KRITIK – KICKBOXER – DIE VERGELTUNG

© Ascot Elite Home Entertainment
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Autor: Kevin Zindler

Mit KARATE TIGER (1986), BLOODSPORT (1988) und CYBORG (1988) kämpfte sich ein junger Belgier binnen kürzester Zeit in die Herzen der Kampfsportfilm bzw. Actionfilm-Fans. Die Rede ist natürlich von Jean-Claude Van Damme. Niemand sonst konnte einen Spagat so spektakulär präsentieren wie „The Muscles from Brussels“. Einen seiner beliebtesten Filme KICKBOXER (1989) wurde nun ein Remake spendiert, dem noch zwei weitere Fortsetzungen folgen sollen. Im Vorfeld dieser Produktion scheint einiges schief gelaufen zu sein, so stieß beispielsweise John Stockwell erst kurzfristig als Regisseur zu dem Projekt. In der 17 Millionen Dollar (offizielles Budget) Produktion schlüpft Van Damme  in die Rolle des Master Durand. Als Kurt Sloane (Van Dammes Charakter im Originalfilm) ist der überwiegend als Profisportler und Stuntman bekannte Alain Moussi zu sehen.

Erfahrt mehr über Jean-Claude Van Damme in unserem Special:

http://entertainment-blog.net/special-roundhouse-kick-vs-spagat-die-actionstars-chuck-norris-und-jean-claude-van-damme

Zum Inhalt: Kurt Sloan und sein Bruder Eric leben im kalifornischen Venice bei Los Angeles und sind erstklassige Karatesportler, was Letzterer nicht zuletzt durch die gewonnene Weltmeisterschaft unter Beweis stellt. Dadurch erregt er die Aufmerksamkeit eines zwielichtigen Promoters, der es auch schafft, den Sieger zu ködern und ihn zu einer Reise nach Hong Kong zu bewegen. Kurts Proteste bleiben ungehört und so verlässt Eric seine Heimat. Doch schon bald bittet dieser seinen in den USA zurückgebliebenen Bruder mit einem Brief, ihn in Thailand zu treffen. Als Kurt in Bangkok ankommt, muss er mit ansehen, wie sein Bruder im Kampf getötet wird. Mit der Unterstützung von Erics ehemaligem Lehrer Durand versucht Kurt nun die Kunst des Thaiboxens zu meistern, um den Mörder seines Bruders, einen tödlichen Kickboxer namens Tong Po zu besiegen.

 

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Wer erinnert sich nicht an den berühmten (unfreiwillig komischen) Tanz, der in KICKBOXER von dem noch sehr jungen Jean-Claude Van Damme performt wurde?! Diese Szene wird alten wie neuen Fans im Abspann des gleichnamigen Remakes noch einmal präsentiert. Der witzige Unterschied dabei ist, dass Alain Moussi diesen Tanz Bild in Bild kopiert. Eines von vielen Hommagen an das Original – und leider auch eines der Wenigen, welches funktioniert.

Dabei waren die Voraussetzungen doch gar nicht übel, bietet KICKBOXER – DIE VERGELTUNG doch auf den ersten Blick sehenswerte Locations, einen Kampsport erfahrenen Cast und kurzweilige Genre-Unterhaltung. Doch leider wirkt vieles – so Lobenswert es auch ist, endlich wieder 80´s Klopper-Action auf das potenzielle Publikum loslassen zu wollen – zu erzwungen und uninspiriert. Dadurch verfehlt man die eigentliche Intention. Das fängt schon bei den handwerklichen Mängeln an. Die Kameraführung nervt (unmögliche Perspektiven), der Schnitt ist holprig und die Inszenierung wirkt fad und langweilig. Zudem ist der Soundtrack – eines der großen Pluspunkte des Originalfilms – uninteressant und öde. Inhaltlich bot schon der achtziger Streifen nicht sonderlich viel Innovation (was bei dieser Art Film auch nebensächlich ist), jedoch vermittelten Figuren und Story einen gewissen Charme. Davon bleibt hier nicht viel übrig. Die Story behält die Prämisse des ursprünglichen Films bei, doch fügen die Macher der leicht veränderten Erzählstruktur lahme Charaktere sowie eine belanglose, völlig emotionslose Liebesgeschichte hinzu (Supermodel Sara Malakul  dient dabei als Eye-Candy). Emotionslos und absolut spannungsfrei  ist auch der Abgang von Kurts Bruder Eric (gespielt von dem leider im letzten Jahr viel zu früh verstorbenen Darren Shahlavi).

 

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Kommen wir zum Cast: Dieser überzeugt leider nur bedingt. MMA Star Gina Carano dient nur als Name Cast (Marketing-Strategie) in einer kleinen Rolle (sowie einige andere bekannte MMA-Kämpfer auch), welche nicht einmal interessant geschrieben ist. Fans die auf einen Fight mit ihr hoffen, sollten sich lieber einen ihrer realen Kämpfe (beispielsweise in der Neuauflage von „American Gladiators“)  auf Video anschauen. Als Enttäuschung kann auch Dave Bautista alias Tong Po angesehen werden, der zwar imposant wirkt, aber weder einschüchternd noch bedrohlich daher kommt. Ein Fleischberg, der seinem Charakter kaum Tiefe verleihen kann, nur da steht und seinen Part herunter spult. Haupt-Protagonist Alan Moussi hinterlässt wie Bautista einen physisch starken Eindruck und seine Kampfkünste sind unbestritten. Seine Schauspielkünste dagegen haben noch viel Luft nach oben und Charisma sucht man bei ihm auch vergebens. Daran mangelt es dem „Spagiaten“ Van Damme natürlich nicht, der erfreulich fit und locker Master Durand mimt. Er ist definitiv das Highlight des Films und zeigt einige coole Moves aus seinem großen Repertoire als Karateka. Allerdings ist er fast ausschließlich mit Hut und Sonnenbrille zu sehen. Das er Spaß an seiner Rolle hatte, merkt man ihm deutlich an. Die Trainingseinheiten mit ihm und Moussi sind amüsant, wiewohl eine echte Trainingsmontage fehlt.

Den vielen bereits angesprochenen negativen Aspekten muss man fairerweise entgegen halten, dass der Film recht kurzweilig ist, da es viele Kämpfe gibt und actiontechnisch auch sonst immer etwas passiert. Allerdings hätte man auf einen Kampf, der sich auf zwei Elefanten abspielt, verzichten sollen, da man deutlich erkennt, dass es sich bei den Elefanten um Pappkameraden handelt.  Die Fights sind allesamt guckbar bis gut, werden aber oft durch die vielen unpassenden Schnitte verdorben. Der finale (recht lange) Kampf zwischen Moussi und Bautista vermag zu unterhalten, jedoch versprüht dieser weder Nervenkitzel (trotz der berühmten Glasscherben) noch eine spürbare Magie.

 

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Ab dem 18. November 2016 auf Blu-ray™, DVD und VOD erhältlich!

DVD-Cover & Bilder © Ascot Elite Home Entertainment (Vertrieb Universum Film).

 

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