KRITIK – LOGAN – THE WOLVERINE

© 2017 Twentieth Century Fox
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Autor: Khalil Boeller

Zu den beliebtesten Charakteren in Marveluniversum dürfte wohl auch Wolverine gehören, der krallenbewehrte Mutant mit einem Skelett aus Adamantium und Selbstheilungskräften. Kein Wunder wurde nach dem Erfolg der „X-Men“ Filme schnell ein Spinoff über Wolvie angekündigt, was es bisher auf zwei Teile gebracht hat. Leider waren die ersten beiden Teile eher von durchwachsener Qualität, speziell der zweite Teil enttäuschte die vielen Fans, weswegen man sehr auf den letzten und abschließenden Teil der Reihe gespannt war und ob dieser den Erwartungen der Fans gerecht werden würde, und schon jetzt sei vorab verraten – wird er.

Zur Handlung: Das Jahr 2029 – in einer Welt, in der die Mutantenpopulation massiv zurückgegangen ist, fristet James Howlett aka Wolverine aka Logan sein Dasein als Chauffeur. In die Jahre gekommen sind auch seine Selbstheilungskräfte am Schwinden, was er mit Schmerzmitteln und viel Alkohol kompensiert. Zusammen mit Professor Charles Xavier, der inzwischen an einer degenerativen Hirnerkrankung leidet und deswegen mit Drogen ruhigstellt werden muss, haust er mit dem Mutanten Caliban, einem „Spürhund“ für Mutanten an der mexikanischen Grenze. Desillusioniert von Ereignissen, die lediglich angedeutet werden, versucht Logan, Geld für ein Boot zusammenzusparen, auf dem Xavier und er in den sprichwörtlichen Sonnenuntergang zu segeln. Doch sein Leben stellt sich auf den Kopf, als die junge Mutantin Laura in sein Leben tritt, gejagt von einem Konzern, der alles andere als etwas Gutes im Sinn hat…

 

© 2017 Twentieth Century Fox
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„Logan – the Wolverine“ ist eine überaus unkonventionelle Comicverfilmung. Das liegt zum einen an der Brutalität, die für eine Mainstream-Comicverfilmung sehr hart ist, aber der Figur Wolverine auf jeden Fall gerecht wird, eine Sache, die bei den Vorgängern sehr bemängelt wurde, da Wolverine eher ein Antiheld im Sinne eines Punishers oder Deadpool ist, der nicht lange fackelt. Doch man würde dem Film Unrecht tun, wenn man ihn nur auf die zugegeben zum Teil sehr plakative Gewalt reduziert.An vielen Stellen erinnert „Logan“ mehr an einen Western und Roadmovie, an einen Abgesang auf einen alternden Helden, der mit seinen Dämonen zu kämpfen hat.

Auch die Nebenfiguren sind entsprechend düster dargestellt – Xavier, einst ein mächtiger Telepath ist durch seine Erkrankung inzwischen zu einer Gefahr für seine Mitmenschen geworden. Inspiriert durch den Comic „Old Man Logan“ schickt Regisseur James Mangold auf eine letzte Reise, an seiner Seite die junge Mutantin Laura, sehr genial gespielt von Dafne Keen, deren Darstellung wirklich sehr gelungen ist und einen tollen Part zu Hugh Jackman bildet, der in seiner zur Höchstform aufläuft – mit grauem Haar und Vollbart nimmt man ihm zu jedem Zeitpunkt den alternden und kaputten Mutanten ab. Nicht zu vergessen, Patrick Steward, der den kranken Professor Xavier mit Bravour meistert.

 

© 2017 Twentieth Century Fox
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Leider bleiben die Gegenspieler, allen voran der Mutantenjäger und Cyborg Pierce, nach seinem gelungenen Einstieg eher blass, auch über den eigentlichen „Endgegner“ kann man geteilter Meinung sein, ohne hier spoilern zu wollen. Doch das ist zu vekraften, denn Mangold geht es eher um die Reise, eine Reise in vergangene Tage, zu sich selbst, zu dem, der man einmal war. Und das hat Mangold wie seine Schauspieler sehr treffend umgesetzt. Wie sehr, das erschließt sich einem Stück für Stück während des Films.

Sicher ist nicht alles Gold was glänzt, die Laufzeit ist etwas zu lange mit 2 Stunden und 20 Minuten geraten, auch sind die ein oder anderen Dinge drin, die den Zuschauer eher fragend zurücklassen, was ist beispielsweise mit den anderen X-Men passiert, wieso konnte ein so mächtiger Mutant wie Xavier in so kurzer Zeit verfallen, aber das wäre Nitpicking auf einem sehr hohem Niveau. Denn Logan möchte eben nicht eine typische Comicverfilmung sein, sondern richtet sich eher an ein erwachsenes Publikum, was man an der Erzählweise, die Fokussierung auf den inneren Konflikt des Hauptcharakters sowie den Referenzen im Film (wohl nicht ohne Grund schaut sich Laura den Western „Mein Freund Shane“ an), mit Nebenfiguren wird zum Teil sehr kompromisslos umgegangen. Auch die Zerissenheit von Wolverine spricht wohl eher ein erwachsenes Publikum an – man kann dem Studio, und vielleicht indirekt auch „Deadpool“, der ja gezeigt hat, dass ein Film mit einem „R“ Rating auch ein Erfolg sein kann, dankbar sein, dass man Mangold nicht in das Korsett gezwängt hat, einen Film für „die ganze Familie“ abzuliefern. Damit schafft Mangold letzten Endes das Kunststück, endlich der Vorlage gerecht zu werden und liefert den wahrscheinlich besten Teil der Serie ab.

 
 

Logan - Bewertung

Ab dem 13. Juli 2017 auf Blu-ray™, 3D-Blu-ray™, DVD und VOD erhältlich!!

DVD-Cover & Bilder © 20th Century Fox / Marvel. All Rights Reserved.

 

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