KRITIK: DOLEMITE IS MY NAME

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Autor: Florian Wurfbaum

Zum Inhalt: Im Los Angeles der 70er zieht der Comedian Rudy Ray Moore mit seinem versauten Alter Ego Dolemite das große Los und setzt dann für die Kinoleinwand alles aufs Spiel.

In den letzten Jahren war es sehr ruhig um den einstigen Superstar Eddie Murphy geworden, was doch etwas verwunderte, da der New Yorker in seinen Glanzzeiten zu den bestverdienensten Schauspielern in Hollywood gehörte. So konnte man Murphy zuletzt 2016 in dem Drama MR. CHURCH sehen, welches zu unrecht floppte und definitiv eine Sichtung wert ist. Dieser Umstand führte auch dazu, dass die Umsetzung von Murphys langgehegtem Wunschprojekt DOLEMITE IS MY NAME weiterhin auf sich warten ließ. Der BEVERLY HILLS COP-Star versuchte bereits seit knapp einem Jahrzehnt ein Biographie-Verfilmung über den berühmt-berüchtigten Stand-Up Comedian und Blaxploitation-Star Rudy Ray Moore zu verwirklichen, allerdings lehnten die Studios immer wieder dankend ab.

 

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„Wer ist Rudy Ray Moore? „Was, bist du verrückt?“

Murphy war dank seines älteren Bruders Charlie Murphy, der ständig Rudy Ray Moores Zeilen aus den Dolemite-Filmen zitierte, seit Kindesbeinen ein großer Fan von Moore und gab daher auch sein Herzensprojekt trotz Tiefschlägen nicht auf. Nachdem praktisch alle Filmstudios absagten, versuchte Eddie Murphy den Film beim Streaming-Riesen Netflix unter zu bringen. Und tatsächlich war der Streaming-Anbieter interessiert und gab schließlich 2018 grünes Licht für die Produktion. Was durchaus beachtlich war, denn Rudy Ray Moore erreichte selbst keinen allzu großen Bekanntheitsgrad und auch Murphy war nicht mehr der große Kassenmagnet. Jedoch besaß Moore mittlerweile einen gewissen Kultstatus und wird von zahlreichen Künstlern aus dem Rap- und Comedy-Bereich als wichtiger Einfluss genannt, so dass die Verfilmung zumindest hier eine größere Aufmerksamkeit erreichen kann und im besten Falle sogar bei den Award-Shows Erwähnung findet. Leider erlebte Murphys großer Bruder Charlie die freudige Nachricht nicht mehr, da dieser 2017 nach langer schwerer Krankheit verstarb.

 

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Für die Umsetzung nahm Craig Brewer (HUSTLE & FLOW) auf dem Regiestuhl Platz. Als Vorlage diente das überaus pointierte Drehbuch von den Biopic-erfahrenen Autoren Scott Alexander und Larry Karaszewski (LARRY FLINT, ED WOOD). Die beiden Autoren stellen im Vorfeld umfangreiche Recherchen an, so dass selbst Moore-Experte und Autor der Biographie DOLEMITE: DIE GESCHICHTE VON RUDY RAY MOORE David Shabazz das finale Script lobte. Neben Eddie Murphy schafften es die Macher auch für die weiteren Rollen eine mehr als illustre Besetzung zusammen zu stellen. So bekommt man mit Chris Rock, Mike Epps, Craig Robinson und Keegan-Michael Key eine Vielzahl an afroamerikanischen Comedy-Grössen zu sehen.

DOLEMITE IS MY NAME ist sowohl eine liebevolle Hommage ans Blaxploitation-Kino der 70er, als auch eine charmante Liebeserklärung an das Filmemachen allgemein. Inhaltlich konzentriert sich der Film auf die bunten und zugleich herrlich eigenwilligen Charaktere, die in Verbindung mit dem wundervollen Underdog-Charme der Geschichte für eine große Portion Feelgood-Feeling sorgen, der mitten ins Herz trifft. So setzt sich der Film für alle andersartigen ein und gibt diesen mit leichtem Ton Mut an sich zu glauben.

 

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Hierbei wird die Biopic-Komödie von einem regelrecht entfesselnd aufspielenden Eddie Murphy angetrieben, der als Rudy Ray Moore eine seiner besten Karriereleistungen abliefert. Unterstützt wird der einstige Superstar von einem großartigen Supporting-Cast, der mit Wesley Snipes, Chris Rock, Snoop Dogg, Mike Epps, Craig Robinson und Keegan-Michael Key große Namen der amerikanischen Black Community bietet. Trotz der durchweg guten Darstellerleistungen muss Da’Vine Joy Randolph als Lady Reed separat erwähnt werden, da die ehemalige Musical-Darstellerin wirklich toll agiert und sich damit für größere Aufgabe aufdrängt.

Dazu erzeugt Regisseur Craig Brewer dank liebevoller Ausstattung und lässiger Soul-Musik ein herrlich stimmungsvolles 70er Zeitkolorit, dass die Ära mit ihren extravaganten Outfits regelrecht feiert. Da Rudy Ray Moore vor allem für seine wesentlich härtere Comedy-Gangart bekannt war, muss man sich hier natürlich auf eine recht vulgäre Tonart einstellen, wer sich aber davon nicht abschrecken lässt, wird im weiteren Verlauf zudem mit gelungenen, leiseren Tönen belohnt.

 

Dolemite is my Name - Bewertung

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