KRITIK: DAS HAUS DER GEHEIMNISVOLLEN UHREN

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© Universal Pictures

Autor: Tom Burgas

Wie lang ist es her, dass ich mit einem Grinsen im Gesicht aus einem Kino kam? Nicht weil ein Film ziemlich perfekt war oder Van Damme mal wieder auf der großen Leinwand bestaunt werden konnte. Nein, weil einfach irgendwas jetzt schöner ist. Das ist in diesem Fall meine Meinung zu Eli Roth, Mister Blut und Gekröse. Der riesige Filmfan, der selber mit CABIN FEVER von der Pike an durchstarten konnte und spätestens mit seinem HOSTEL auch Normalguckern ein Begriff wurde. Eines hatten sie alle gemeinsam, die Liebe zum optischen Horror. Nichts mit Nebenschwaden oder Boo-Geistern. Gedärm und literweise Blut waren an der Tagesordnung und im Alleingang machte er die sogenannte Torture-Porn-Welle salonfähig. Marketing durch Kollege Tarantino bekam er auch also was will man mehr? Vielleicht den Ruf eines guten Regisseurs, denn auch wenn seine Filme ok liefen waren die Kritiken eher mäßig. Filme wie zuletzt KNOCK KNOCK oder das DEATH WISH-Remake vielen größtenteils sogar komplett durch.

Als dann der Trailer zum Uhrenhaus kam war ich doch sehr verwundert. Effekt lastig? Kinderfreundlich? Eine recht kommerzielle Ausrichtung? Habe ich irgendwas verpasst? Aber ich liebe Überraschungen und somit freute ich mich auf diesen Gegensatz.

Die Geschichte ist ziemlich fad und altbekannt. Kleiner Junge verliert Eltern, muss zu seinem komischen Onkel (Jack Black) und der lebt in einem Haus in dem es scheinbar nicht mit rechten Dingen vor sich geht und Puff, schon ist man umgeben von Magier-Meistern, einem Zombie und einem Sessel der sich benimmt wie ein Hund. Kennt man ja. Im Grunde tatsächlich, denn so viel muss sich Mister Roth gefallen lassen. Alles kennt man irgendwie schon. Hier ein wenig R. L. Stine, dort ein großer Löffel CASPER und dann hat man diesen Brei. Aber bevor die Mundwinkel nach unten wandern ziehen wir sie mal ganz schnell wieder nach oben, denn der Brei schmeckt verteufelt gut.

 

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© Universal Pictures

Der kleine Owen Vaccaro den man aus DADDY´S HOME-Filmen kennt ist zwar kein Jacob Trambley, macht seine Sache aber ziemlich gut und nervt zu keiner Sekunde. Hinzu kommt eine Chemie, die man so nicht erwartet. Jack Black und Cate Blanchett die sich geschwistergleich dauernd anfrotzeln, nur um in ernsten Situationen Seite an Seite zu kämpfen. Das macht mächtig Laune und bildet für mich das Herzstück des Ganzen. Zusammen mit der wunderbaren Ausstattung und dem Stil generell. Gerade an den genannten CASPER musste ich denken, in dem Sinne, dass das Ambiente immer den Effekten vorgezogen wird. Nie hat man das Gefühl, dass das CGI in den Vordergrund gerückt wird, was ihn ein wenig, positiv gemeint, aus der Zeit fallen lässt. Generell wirkt vieles wie frisch aus den 90ern, wodurch ja automatisch bei mir schon das Herz aufgeht.

Positiv auch dass Figuren sich anders entwickeln als gedacht. Der verschrobene kleine einsame Lewis lernt in seiner neuen Schule zwar andere Kinder kennen aber er bekommt nicht auf einmal jemanden an die Seite mit dem er das Abenteuer erlebt. Er bekommt emotional ganz schön was zu tun, so dass unter dem Abenteuer natürlich auch die Botschaft nicht zu kurz kommt. Wo Eli Roth drauf steht muss allerdings auch was von ihm drin sein und das ist der Humor. Wo die meisten Produktionen aus dem Genre recht zahm daherkommen lässt er teilweise ganz schön harte Sachen ab, natürlich in den Grenzen seiner Freigabe. Erwartet jetzt keine Blutfontänen oder ähnliches. Aber das ist schon wunderbar düster und im Sprachgebrauch manchmal wunderbar ungehemmt. Am ehesten fühlte ich mich an Joe Dante und seine GREMLINS erinnert, auch wenn Roth es nicht so perfekt schafft dramatische und/oder witzige Szenen so gekonnt zu verpacken.

 

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© Universal Pictures

Schade, dass man sich bei dem Bösewicht so wenig Mühe gab. Der ist nicht mehr als ein Zombie Kyle MacLachlan (Twin Peaks, Agents of Shield) der selber Zaubermeister ist/war. Dieser will wieder die Welt untergehen lassen oder in dem Fall alles zurückdrehen. Der Dämon, der von ihm quasi Besitz ergriffen hatte wäre viel interessanter gewesen, das war vielleicht ein mieser Bastard. Generell ist das Ende nicht mit solch einer Verliebtheit versehen wie der Rest davor. Hier gibt es dann wieder eine kleine CGI-Show, die sich aber in Grenzen hält und spätestens wenn Miss Blanchett sich dafür entscheidet richtig loszulegen macht das vieles wieder wett.

Eli Roth hat es also tatsächlich geschafft einen wirklich charmanten Fantasyfilm zu kreieren der sich sehr positiv aus seinem bisherigen schaffen abhebt. Leider ist es kein zeitloser Klassiker (ja, ich bin heute mal witzig), jedoch macht das Uhrenhaus einfach Spaß und hat mich mehr abgeholt als ähnliche Titel in der Vergangenheit. Ich hoffe, dass man es zu einem Franchise ausbaut, denn man merkt dass sich dort noch viele Geschichten verbergen und bei einem Budget von gerademal 40 Mio. $ sollte ein Gewinn schnell gemacht sein.

 

Das Haus der geheimnisvollen Uhren - Bewertung

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