KRITIK: MEN IN BLACK: INTERNATIONAL

© Sony Pictures
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Autor: Michael Scharsig

Kunstgewohnte Cineasten, die das jüngste Werk des Filmemachers F. Gary Gray, MEN IN BLACK: INTERNATIONAL, aus rein gesellschaftskritischer Perspektive versuchen zu beleuchten, werden möglicherweise enttäu…bla bla bla… Ganz im Ernst, das Spin Off hatte nie eine Chance. Wir reden hier von dieser kultigen Reihe aus den späten 90ern, die mit Will Smith und Tommy Lee Jones nicht nur echt smartes Duo, sondern auch einen damals überraschend coolen Soundtrack hervorbrachte. Das Ding war schon ein Erfolg, da lief es noch gar nicht in den Kinos. Und was soll ich sagen? Der Neustart ist auch gar nicht so übel.

Das große Plus des Filmes sind definitiv Tessa Thompson und Chris Hemsworth, die ihre beinahe geschwisterliche Chemie aus dem urkomischen THOR: RAGNAROK beibehalten und im Alien Universum integriert haben. So ziemlich jeder Dialog zwischen den beiden sitzt und es macht einfach nur Spaß den beiden zuzuschauen. Zugegeben, eine Stand-Up Tournee der beiden hätte einen ähnlichen Effekt gehabt. Die dazugehörige Story um den Film ist nämlich aalglatt, vorhersehbar und langweilig. Aber ganz ehrlich? So tief und brillant waren die Geschichten um die gutgekleideten E.T.-Jäger doch eigentlich nie.

 

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Die Figurenzeichnung muss etwa 20 Minuten gedauert haben, den kleineren Twists gebe ich 5 weitere Minuten für den Fall, dass der Drehbuchautor zwischendurch auch mal auf die Toilette musste. Es macht mir in diesem Fall aber fast überhaupt nichts aus. Das kann mich als Filmkritiker vielleicht disqualifizieren, aber als Filmliebhaber frage ich euch trotzdem: Warum sollte eine Geschichte künstlich hochstilisiert werden? Das hätte der Reihe am Ende vielleicht sogar noch mehr geschadet. Der Trailer schrie doch schon total ehrlich „Kommt her, habt einfach Spaß, mehr gibt’s hier nicht!“.

Okay, ein paar kleinere Dinge störten mich ja auch. Beispielsweise die Besetzung von Liam Neeson. Ich habe nichts gegen ihn, im Gegenteil. Und er hätte als Partner auch gut funktioniert. Als Boss aber einen weiteren so hochrangigen Namen zu arrangieren – das verrät mir schon immer mindestens, dass da ein Twist kommt, dass hinter seiner Figur mehr steckt. Dazu kommt die völlig unterforderte Emma Thompson, die man völlig beliebig mit einer weitaus weniger bekannten Person hätte besetzen können. Übrigens, fetten Dank ans Casting-Team. Meine Psychose, Emma und Tessa Thompson immer dann zu verwechseln, wenn ich jeweils von der anderen spreche, blüht jetzt wieder so richtig auf.

 

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Es gibt also positive und negative Aspekte an MEN IN BLACK: INTERNATIONAL – am Ende, ihr Neider, hat der Film aber Rebecca Ferguson. Und ihr nicht! Ich weiß, ob ich jemals einen Film zerreißen kann, in dem Rebecca mitspielt. Selbst in den hässlichsten Kostümen und mit mehr als zwei Armen bestückt, möchte ich ihr noch immer Herzchen Emojis senden. Weniger erfreulich finde ich diesen kleinen animierten Sidekick, der über die gesamte Filmlänge hart an der Grenze zu Jar Jar Binks wandelt. Er ist zwar deutlich zynischer, seine Pointen verballert er aber erstens zu schnell und zweitens zu oft. Das wirkt am Ende ein wenig ermüdend.

Ich will MEN IN BLACK: INTERNATIONAL wirklich nicht gekünstelt überbewerten, in weiten Teilen fühlt er sich ein bisschen wie Kaugummi an. Mal im Mund, mal am Schuh. Aber ich finde es eben falsch, ihn am Kassenerfolg oder am Vorgänger zu messen. Er ist kein Trash, sondern liebevoll inszeniert. Ihm fehlt eben nur das Besondere Etwas, was ja leider so etwas wie Teilnahmeurkunde beim Sportfest ist. Was mir gefällt: Der Neuralyzer wird im Spin-Off noch einmal wichtiger und symbolisiert sozusagen das Problem mit der Macht, die die Men in Black durch ihn besitzen und wie damit umzugehen ist.

 

Men in Black - International - Bewertung

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