KRITIK – GHOST IN THE SHELL

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© Paramount Pictures Germany

Autor: Tom Burgas

Ist das jetzt möglicherweise DAS neue Ding in Hollywood nachdem die Comicverfilmungen selbstständig laufen, man jedoch etwas für die gute alte Abwechslung braucht? Neben den Realverfilmungen von Disney könnte dies jedenfalls eine schicke Idee sein aus Animes Realverfilmungen zu zaubern. Warum nicht? Natürlich werden wie immer die Fans aufstöhnen und meckern was das Zeug hält, aber anders als bei den Disneyvorlagen sind viele der Animes nicht so weitreichend bekannt wie die Figuren des Mickey-Konzerns.

Hier hat man sich gleich eines der größten Schwergewichte ausgesucht. Zusammen mit AKIRA war GHOST IN THE SHELL dafür verantwortlich dass Animes sich in der westlichen Welt durchgesetzt haben. Der Anime (1995) beruht wie so oft selber auf einem Manga von 1989 und war in dieser Größenordnung wie wenige andere Filme Inspirationsquelle für aberdutzende Filme die ihm folgten. GHOST IN THE SHELL wurde Kult. Egal ob MATRIX, ROBOCOP, selbst in neuesten Filmen wie dem Remake von TOTAL RECALL erkennt man unweigerlich den Anime.

Aber gut, ich will gar nicht zuviel über die Vorlage reden, jeder Wiki-Eintrag zu dem Thema ist da wohl ausführlich genug. Nur zur Übersicht und was ich vorher auch nicht wusste. Zu dem Franchise gehören mittlerweile 4 Animes (darunter 1 Fernsehfilm), 2 Serien und 3 Videospiele, das ist doch schon mal eine Hausnummer.

 

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© Paramount Pictures Germany

Schon die ersten Infos zur Realverfilmung ließen die Fans allerdings implodieren. Wie bitte können die eine Amerikanerin als Hauptdarstellerin ranholen um in die Rolle von Major zu schlüpfen? So wie man das Internet kennt wurden bestimmt gleich wieder Morddrohungen und Verwünschungen der bösesten Art rausgeschickt. Spätestens nach den ersten bewegten Bildern verstummten die negativen Meinungen wenigstens zum großen Teil, denn auch wenn man sich immer noch aufspielen kann ob Miss Johansson eine gute Wahl ist, sahen die Bilder einfach verdammt gut aus und spätestens der Trailer zeigte dass er sich sehr nah an den Vorlagen orientiert.

Aber machen wir einfach mal nen harten Schnitt. Wie war der ganze Kram denn jetzt? Ich muss sagen dass selten zuvor eine Kritik so schwierig für mich war. Also, ist der Film gut? Ihr seid nicht blind und seht meine Bewertung. Also ja, das wichtigste dürfte sein dass der Film so oder so egal ob man als Fan rangeht oder noch nie was von gehört hat, niemanden enttäuschen wird. Scarlett Johansson macht ihre Sache verdammt gut und wirkt nicht fehl am Platz, die Optik ist zum dahinschmelzen und völlig kalt lässt einen das Ganze auch nicht. Zudem gefallen die Nebendarsteller durch die Bank. Vor allem Pilou Asbaek als Batou, der Partner und einzige wirklichee Freund von Major (Johansson) ist ein wunderbar sympathischer Charakter den man ins Herz schließt. Aber wie so oft hat auch Takeshi Kitano ein Charisma, welches ja schon seit Jahrzehnten fast unheimlich ist. Als jemand der die Vorlage nicht mehr in und auswendig kennt waren manche Ideen und Bilder für mich auch einfach wahnsinnig kreativ und verabschieden sich vom Einheitsbrei sonstiger amerikanischer Produktionen wodurch man somit ganz klar die asiatische Herkunft wenigstens erahnen kann.

 

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© Paramount Pictures Germany

Warum ist die Kritik also so schwer? Zum einen hat man das Gefühl eben fast alles schon mal gesehen zu haben und damit meine ich nicht die direkte Vorlage. Jederzeit beschleicht einen das Gefühl dass man doch dieses Setpiece und diese Idee schon aus anderen Filmen kennt. Was wahnsinnig gemein ist weil eben diese Filme dann mit Sicherheit bei genannter Vorlage geklaut haben. Dies ergab für mich ein irgendwie ambivalentes Sehvergnügen. Zum anderen muss man schon erkennen, dass der Anime dreckiger wirkt, mehr aus einem Guss was die Optik angeht. Dort hat man eben einen einheitlichen Zeichenstil und hier hat man reale Menschen vor jeder Menge grünen Wänden. Die Effekte sind über alle Zweifel erhaben und funktionieren in den meisten Fällen auch (Rauch ist immer noch schwierig) aber da merkt man einfach, dass GHOST IN THE SHELL es nicht verhindern kann einfach insgesamt glatt zu wirken, egal wie dreckig die Straßen aussehen sollen, in denen es spielt.

Somit kommt es, wie bei jedem Film, wohl darauf an mit welchen Erwartungen man an die ganze Sache geht. Er steht sich mit seiner Vorlage und der Marke an sich etwas selbst im Weg und wird mitunter möglicherweise auch vom Marketing größer gemacht als er vielleicht ist. Für sich alleinstehend ist es einfach ein guter Sci-Fi-Film, der seine asiatischen Wurzeln nicht verstecken kann oder will. Allein dadurch dass man solche Filme nicht oft im Kino sieht sollte man ihm eine Chance geben und alle Vorlagen oder Einflüsse vergessen, die man mit ihm in Verbindung bringt, denn dann kann er nur rocken. Und Fans sei gesagt, dass er höchst würdevoll mit seiner Vorlage umgeht, wer sich also damit abfinden kann das Johansson die Hauptrolle innehat sollte nicht mehr viel zu meckern haben, es sei denn er will unbedingt Fehler finden.

 

Ghost in the Shell - Bewertung

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