KRITIK: PREDATOR 2

© Twentieth Century Fox of Germany GmbH
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Autor: Florian Wurfbaum

Zum Inhalt: Im Los Angeles des Jahres 1997 ist die Bandenkriminalität exorbitant gestiegen und die Polizei muss teilweise tatenlos bei den Kriegen der verfeindeten Banden zusehen. Bei einer Untersuchung von vermeintlich im Bandenkrieg getöteter Opfer stellt Detective Mike Harrigan (Danny Glover) und sein Team fest, dass es sich hierbei um keinen irdischen Täter handelt…

Obwohl PREDATOR sowohl beim Publikum, als auch bei den Kritikern hervorragend ankam und sich der Film auf Video sogar zu einem Kult-Hit entwickelte, zeigte das produzierende Filmstudio 20th Century Fox anfänglich kein Interesse den Film fortzusetzen. Erst als die PREDATOR Comic-Serie ebenfalls ein großer Erfolg wurde, konnte Produzent Joel Silver das Studio endlich von dem Potential des Stoffes überzeugen, so dass Fox daraufhin umgehend grünes Licht für eine Fortsetzung gab.

 

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Jedoch erwies sich die Entwicklung von PREDATOR 2 erheblich schwieriger als gedacht. So lehnte zunächst John McTiernan den Regieposten ab, da ihm die Produzenten aus Budgetgründen nicht die geforderten 2 Millionen $Gage zahlen wollten. Was für McTiernan aber kein Beinbruch war, denn stattdessen inszenierte dieser 1990 die Tom Clancy Romanverfilmung JAGD AUF ROTER OKTOBER, die letztlich wesentlich erfolgreicher war, als der zweite PREDATOR Auftritt. Der Star-Regisseur von Teil 1 wurde daraufhin von Stephen Hopkins ersetzt, der das Studio mit seiner Regiearbeit an NIGHTMARE ON ELM STREET 5 – DAS TRAUMA (1989) stark beeindruckt hatte.

Dies führte allerdings dazu, dass mit Arnold Schwarzenegger – der Star des Originals – ebenfalls aus dem Projekt ausstieg. Denn der gebürtige Österreicher konnte sich weder mit Hopkins auf dem Regiestuhl, noch mit dem Script anfreunden. So fand es Schwarzenegger zum Beispiel eine schlechte Idee die Fortsetzung in einer Großstadt spielen zu lassen.

 

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Daher musste nun auch ein ebenbürtiger Ersatz für Schwarzenegger gefunden werden. Das Studio 20th Century Fox drängte anfänglich auf den damaligen Genre-Shooting-Star Steven Seagal als Hauptdarsteller, jedoch lehnte Regisseur Stephen Hopkins diesen kategorisch ab. Seagal drehte dann stattdessen für das Studio den Action-Thriller ZUM TÖTEN FREIGEGEBEN der ebenfalls jamaikanische Voodoo-Themen aufgriff. Dies lag daran, dass es in den Vereinigten Staaten Ende der 80er zu einer regelrechten Gewaltwelle von jamaikanischen Drogen-Gangs kam und somit dieses Thema in den Medien omnipräsent war.

Ein weiterer Kandidat für die verwaiste Hauptrolle war Patrick Swayze, der aber aufgrund einer Verletzung, die er während der Dreharbeiten zu ROAD HOUSE erlitt, ebenso absagen musste. Am Ende entschied man sich zur Verwunderung vieler Branchenkennern für den LETHAL WEAPON-Star Danny Glover. Dieser war zwar schon in einigen Action-betonten Rollen zu sehen, jedoch hatte er bisher noch keinen Genre-Streifen alleine getragen. Die Zweifel erwiesen sich aber als völlig unbegründet, da Glover eine erstklassige Performance abliefert und mit Sicherheit das kleinste Problem des Filmes ist.

 

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Auch das von Schwarzenegger kritisierte Stadt-Setting erwies sich als Vorteil und zählt zu den gelungenen Neuerungen der Fortsetzung. So sorgte der neue Schauplatz Los Angeles für eine erfrischende Abwechslung, den die Macher nahezu perfekt als Spielwiese nutzen. Zwar sollte das Geschehen ursprünglich in New York City spielen, aber dies wurde aus Kostengründen schnell von den Drehbuchautoren Jim Thomas und John Thomas geändert und war im nach hinein die absolut richtige Entscheidung. Da L.A. sowohl einen fantastischen Übergang, als auch einen wundervollen Kontrast vom undurchdringlichen Tropen-Dschungel, in den schwitzigen Großstadtdschungel bietet.

