KRITIK – PHANTASM: RAVAGER – DAS BÖSE V

© Koch Media GmbH
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Autor: Dominik Starck

PHANTASM ist eine der bekanntesten und wichtigsten unbekannten Horrorfilm-Reihen des modernen Kinos. 2017 stellt dabei in der Historie der hierzulande unter dem banalen Titel DAS BÖSE bekannten Reihe ein bedeutendes Jahr dar; Don Coscarellis ursprünglicher PHANTASM von 1979 fristete in Deutschland lange ein Dasein auf dem Index, war zeitweise beschlagnahmt und im Juni 2017 wurde selbige Beschlagnahmung wieder aufgehoben. Passend dazu erscheint mit PHANTASMRAVAGER der fünfte Teil und späte Abschluss der langlebigen Reihe. Doch was hat der schaurige „Tall Man“ für sein Endspiel in petto?

Zum Inhalt: Der alternde und doch unermüdlich seinen Kampf gegen den Tall Man (Angus Scrimm) fortsetzende Reggie (Reggie Bannister) kehrt aus der Dimension seines Erzfeindes auf die Erde zurück, doch die Suche nach seinen verlorenen Freunden Mike (A. Michael Baldwin) und Jody (Bill Thornbury) lassen Reggie nicht los. Als er auf der Farm der schönen Dawn (Dawn Cody) unterkommt, machen ihn die tödlichen fliegenden Sphären des Tall Man ausfindig und greifen ihn an. Plötzlich trifft Reggie Mike wieder, doch der eröffnet ihm, dass Reggie an Demenz leide und sich den Kampf gegen den Tall Man nur einbilde. Reggie glaubt fest an seine Wahrheit, doch dann findet er sich auch in der Vergangenheit wieder und schließlich in einer verwüsteten Version der Erde. Was ist real, was ist Fiktion und gibt es in dem endlosen Kampf überhaupt Erlösung?

 

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Don Coscarelli war schon immer ein Filmemacher der etwas anderen Art, was sich in seinem Quasi-Debüt PHANTASM auch wiederspiegelt und bis heute fortsetzt. Schaut man sich aktuellere Arbeiten Coscarellis an, dann findet man darunter den Bruce Campbell-Kult BUBBA HO-TEP sowie JOHN DIES AT THE END. PHANTASM blieb immer schwer zu greifen, erzählte eine Schauergeschichte mit Science-Fiction-Einschlag, die immer wieder die eigene Geschichte zu ignorieren schien und am Ende doch vor allem eine Metapher über Verlustgefühle sein könnte. Die ersten Fortsetzungen kamen stets im Abstand einiger Jahre heraus, 1988 der vergleichsweise hoch budgetierte PHANTASM II, der LORD OF THE DEAD betitelte PHANTASM III dann 1994 und mit PHANTASM IV: OBLIVION war man 1998 wieder im Low Budget Independent-Film-Sektor angekommen, der Schnittreste aus dem ersten Film verarbeiten musste, um auf Filmlänge zu kommen.

Nach dem auch bei Fans gemischt aufgenommen vierten Teil der Reihe dauerte es satte 15 Jahre, bis aus vagen Andeutungen, dass man mit dem Franchise noch einmal etwas machen wolle, ein langsam konkret werdendes Projekt wurde, das buchstäblich zurück zu den Wurzeln ging. Man war wieder Low Budget unterwegs, besetzte Freunde und Verwandte, drehte an Wochenenden, freien Tagen oder wann immer ein paar Dollar zusammengekratzt waren. Coscarelli sorgte zwar für Ideen und schrieb mit am Buch, doch Effekte-Künstler David Hartman übernahm die Regie. Was als Test-Dreh begann wurde schließlich zum Finale der Reihe, deren Premiere mehrfach verschoben wurde. Schließlich verstarb der „Tall Man“ Angus Scrimm im Januar 2016 noch ehe sein Schwanengesang in der legendären Rolle erschienen war.

 

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Kein Zweifel: man sieht dem Film sein geringes Budget genauso an wie man bei den Darstellern das deutlich höhere Alter nicht verschleiern kann. Auch beantwortet der Film nicht deutlich mehr offene Fragen als er zugleich noch neue aufwirft. Aber kann man das einem PHANTASM-Film wirklich vorwerfen? Teil des Erbes dieser Reihe ist ja, dass der folgende Teil meist einen Teil oder mehr von den Ereignissen des oder der Vorgänger ignoriert oder umschreibt, neu interpretiert und am Ende idealerweise noch einen fiesen Cliffhanger draufsetzt. So gesehen ist alles beim Alten und doch fühlt sich der Alters-PHANTASM des ursprünglichen Teams anders an. Moderne Technologie, frischer Indiefilm-Spirit und ein Sammelsurium von Dinge, die sich über 15 Jahre angestaut haben. Ein wenig wirkt RAVAGER damit wie eine Art „Best of“ des ganzen Franchise. Mehr Realitätsbrüche denn jemals zuvor, es gibt wieder Tall Men, Zwergkreaturen, den roten Planeten und einige Sphären, diesmal sogar noch gewaltiger, als wolle man dem Todesstern aus STAR WARS mal zeigen, wie man einen Mond in den Schatten stellt. Apropos; dank STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT-Macher J.J. Abrams wurde der originale PHANTASM jüngst aufwändig in 4K restauriert und erstrahlt so zu neuer Blüte während Angus Scrimm in RAVAGER ein letztes Mal als Tall Man in den zu kleinen Anzug steigt.

Obschon RAVAGER nicht mit offenen Fragen und Interpretierbarkeit geizt hat die Filmreihe, die einst ganz bescheiden mit einem privat finanzierten Film über die Sterblichkeit begann, nun einen Abschluss gefunden, mit dem man sie ruhen lassen kann- zumindest bis jemand eine TV-Serie dreht, ein Remake oder Reboot anstrebt. Oh Boooy!

 

Phantasm V - Bewertung

 


 

Zur DVD: Der Bildqualität sieht man ein wenig an, dass mit billigen Mitteln und günstigen Kameras gedreht wurde, dennoch sind die Farben kräftig und ist die Schärfe meistens in Ordnung. Neben deutscher und englischer Tonspur gibt es ebensolche Untertitel und auch an ein Wendecover ohne FSK-Logo wurde gedacht. Das Bonusmaterial besteht aus rd. 7 Minuten „Deleted Scenes“ (mit optionalem Kommentar), dem dt. und engl. Trailer zum Film sowie einem Audiokommentar von Regisseur Hartman und Produzent Coscarelli. Besonders dieser Kommentar ist überaus unterhaltsam und mit einer Fülle an Informationen über die Produktion gespickt.

Als Alternative zu den regulären DVD- und BD-VÖs bietet Black Hill den Film auch als schickes Mediabook an, das neben der vorgenannten Ausstattung noch eine Bonus-DVD und ein Booklet von Christoph Huber beinhaltet. Die Bonus-Scheibe fährt fünf Featurettes und ein rd. 48 Minuten langes Making Of zum Film auf, sodass man auf insgesamt rund 74 Minuten Bonusmaterial kommt.

 

Ab 26. Mai 2017 auf DVD, Blu-ray und VOD erhältlich!

DVD-Cover & Bilder © Black Hill / Koch Media GmbH.

 

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