gerne öfter gesehen und ich hoffe, dass da noch mehr der beiden kommt. Übrigens hat man mit Patrick Kilpatrick einen weiteren Weggefährten Van Damme´s an Bord der ihm in MIT STÄHLENDER FAUST als Hauptbösewicht die Laune verdarb. Mehr als ein Arschloch sein und reden darf er allerdings nicht. Von hohlen Phrasen und Klischeegerede darf man sich übrigens im Mittelteil sehr viel anhören, leider zu viel. Bei einer Laufzeit von 105 Minuten hätte man da ruhig noch was wegnehmen können.

Zum Ende hin kommt es dann wenigstens wieder zu genug Action. Diese ist relativ ok inszeniert, reißt aber keine Bäume aus. Zwar befinden wir uns nie auf peinlichem Seagal-Level, allerdings hat man immer das Gefühl, dass da noch mehr drin gewesen wäre. Wenn einem nebenbei die erwähnten Sachen immer wieder sauer aufstoßen will sich einfach kein Actiongefühl einstellen. Kleine Highlights sind selten, wie zum Beispiel der kurze Kampf van Dammes gegen seinen REAL-Sohn Kris Van Damme der hier schön Badass aussieht und seinem Vater fast schon die Show stiehlt. Auch die Shootouts sind handwerklich gut gemacht, leiden eben nur an ungeübter Inszenierung, da merkt man schon, dass BLACK WATER die erste Regiearbeit von Pasha Patriki ist der sonst sehr viel Erfahrung als Kameramann sammeln konnte.

 

Black Water - Bewertung

Seit dem 25. Mai 2018 auf Blu-ray™, DVD und VOD erhältlich!

DVD-Cover und Bilder © Koch Films / 24 Bilder.

 

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