Zumal die Fortsetzung sichtlich von der Budget-Erhöhung auf 35 Millionen $ profitiert. Sowohl die Actionszenen, als auch die Effekte sind erstklassig und bieten in der Kombination famoses 90er Action-Kino, dass locker mit heutigen Genre-Standards mithalten kann. Zu den Action-Highlights zählt die einleitende Schießerei in East Los Angeles, die ordentlich Blei und Bodycount beinhaltet. Hierbei zeigt sich auch der hohe Aufwand, mit der die Szene inszeniert wurde. So benötigten die Macher zunächst ganze 3 Tage für die Außenaufnahmen in East Los Angeles, was für die Filmemacher überaus problematisch, da sie in einer sehr rauen Umgebung gedreht haben und die Anwohner aufgrund des Drehlärms nicht erfreut über die Dreharbeiten waren. Dagegen waren die darauffolgenden Innenaufnahmen für die einleitende Action-Sequenz entspannend, denn diese wurden auf dem Fox-Studiogelände gedreht. Eine weitere erinnerungswürdige Action-Sequenz ist die U-Bahn-Angriffs-Szene. Diese wurde auf Drängen der Produzenten direkt aus der ersten Predator-Comic-Reihe übernommen.

 

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Inhaltlich setzt PREDATOR 2 auf die gleiche Formel wie beim Vorgänger. Dabei knallt es auch diesmal an allen Ecken und Enden ohne Rücksicht auf Verluste, so dass der Streifen aufgrund seines hohen Gewaltgrades zwangsläufig Probleme mit der Zensurbehörde bekam. So erhielt PREDATOR 2 anfänglich sogar wegen seiner grafischen Gewalt als erster Film, die neu in den USA eingeführte NC-17-Bewertung. Da dies aber für die 35 Millionen $ Produktion den finanziellen Ruin bedeutet hätte, wurde der Film mehrfach umgeschnitten, um das rettende R-Rating zu erhalten. Laut Regisseur Stephen Hopkins musste der Film hierzu mehr als zwanzig Mal vorgelegt, da sich die MPAA vor allem an den vielen verstümmelten Leichen und den Enthauptungen durch den Predator massiv störte.

Letztlich konzertiert sich der Film natürlich weitestgehend auf seine Schauwerte und spart dabei auch nicht mit Klischee-Figuren und typischen Genre-Mustern. Jedoch funktioniert der Streifen als Action-Spektakel großartig und unterhält zudem mit den herrlich überdrehten Charakteren. Hierbei erweist sich auch der hervorragende Support-Cast als großes Pfund, denn welcher Genrefan ist beim Klang der Namen Bill Paxton, Gary Busey, Ruben Blades, Maria Chonchita Alonso, Adam Baldwin und Robert Davi nicht verzückt vor Freude. Besonders Gary Busey zeigt einmal mehr seine wortwörtlich wahnsinnige Präsenz als undurchsichtiger PREDATOR-Jäger. Dabei wollte Regisseur Stephen Hopkins eigentlich John Lithgow für die Rolle, aber Produzent Joel Silver drängte auf Gary Busey, mit dem er bereits 1987 bei LETHAL WEAPON zusammengearbeitet hatte.

 

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Ein weiterer cleverer Schachzug war es dem titelgebenden PREDATOR mehr Hintergrund zu geben. So verdankt der außerirdische Jäger, obwohl es bereits ein Jahr vor dem Film ein Comic namens ALIEN VS. PREDATOR gab, vor allem PREDATOR 2 seinen Auftritt als Gegner der Aliens in ALIEN VS. PREDATOR (2004) und ALIENS VS. PREDATOR 2 (2007), denn erst nach dem Film fand der Lizenzinhaber 20th Century Fox gefallen an der Idee, dass die beiden Science-Fiction-Filmreihen ALIEN VS. PREDATOR im selben fiktiven Universum spielen. Und dass obwohl das ausschlagende Detail kurz vor Ende des Films, als Harrigan im Raumschiff des Predators eine Alien-Jagdtrophäe an der Wand entdeckt, nur als Insider-Gag von Effekt-Guru Stan Winston und seiner Crew gedacht war.

Ansonsten wurde auch noch das Design und die Ausstattung des Predators gegenüber dem Vorgänger von 1987 etwas verändert, um sich davon ein wenig abzuheben. So entwickelten Stan Winston, Stephen Hopkins und Lawrence G. Paull gemeinsam neue Ideen wie z.B. die exotischeren Waffen wie der einziehbare Speer, die abnehmbare Zange und das Netz. Zudem studierte Predator-Darsteller Kevin Peter Hall afrikanische Stammestänze, um die Persönlichkeit des Predators dem Thema des Filmes anzupassen.

Leider konnte das hoch unterhaltsame Endergebnis im Kino nicht die hohen Erwartungen des Studios erfüllen. Denn mit einem US-Gesamtumsatz von nur 30,6 Millionen $ konnte der Film im wichtigsten Kinomarkt der Erde noch nicht mal seine Produktionskosten decken. Erst durch die dazugekommenen weltweiten Umsatzzahlen und den starken Heimkino-Ergebnissen, schrieb die Fortsetzung letzten Endes doch noch schwarze Zahlen. Dies reichte aber nicht aus, um ein weiteres Sequel zu rechtfertigen, so dass der PREDATOR erstmal seinen Kult durch Comic- und Videospielableger weiter ausbauen musste, bis Fox wieder bereit war den Rasta-Killer auf der großen Leinwand los zu lassen.

 

Predator 2 - Bewertung

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