KRITIK: THE EQUALIZER 2

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© Sony Pictures Releasing GmbH

Autor: Tom Burgas

Mittlerweile ist es ja ein offenes Geheimnis, jeder alternde Star der körperlich was auf sich hält braucht seinen Actionfilm, um in der geistigen Midlife-Crisis akzeptiert zu werden. LIAM NEESON, KEANU REEVES, SEAN PENN und wie sie alle heißen haben ihren Teil dazu beigetragen, dass man sich zurecht fragen muss wie da irgendwelche glattgebügelten Jungspunde mithalten wollen. Denn qualitativ bieten sie im Grunde genau das, was wir seit den 80ern im Kino vermissen: straighte realitätsfremde Action in denen 1 Mann den Tag rettet und allen Bösewichtern zeigt wie man ihren Körper entfremden und diese Welt verlassen kann. Das macht Spaß, das macht Laune und hat meistens mächtig Style. Dass man gerade bei letzterem recht schnell an Denzel Washington denkt dürfte klar sein. Spätestens seit wir wissen, dass King Kong gar nichts gegen ihn ist gehört er ins Buch der coolen Leute. Und als solcher lässt er es sich natürlich nicht nehmen dem genannten Subgenre auch seinen Stempel aufzudrücken.

THE EQUALIZER war 2014 ein kleiner Überraschungserfolg, sowohl beim Einspiel, als auch bei der Kritik. Vorlage war eine Serie aus den 80ern die immerhin auf 88 Folgen kam. Ich muss zugeben, dass der erste Teil bei mir nicht so ganz punkten konnte. Das Alleinstellungsmerkmal mit der ständigen Zeitmessung fand ich aufgesetzt, Chloë Grace Moretz als Prostituierte schlecht gecastet und generell hatten wir es wieder mit Klischeerussen als Antagonisten zu tun. Wenn es dann schlussendlich in den Baumarkt geht hatte er mich irgendwie verloren und ich verbuchte ihn unter, nett gemeint MIR aber ziemlich egal. Einzig Denzel Washington bleibt einfach die Coolness in Person, weshalb ich mich trotzdem auf Teil 2 freute. Regie übernahm wie schon bei Teil 1 Antoine Fuqua (TRAINING DAY, SOUTHPAW) womit der Stil auch ziemlich gleichblieb wobei er hier von der Nacht in den Tag wechselt.

 

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© Sony Pictures Releasing GmbH

Wieder probiert Robert McCall fremden Menschen zu helfen wo er nur kann. Die Inkarnation eines Samariters, nur dass dieser hier auch mal Knochen bricht, wenn irgendwelche Idioten es verdienen und wie wir wissen gibt es davon immer mehr als genug. Im Gegensatz zu Teil 1 wird es hier für ihn persönlich, da seine beste Freundin und ehemalige Kollegin umgebracht wird und er sich mit seiner alten Einheit auseinandersetzen muss. Von denen hat man in dem Vorteil nichts gehört aber ist auch egal denn irgendeine Prämisse braucht man bevor es losgeht…der ewige McGuffin.

Was auffällt ist, dass Fuqua den Equalizer nicht nur auf dem Papier menschlicher erscheinen lassen will. Er lässt ihm ganz schön lange Zeit bis es an die Action geht. Vorher wird die Beziehung zu der Freundin aufgebaut, die ihm dann genommen wird. Das hätte nach hinten losgehen können allerdings ist die Chemie zwischen Denzel Washington und Melissa Leo verdammt gut und man guckt den beiden gerne zu, gerade da Leo beides kann, unterhaltsam sein und innere Stärke beweisen, wodurch sie sich auch nicht kampflos geschlagen gibt, wenn der Plotpoint ihren Abtritt einfordert. Dass Pedro Pascal als alter Freund Dreck am Stecken hat, riecht man zwar meilenweit gegen den Wind, wird aber zum Glück recht früh aufgelöst, was Fuqua wunderbar für eine intensive Szene nutzt. Schauspieltechnisch gibt es hier absolut keine Ausfälle was auch den besseren Charakteren geschuldet ist, die immer noch vom Reißbrett kommen, aber eindeutig mehr Charisma besitzen. Schade ist allein das Bill Pullman nichts zu tun bekommt, obwohl es seine Rolle fast schon fordert.

Generell gefiel mir der Stil hier um einiges mehr als noch bei Teil 1. Waren da die ständigen Nachtszenen vielleicht noch eine Reminiszenz an die Vorlage, spielt hier fast alles am Tag. Das, zusammen mit dem emotionalen Anker der Geschichte, bewirkt dass er sich irgendwie „größer“ anfühlt, da er nicht die typischen Wege geht, was Extrem zur Abwechslung beiträgt. Alles wirkt einfach mehr geerdet trotz des Übermenschen McCall der hier natürlich trotzdem seinen Mikrokosmos aus Personen aufbaut, denen er nebenbei hilft. Auch das ständige Zeitmessen wird nur noch am Anfang eingesetzt und spielt später keine Rolle mehr.

 

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Und jetzt kommen wir doch endlich mal zur Action sagt ihr? Na aber gerne doch schließlich knallt die einem ziemlich die Schlüpper nass.  Egal ob er ein paar Snobs die Knochen neu justiert, auf engem Raum einen Attentäter in einem Auto bei voller Fahrt zeigt, dass es nicht nett ist den Fahrer zu stören oder im Finale optisch überraschend episch zeigt, dass er beim Fallenstellen im Unterricht aufgepasst hat. Das ist immer knackig und hart inszeniert ohne peinliche Übertreibungen oder dem schlechten Einsatz von CGI. OLYMPUS HAS FALLEN bleibt also ein Unfall was DAS betrifft.  Einzig die Intro-Sequenz zeigt mal wieder das Hollywood endlich aufhören sollte Züge zu animieren. Dass in dieser Szene dann auch die Kamera beim Kampf viel zu nah dran ist füttert erstmal die Angst, dass Washington zu alt sein könnte und sie sich deshalb was einfallen lassen müssten, dem ist jedoch absolut nicht so.

Absolute Erwähnung verdienen die letzten 30 Minuten die ich so nicht hab kommen sehen. Da wird für den Showdown optisch was aus dem Hut gezaubert, was dafür sorgt, dass man dem Actionfan eben mehr bieten kann als wieder mal nur irgendein Haus oder eine Fabrikhalle als Austragungsort. Das knallt optisch schon gewaltig und wirkt dank gelungenem CGI-Einsatz nie unwirklich. Spätestens da war mir klar, dass ich den zweiten Einsatz von Robert McCall als komplett gelungen sehe und mehr als das, ihn sogar vielleicht als einen der besten Altherreneinsätze der letzten Jahre sehe. Wo TAKEN probiert zu menscheln und ab Teil 2 beim zu alten NEESON strauchelt und JOHN WICK zwar bis in die Haarspitzen cool ist, jedoch eher als reiner Comic funktioniert schafft es der Equalizer mit dem zweiten Teil ein wunderbares Bindeglied zu schaffen der beides bietet. Lasst bitte einen dritten Teil folgen, der diese Qualität beibehält dann kann ich persönlich Teil 1 als kleine Startschwierigkeit ansehen. Nur dann mit gutem Poster bitte.

 

The Equalizer 2 - Bewertung

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