KRITIK – JEAN CLAUDE VAN DAMME SPECIAL #4 – HARTE ZIELE – HARD TARGET (STEELBOOK)

© Universal Pictures / Koch Media Home Entertainment

Autor: Tom Burgas

John Woo, ein Name der heute wohl nicht mehr jeden geläufig ist, der sich nur am Rande für Film interessiert. Mitte der 90er war er es jedoch der jedem Actionfan Pipi in die Augen laufen lies. Denn der kleine Asiate hat einfach mal mir nichts dir nichts das Actiongenre revolutioniert und ein eigenes gleich erschaffen, das Heroic Bloodshedded-Genre. Bei diesem war und ist nichts anderes so wichtig wie blutige Shootouts die eher wie ein Ballett wirken, Realismus interessiert hier keinen Menschen. Hier interessiert wie das Ganze cool und stylisch aussehen kann, indem man zum Beispiel zwei Waffen gleichzeitig abfeuert, sich der Gegner noch mehr in Zeitlupe dreht damit auch ja noch mehr Sekunden bleiben indem das Blut aus seinem Körper klatschen kann. Solch wunderbare Feuerwerke werden besonders bei Woo dann mit einer Prise emotionsgeladener Männerfreundschaft serviert damit das Ganze nicht zu einem billigen anspruchslosen Blutklumpen mutiert. Meisterwerke die hier genannt werden sollten sind „A better Tommorow“, „Hard Boiled“ oder „The Killer“. Das Woo nicht einfach nur stumpfe Gewaltorgien abliefert sieht man spätestens wenn man sich diverse Nachahmer anguckt die es natürlich zu Hauf gab, aber niemals oder sehr selten an Woo’s Genreprimus heranreichte.

Dieser kleine Exkurs ist wichtig um zu verstehen warum „Harte Ziele“ bei erscheinen schon die Schlüpper nass werden ließ bevor er rauskam. Das Problem war natürlich dass Woo seine Filme in Asien gedreht hat und wo wären wir denn wenn sich Amerika nicht alles unter den Nagel reißen will was sich vermarkten lässt, besonders da Anfang der 90er actionmäßig nicht zu viel los war. Also hieß der Auftrag: Holt uns den kleinen Chinesen her!!!

Das hat Universal dann auch gemacht und ihm 18 Millionen Budget in die Hand gedrückt plus ein Drehbuch, welches Chuck Pfarrer geschrieben hatte und auf einer Kurzgeschichte mit Namen „The most Dangerous Game“ von 1924 basiert. Pfarrer erwähne ich hier, da dieser quasi ein Mittelsmann war, nicht nur hat dieser selber Fronterfahrung mit einfließen lassen, er hat auch das Drehbuch unter anderem für „Darkman“ geschrieben. Bei diesem führte Sam Raimi Regie und der selbe Sam Raimi der die Teufel tanzen lies und „Spider-Man“ endlich schwingen lassen konnte wie wir es uns wünschten, überwachte während der ganzen Zeit den Dreh, da Mister Woo nämlich keine Silbe englisch sprach. Ein Problem welches ihn noch lange verfolgte. Zusätzlich war sich Universal auch nicht sicher, ob Woo nicht übertreibt was die Gewalt angeht, schließlich wolle man einen Actionfilm in die Kinos bringen, der keine Probleme mit seinem Rating bekommt.

 

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© Universal Pictures / Koch Media Home Entertainment

Soweit so gut, jetzt braucht es nur noch einen Hauptdarsteller und dieser sollte eigentlich Kurt Russell sein, der konnte jedoch wegen terminlicher Schwierigkeiten nicht zusagen und da Universal in den „Van Damme“-Markt einsteigen wollte, viel die Wahl auf ihn. Für Jean-Claude natürlich eine positive Botschaft sondergleichen, verehrt er doch das asiatische Kino. 65 Drehtage später hatten wir also „Hard Target“, wie der Originaltitel lautet. Selbstverständlich hatte man Probleme mit der Freigabe, es ist immer noch ein Woo, da kann man auf ihn aufpassen wie man will und der Film musste mehrfach umgeschnitten werden. Auch die Zusammenarbeit zwischen Woo und van Damme erbrachte keine große Freundschaft. Zurückhaltend sprach Woo später davon, dass van Damme ein großes Ego habe, er jedoch trotzdem stehts professionell bleibt, man darf gerne zwischen den Zeilen lesen. Universal hätte gerne eine weitere Zusammenarbeit gesehen, diese kam aber unter anderem durch genannte Umstände nicht zustande. Trotz der widrigen Umstände machte der Film gutes Geld und Woo blieb erstmal in Amerika und machte noch ein paar Filme von sehr schwankender Qualität, genannt seien hier der wunderbare „Face/off“ sowie im Gegensatz dazu der peinliche „Mission: Impossible 2“. Heute dreht er zum Glück wieder in Asien wo er seinen Stil viel eher ausleben kann.

