KRITIK: THE BOUNCER

© Constantin Film
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Autor: Kevin Zindler

Zum Inhalt: Um seine 8-jährige Tochter versorgen zu können, schlägt sich Ex-Bodyguard Lukas (Jean-Claude Van Damme) als Türsteher eines Nachtclubs durch. An einem belebten Freitagabend macht dort ein pöbelnder Gast Probleme. Lukas versucht die Situation zu entschärfen, doch der betrunkene Gast verliert die Kontrolle. In der Auseinandersetzung mit dem kampferprobten Türsteher erleidet der Disco-Besucher eine lebensbedrohliche Kopfverletzung. Um einer drohenden Gefängnisstrafe zu entgehen, sieht sich Lukas gezwungen den Job zu wechseln: Er heuert in einem Strip-Club als Türsteher an. Doch es dauert nicht lang und die Cops von Interpol machen ihn ausfindig. Diese haben allerdings mehr im Sinn als den zerfurchten Türsteher in den Knast zu bringen. Sie bieten ihm einen Deal an: Der Boss des Tabledance-Clubs steht unter Verdacht in großem Stile Falschgeld zu drucken. Lukas soll als Informant arbeiten – im Gegenzug könne er auf freien Fuß und zu seiner Tochter zurück. Ein bedrohliches Doppelleben beginnt.

Jean-Claude van Damme gehörte von Ende der 80er bis Ende der 90er Jahre zur A-Riege der Actionstars. Danach verblasste sein Stern ein wenig, denn er trat in den Folgejahren überwiegend in günstig produzierten Direct to DVD Filmen in Erscheinung, welche aber durchaus gutes Geld generierten. Machte er in vielen seiner früheren Produktionen oftmals einen sehr von sich eingenommenen Eindruck (wie oft hielt er seinen nackten Po in die Kamera?), änderte sich das spätestens mit dem von Presse und Kritikern hochgelobten Streifen JCVD (2008). Er hatte sich im Laufe der Zeit nicht nur schauspielerisch weiterentwickelt, sondern zeigte Mut zum Alter und jede Furche in seinem Gesicht schrie danach, wahrgenommen zu werden. Zudem fiel die Rollenauswahl des ehemals smarten Belgiers deutlich unterschiedlicher aus. Spielte er am Anfang seiner Karriere meist den coolen Helden, erfand er sich in den Nullerjahren neu und spielte Charaktere, die müde, ausgelaugt und von Melancholie getrieben daher kamen. Klar, es gab hin und wieder mal Ausreißer (zum Beispiel THE EXPENDABLES 2 / 2012), doch letzten Endes blieb sich Van Damme mit dieser neuen Ausrichtung treu. In der von Amazon produzierten Serie JEAN- CLAUDE VAN JOHNSON (2016) trieb er es auf die Spitze, nahm sein eigenes Image aufs Korn, ohne sich dabei selbst zu demontieren. Das Konzept kam bei den Kritikern gut an, doch das Interesse des Publikums ließ sehr schnell nach, was zur Folge hatte, dass die Serie nach nur einer Staffel wieder abgesetzt wurde. Nachdem vor einiger Zeit mit BLACK WATER (2018)  – in dem auch sein alter filmischer Weggefährte und Konkurrent Dolph Lundgren mit von der Partie war – ein Film für Van Damme Fans der ersten Stunde auf dem Markt kam – kehrt der „The Muscles from Brussels“ mit THE BOUNCER alias LUKAS wieder in seinem lieb gewonnen Rollenschema der jüngeren Vergangenheit zurück.

 

© Constantin Film
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THE BOUNCER – der in Frankreich gedreht und dort auch ins Kino kam (Van Damme persönlich begleitete eine Kinotour quer durch das Land) – ist düster, hart, dreckig und überzeugt insbesondere durch Van Dammes gewollt minimalistisches, aber ebenso intensives Schauspiel. Lukas ist vom Leben gezeichnet, Pleite, hat die besten Jahre hinter sich und verdient als Rausschmeißer sein Lebensunterhalt. Sein einziger Lebensinhalt ist seine Tochter. Als diese bei seinen unfreiwilligen Machenschaften hineingezogen wird, zeigt er, wozu der „alte Mann“ noch imstande ist.

Genau das sind die Rollen, welche für den langsam aber sicher auf die 60 zugehenden Actionstar zugeschnitten sind. Regisseur Julien Leclercq holt das Beste aus seinem prominenten Hauptdarsteller heraus. Es befinden sich Passagen im Film, die Van Damme Kamera technisch auf Schritt und Tritt begleiten. Es gibt einige Schießereien, eine Auto-Verfolgungsjagd und auch kurze Schlägereien, aber das passiert alles im sehr realistisch gehaltenen Stil – ohne viel Schnickschnack, Wackelcam oder sonstigen unnötigen Effekten. Die Kulissen sind unspektakulär – einige böse Zungen würden es gar billig nennen – dabei ist es tristes, echtes und von den Machern auch so gewolltes Plattenbau-Feeling. Wer also Hochglanz Actionkino `a la Hollywood  erwartet, ist definitiv fehl am Platz. Die Story ist auf Van Damme zugeschnitten, dennoch gibt es einen Twist, der bei dem einen oder anderen Zuschauer für eine Überraschung sorgen könnte. Die Action ist überschaubar, aber sehr wuchtig. Zudem überzeugen hier vor allem die ruhigen Momente, die Van Dammes schauspielerischen Qualitäten noch einmal unterstreichen. Zwar hat der Film zur Mitte hin einige Längen, doch langweilig wird es nie, da der Spannungsaufbau funktioniert, der gnadenlos in einem schonungslosen Finale mündet.

 

The Bouncer - Bewertung

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