KRITIK: VOLLBLÜTER

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© Universal Pictures International Germany GmbH

Autor: Tom Burgas

Wow, einfach Wow!

Das müsste als ausreichende Kritik eigentlich schon reichen. Es ist schwer wirklich noch aus tiefstem Herzen beeindruckt zu sein, wenn man seine Seele an das Filmegucken verkauft hat und dann kommt sowas wie VOLLBLÜTER (THOROUGHBREDS) daher. Alles an ihm wirkt schon von Anfang an frisch und neu und so als gehöre er jetzt schon zu der Bewegung von neuen Filmemachergeneration. Schon der Trailer versprach in seiner Machart eine Mischung aus AMERICAN PSYCHO und HEATHERS.

Regisseur Corin Finley adaptierte in seinem Erstlingswerk sein Theaterstück und legte damit die Messlatte ziemlich hoch. Zum Glück geht es nur ganz am Rande um einen VOLLBLUTHENGST. Zu tun haben wir es mit einem kleinen Mikrokosmus in denen Lily (Anya Taylor-Joy) und Amanda (Olivia Cooke) leben. Eigentlich grundverschieden und psychologisch an gegensätzlichen Enden eines kaputten Emotionshaushaltes behaftet. Tag ein Tag aus hängen sie in dem reichen Elternhaus von Lily ab bis sie auf die Idee kommen jemanden anzuheuern der Lilys nervigen Stiefvater umbringen soll. So weit so überraschungsarm. Wo er sich aber vom Rest mit Leichtigkeit abhebt ist die Art und Weise. Optisch irgendwo zwischen einem schon erwähntem allglatten AMERICAN PSYCHO und der farblichen Verspieltheit von Wes Anderson entwickelt er eine Eigendynamik, der man sich nicht entziehen kann.

 

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© Universal Pictures International Germany GmbH

Angefangen bei den zauberhaften Psychopathinnen, für die man Sympathien aufbringt aber kein Verständnis. Anya Taylor Joy die man hinreichend aus THE WITCH oder SPLIT kennen dürfte spielt die eigentlich verzogene Göre, die alles hat, mit solch einer verspielten Naivität, dass es entzückt. Die dankbarere Rolle hat ganz klar jedoch Olivia Cooke die hier jemanden spielt der null Emotionen besitzt. Daher heißt es auch ganz rational, nervt der Stiefvater, muss er eben weg.

Da hört die lange Liste der positiven Merkmale noch lange nicht auf. Allein die kühle Atmosphäre führt dazu, dass der Ausbruch aus der Normalität der beiden zum Schneiden gespannt ist. Anders verhält es sich beim gegen den Strich experimentell eingesetzten Score der fast schon mit einer Techno-Dschungelatmosphäre dafür sorgt uns nicht vergessen zu lassen in welch einem Chaos das Ganze enden MUSS.

Bis dahin ist es zum Glück ein längerer Weg, der damit gesäumt ist, dass sich die Gegensätze die Bälle zum Teil angenehm satirisch zuspielen. Später kommt dann ein kleiner komödiantischer Baustein namens Anton Yelchin hinzu den man hier in seiner letzten Rolle bewundern kann, da dieser durch einen Unfall viel zu früh verstorben ist. Er spielt hier den etwas trotteligen ärmlichen Tim, der somit einen weiteren Gegenpol gibt, schließlich ist sein Traum einmal ein großer Gangster zu werden. Dass dieser für unsere Nachwuchspsychos eher ein Spielball für deren Pläne ist, ist genauso klassisch wie unterhaltsam.

 

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Wenn man den VOLLBLÜTERN was vorhalten will dann, dass die glatte Atmosphäre nie wirklich bricht, es kommt zu keinem emotionalen Ausbruch, keinem psychotischen Schub, der in blutigem Gekröse endet oder einem Masterplan der einen Twist herzaubert. Auch charakterlich haben wir wenig Weiterentwicklung und somit befinden wir uns ständig in einem seligen Gleichstand, der dem Film eher entgegenkommt. Denn wie bei einem Gemälde, dem man sich hingibt wirkt alles viel zu perfekt und geradezu sinnlich verspielt in seiner Andersartigkeit.

Viel mehr will ich gar nicht schreiben außer, dass man ganz klar merkt, dass es sich hier um ein Regiedebüt handelt. Wunderbar unangepasst und gleichzeitig wunderbar freiheitsliebend geben sich Schnitt, Dialoge und Score die eindringlichste In die Klinke in die Hand ich seit langem sah und landet somit spielend in meinen bisherigen Top 3 der Kinofilme 2018.

 

Vollblüter - Bewertung

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