KRITIK: THE COMMUTER

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© Studiocanal GmbH Filmverleih

Autor: Tom Burgas

Wer hätte eigentlich erwartet, dass gerade Liam Neeson einen zweiten Frühling als Actionheld feiert? Nachdem der Nordire ein paar mal seine Tochter gerettet hat, fand er schließlich auch noch seinen scheinbar neuen Lieblingsregisseur. Jaume Collet-Serra ist dabei nicht die schlechteste Wahl. Schon sein Erstling HOUSE OF WAX war nette Horrorspritzerei und das nicht nur weil Paris Hilton das Zeitliche segnet. Mit THE ORPHAN lieferte er sogar qualitativ ein Achtungswerk ab. Dann kam auch schon die Neeson-Zeit: UNKOWN IDENTITY, NON-STOP und RUN ALL NIGHT waren die Vorläufer auf denen jetzt nun THE COMMUTER folgt.

Ähnlich wie bei NON-STOP haben wir wieder ein beschränktes Areal. Diesmal ist es kein Flugzeug, sondern ein Zug. Da Casey Riback gerade nicht zur Hand ist, haben wir hier Michael McCurley, von Beruf Versicherungsvertreter. Aber keine Angst, schnell wird klar dass er natürlich auch Ex-Cop ist, schließlich kann man nicht einfach aufs Klischees pfeifen. Die Geschichte ist dagegen relativ neu in der Ausgangslage. Er muss nach einem kurzen Epilog herausfinden, wer im Zug auf den Namen Prin hört und der gesuchten Person einen Peilsender unterjubeln. Dass das Ganze unkontrolliert ausartet, liegt in der Natur der Sache, soweit so gut.

 

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© Studiocanal GmbH Filmverleih

Vom Aufbau erinnert der Anfang noch eher an einen Krimi ala‘ Agatha Christie. Die Figuren werden eingeführt, Brotkrumen gestreut und das Ganze in recht kreative Kameraspielereien verpackt. Das sind auch ganz klar die stärksten Minuten des Films. Natürlich lässt aber die Action nicht lange auf sich warten und steigert sich immer mehr.

Zum Ende muss man sich leider Fragen, ob das die 30 Millionen US-$ Produktion wirklich gebraucht hätte. Die erste Prügelei ist noch recht nett, zeigt sie doch recht realistisch dass Neeson mittlerweile eben 65 ist und nicht mehr jeden Jungspund die Kauleiste verbiegen kann. Später wird es dann leider immer unglaubwürdiger, aber immerhin kann man mal sehen wie einer mit einer E-Gitarre vermöbelt wird. Trotzdem ist hier die Nahkampfaction viel zu nah am Mann und wurde in der Postproduktion auch noch gespeedet. Ein auffallendes Zugeständnis an das Alter von Herrn Neeson. Auch der immer höhere Einsatz von teils schlechtem CGI lässt die zweite Hälfte deutlich als die schlechtere erscheinen. Hierbei fällt insbesondere die Zugentgleisung, die man schon im Trailer zu sehen bekommt, negativ auf und bietet sich somit als ein überaus geeigneter Kandidat für die goldene Himbeere an. Sehr schade, gerade da wie erwähnt die Szenen am Anfang viel mehr Finesse bieten und man besser gefahren wäre (höhö), wenn man sich komplett ohne Action auf die Krimibausteine verlassen hätte.

 

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© Studiocanal GmbH Filmverleih

Vielleicht hätte man dann auch dem namhaften Cast mehr Raum geben können. Denn obwohl sich die Liste mit Vera Farmiga, Patrick Wilson und vor allem Sam Neill mehr als berauschend anhört, haben alle doch wenig bis kaum Screentime und werden regelrecht in Miniauftritten verschleudert. Zwar sind bei den Mitfahrern keine Ausfälle bei, aber bei diesen Namen hätte man natürlich DIESE auch gerne öfter gesehen.

Am Ende des Tages ist THE COMMUTER ein Film für den das Wort Mittelmaß erfunden wurde. Im Grunde hat man ihn vergessen, sobald man das Kino wieder verlassen hat und eignet sich daher blendend für den Sonntagnachmittag. Zu keiner Zeit hat man das Gefühl, dass hier was besonderes auf der Leinwand flimmert und man eher nach einem weiteren Vehikel gesucht hat, in welchem man Liam Neeson packen kann, ohne das Budget zu sprengen. Der macht seinen Job auch routiniert, nur langsam darf er die Heldenrollen auch mal gerne an die Wand hängen.

 

The Commuter - Bewertung

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