KRITIK: BARRY SEAL – ONLY IN AMERICA

© Universal Pictures
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Autor: Tobias Spyrou

Regisseur Doug Liman kann (unter anderem mit dem ersten Film der „Bourne“-Trilogie, „Mr. & Mrs. Smith“ oder „Edge of Tomorrow“) in seiner Historie schon einiges an brauchbaren Filmen vorweisen, gerade im Hinblick auf gut funktionierende Actionfilme mit einem angenehmen Pacing. Und auch „Barry Seal – Only in America“ reiht sich ohne große Probleme in diese Vita ein.

Zum Filminhalt: Der Plot des Films orientiert sich stark an dem Leben und Wirken des amerikanischen Airline-Piloten Barry Seal. Dieser wird in den 80er Jahren von der CIA angeworben, um geheime Aufklärungsmissionen in Südamerika zu fliegen. Gelangweilt von seinem aktuellen Job, nimmt Seal das Angebot an und beginnt sogleich seine neue Karriere als Informant für die CIA.

Lange dauert es allerdings nicht, bis Seal seinen besonderen Status und die Möglichkeit, sich unter dem Schutzmantel des Amerikanischen Staates frei über die Grenzen bewegen zu können, nutzt, um ein klein wenig Cash nebenbei zu machen. Seal steigt nach und nach zu einem der größten Drogenkuriere in der Geschichte der USA – und vielleicht sogar der Welt – auf, verdient Unmengen an Kohle, aber macht sich auch mächtige Feinde.

 

© Universal Pictures
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Stöbert man mal abseits des Films in der Geschichte des Barry Seal, der nach eigenen Angaben insgesamt Drogen im Wert von 3 – 5 Milliarden Dollar in die USA schmuggelte, erkennt man deutlich, dass der Film sich tatsächlich sogar sehr nah an den realen Geschehnissen orientiert, ohne dabei aber zu irgendeiner Zeit zu vorhersehbar oder gar langweilig zu sein. Einzig und allein Tom Cruise – als charmanter Schönling, der er nunmal ist – ist vermutlich soweit vom äußerlichen Erscheinungsbild des echten Barry Seal entfernt, wie nur irgendwie möglich. Wirklich Leute, googlet (binget oder yahoot) es: der gute Barry war im echten Leben nicht umsonst nur als „Der Fettsack“ bekannt!

Die Stärken in der Umsetzung liegen hier aber trotzdem ganz klar bei Hauptdarsteller Tom Cruise, der sehr lebendig und eben charmant wie immer, den Barry Seal verkörpert. Aber auch der (meiner Meinung nach immer noch viel zu unterschätzte) Domnhall Gleeson als CIA-Kontakt Schafer macht eine gute Figur. Beide leisten sich kaum Fehler und haben eine super Chemie und auch der Rest des Casts spielt solide und leistet sich keine besonderen Ausreißer. Weder nach oben noch nach unten.

Auch der außergewöhnliche Stil des Films wirkt sehr erfrischend und reißt einen dadurch sofort mit: Ob Cinematographie, Schnitt, Farbgebung oder Musik, alles ist wunderbar auf das 80er-Theme des Films abgestimmt, ohne zu irgendeiner Zeit zu aufdringlich oder aufgesetzt zu wirken. An vielen Stellen des Films fühlt man sich wirklich um ein paar Jahrzehnte in die Vergangenheit zurückversetzt und gerade Ich, als großer Fan der betreffenden Zeit, fand die Umsetzung an vielen Stellen nahezu perfekt. All das trägt dazu bei, dass Barry Seal im Großen und Ganzen kurzweilige und interessante Unterhaltung bietet, bei der es gerade in der ersten Hälfte des Filmes, selten langatmig wird. Das Pacing ist tatsächlich sehr angenehm, allerdings kann es dann im letzten Drittel doch auch ein oder zwei Mal vorkommen, dass man auf die Uhr schielt. Denn zu diesem Zeitpunkt ist der Großteil der Geschichte eigentlich schon erzählt und der Film versumpft etwas in den familiären und organisationstechnischen Strukturen von Seals Lebensgeschichte und das fühlt sich genau so an, wie es sich liest: eher unspektakulär und oft ziemlich lahm, als hätte man noch irgendeinen Storystrang gebraucht, der die kleinen Lücken füllt.

 

© Universal Pictures
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Zusätzlich übertreibt es auch die Kamera dann doch hier und da mal mit einigen SO „kunstvollen“ Winkeln und Perspektiven, dass es einfach auffällt (wenn auch nicht unbedingt nur negativ) und so leider der Zuschauer an einigen Stellen aus dem Film herausgerissen wird.

Eine unerwartete Überraschung bietet der meist sehr pointierte, unaufdringliche und oft sogar schon eher subtile Humor, der sich so auch durch die gesamte Länge des Films hindurchzieht und an vielen Stellen für ein Grinsen sorgt. Unterstützt wird das Ganze zum einen durch Cruises Art seinen Charakter sehr genau auszuspielen, zum anderen durch die gut portionierte visuelle Komik des Films.

Eine der Besonderheiten des Films ist natürlich – wie eigentlich immer bei Ablegern dieser Art – die Tatsache, dass all das was man hier in visuell ansprechender und actionreicher Art und Weise präsentiert bekommt, mehr oder weniger auch wirklich passiert ist. Wenn man sich also mal vor Augen führt, was für ein brisantes und ernstes Thema die Rahmenhandlung von Barry Seal letztendlich umfasst, merkt man, dass der Film dies zu keiner Zeit ernsthaft zeigt. Serien wie Netflix’s Narcos schlagen da deutlich dunklere Töne an, aber in diese Richtung will Doug Liman mit seinem neuesten Werk auch gar nicht gehen. Er gibt sich offensichtlich damit zufrieden eine unterhaltsame und actiongeladene Version dieser Geschichte zu erzählen, die viel Spaß macht, aber dafür dann auch nie so richtig in die Tiefe geht und das ist absolut in Ordnung.

 

Barry Seal - Bewertung

Seit dem 07. September 2017 nur im Kino!

Kinoplakat & Bilder © Universal Pictures International Germany.

 

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