Wie sieht es denn nun mit dem Endprodukt aus? Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass der amerikanische Actionfilm Woo gebraucht hat. Heutzutage wirkt natürlich vieles hier und da überholt oder sogar amüsant. Gerade die Einführung von van Damme mit dreifachem Zoom und der pseudocoolsten Westernmusik die sie auftreiben konnten wirkt schon eher wie eine Persiflage, damals war das aber eben richtig geile Scheiße. Zudem zeigen schon die ersten Actionsequenzen, dass hier geklotzt wird. New Orleans als Handlungsort ist auch dankbar gewählt und setzt dem Neo-Western-Gedanken ein paar schöne Spitzen entgegen. Wenn van Damme in seiner ersten Fightsequenz einen paar Möchtergerns auf der staubigen Straßen den Scheitel langzieht, wirkt das nicht von ungefähr wie der einsame Lone Ranger.

 

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© Universal Pictures / Koch Media Home Entertainment

Den stärksten Punkt findet man wider Erwartens jedoch nicht in der Regieführung oder dem Hauptdarsteller, sondern in der Casting-Entscheidung für die Antagonisten. Lance Hendriksen und Arnold Vosloo. Hendriksen braucht man wohl kaum noch vorstellen, Android Bishop und B-Moviegott in Personalunion. Arnold Voosloo kennt man wohl am ehesten als böse Mumie aus den beiden Remakes der Ägypten-Filme. Beide zusammen bieten hier eine Performance die alles und jeden an die Wand spielt. Nicht umsonst hatte man kurzzeitig die Idee beide in weiteren Projekten zusammen auftreten zu lassen. Beide spielen 1A-Psychopaten die zusammen arbeiten und nur vor sich selbst Respekt haben und schon gelangweilt sind von den unfähigen Geldsäcken für die sich die Menschenjagd betreiben. Aber dann kommt ja zum Glück Jean Claude Van Damme und versalzt ihnen etwas die Suppe.

Über die Story müssen nicht viele Worte verloren werden, da sie nur den Rahmen bildet um von Actionsetpiece zu Action-Setpiece zu springen und spätestens ab der Hälfte ist das Geschehen sowieso nur noch eine einzige Jagd. Natürlich gibt es einzelne Szenen die heute völlig panne sind, wie die in der Jean Claude einer Klapperschlange den Schwanz abbeißt oder der Belgier auf einem Motorrad steht und rumballert. Aber wir sind Anfang der 90er in einem Woo-Film, dafür bekommen wir am Ende in einer alten Fabrik alles was wir damals wollten. Kicks ,Blut, Explosionen und einen pseudocoolen Jean-Claude Van Damme. Und wenn ein Hendriksen seine Szenen einfach weiterspielt obwohl sein Mantel wirklich in Flammen aufging springt das Actionherz.

Was man also sagen kann ist, dass „Hard Target“ viele Versatzstücke bietet die den Film aufwerten, ohne dass man Fan von unserer geliebten Kampfbeule sein muss. Die Action sitzt immernoch fest im Sattel, die Story ist unkompliziertes Beiwerk, genau wie die Frauenrollen und als Sahnebonbon gibt es Antagonisten denen man eigentlich fast den Sieg wünscht.

 

© Universal Pictures / Koch Media Home Entertainment

Zur Veröffentlichung sei zu sagen dass „Harte Ziele“ bis Ende letzten Jahres auf dem Index stand und nun frei verkäuflich ist. Koch Media bringt die Disk, wie schon in Österreich vor drei Jahren, raus und spendiert uns zusätzlich das Ganze in einem ziemlich schicken Steelbook. Enthalten ist die Kinofassung sowie der Unrated Cut, der nicht nur wegen ein paar Gewaltspitzen länger ist, sondern auch hier und da umgeschnitten wurde. Dazu gibt es noch einen Audiokommentar von Thomas Gaschler, der leider zwischen langweilig und informativ hin und her pendelt. Dazu kommt noch der Trailer und ein paar Bilder vom Set rauf, das passt und mehr wollte man gar nicht erwarten. Was die Bildqualität angeht bin ich froh, dass der Streifen nicht zu tode überarbeitet wurde und man ein detailreiches Bild bekommt, welches jedoch ganz klar seine 90er Jahre Herkunft nicht verschleiert, wunderbar.

 

Harte Ziele - Bewertung

Ab dem 09. Februar 2017 ungeschnitten auf Blu-ray erhältlich!

Blu-Ray-Cover & Bilder © Universal Pictures / Koch Media. Alle Rechte vorbehalten.

 


 

VAN DAMME SPECIAL #4 – HARTE ZIELE – HARD TARGET

 

 

IN SLOW MOTION VOLL INS SCHWARZE: HARTE ZIELE (HARD TARGET) Es gibt Lebensziele, berufliche Ziele, Reiseziele- und dann gibt es noch harte Ziele. Im US-Debüt des Hongkong-Regisseurs John Woo wird Action-Star Jean-Claude Van Damme in der Blüte seiner Karriere zur menschlichen Zielscheibe von Lance Henriksen (ALIENS) und Arnold Vosloo (DIE MUMIE). Das Ergebnis heißt HARTE ZIELE und ist das Talkthema in diesem JCVD-Spezial mit Tom und Dominik.

 

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