KRITIK: BRIGHT (ODER HERR DER RINGE IN DER GROSSSTADT)

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© Netflix

 Autor: Tom Burgas

Was haben sich die Zeiten geändert. Ich kenn es noch, dass man nur 1-2 Bilder als Vorschau sah oder nur mit Glück den Trailer im Fernsehen erhaschen konnte und man dann vielleicht ein Jahr warten musste bis der Film aus dem Kino auf VHS raus kam. Natürlich zu Mammutpreisen jenseits 50DM oder noch mehr und ich froh sein konnte wenn nach dem 30. Mal gucken noch zu erkennen war, wer da jetzt mit wem redet. Nun ja, heute sitze ich hier und streame hunderte Filme wie ich will und meckere wenn was eher nach Full HD als nach 4K aussieht. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung wo der Gedanke gerade so richtig herkam, aber jetzt ist er raus…schön. Aber wenigstens können wir bei Streaming-Diensten bleiben und so tun als hätte ich die Überleitung geplant und nun meisterhaft umgesetzt. Einer von genannten Diensten ist nämlich Kollege Netflix und der muss sich ziemlich warm anziehen. Denn seit bekannt ist das Disney schon wohl 2018 einen eigenen Streaming-Dienst auf die Beine stellen will und im Zuge dessen Fox für 53 Milliarden$ (53 MILLIARDEN!!!!) teilweise aufgekauft hat, geht den Verantwortlichen bei Netflix der Arsch auf Grundeis. Die verlieren nämlich wahnsinnig viele Sache aus ihrer Bibliothek und produzieren jetzt eifrig eigene Stoffe, um konkurrenzfähig zu bleiben. Ich denke ja dass die früher oder später gefressen werden,  aber ich bin sowieso ein Pessimist vor dem Herrn. Einer dieser Stoffe ist jetzt erschienen und nennt sich BRIGHT. Netflix erster richtiger Big Budget-Film mit einem stattlichem Budget von 90 Mio.US-$.

Dass man dadurch natürlich keine unbekannten Schauspielnasen wiederfindet ist klar und somit gibt es auch klanghafte Namen vor und hinter der Kamera. Will Smith ist hier ganz klar der größte Marketingschachzug, wobei ich mich mehr auf Joel Edgerton freute, ist er doch seit WARRIOR bei mir ganz weit vorne in der Gunst. Hier und da gibt es noch weitere bekannte Gesichter wie Noomi Rapace, Edgar Ramirez oder Jay Hernandez. Dass man bei genannten Leuten an einen bestimmten Regisseur denken muss, kommt nicht von ungefähr, hatte er doch mit diesen bereits zuvor zusammengearbeitet. Die Rede ist von David Ayer, dem Regisseur von HARSH TIMES, END OF WATCH oder SABOTAGE mit Schwarzenegger. Den meisten dürfte der Amerikaner bekannt sein als Schreiber von TRAINING DAY den er zum Glück nicht selbst inszenierte. Ich sag es so wie es ist, seit seinem SUICIDE SQUAD hatte der mächtig bei mir verschissen. Wie sehr er jetzt selbst an dem Debakel schuld ist, sei mal dahingestellt, aber der Schmerz sitzt tief.

 

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© Netflix

Kommen wir gleich mal zum wichtigsten Aushängeschild von BRIGHT, denn dieses ist mal wirklich neu und als erstes Großprojekt sogar recht mutig. Stellt euch im Grunde HERR DER RINGE vor und das Ganze in der heutigen Gesellschaft. Es gibt also Menschen, Orks, Elfen, Feen und alles was man sich an Fabelwesen denken kann. Das wird dann verbunden mit einer typischen Polizei-Thriller-Geschichte, so dass ihr eine ziemlich klare Vorstellung davon habt, was euch hier erwartet.

Im Trailer konnte man schon erkennen das David Ayer wieder seinem Stil treu bleibt. Es geht wie meistens bei ihm um Gangs, um Straßenkriege und komplizierte Freundschaften. Diesmal eben nur mit Fantasy. Ein Mensch muss mit einem Ork zusammenarbeiten, dazu gibt es dann einen gemeinsamen Feind und fertig ist die Laube. Ich will mich jetzt an der recht einfach gehaltenen Story gar nicht aufhängen, denn diese sieht man im genannten Trailer schon eigentlich komplett.

Wichtiger ist das Endergebnis und Ayer hat sich bei mir damit etwas entschuldigt. Die Prämisse funktioniert. Von den ersten Sekunden wird klargestellt, dass man die Andersartigkeit der Rassen als Allegorie auf unseren eigenen geschichtlichen Rassenhass und die Bandenkriminalität nutzt. Als Vorbild wurde hier ganz klar das Bild von L.A. Ende der 80er genommen. Smog, Slangs und Gangs an jeder Ecke und Cops sind alarmierend in der Unterzahl. Das ist optisch alles ganz nett, wenn auch wohlbekannt. Aber gerade durch die Verbindung zur neuen Märchenwelt bleibt das Geschehen immer witzig/interessant. Wann hat man denn das letzte Mal Orks an der Ecke stehen sehen, die in Hip-Hop-Klamotten Sachen vollsprayen oder Elfen die alle neureich in noblen Karren durch ihre eigenen versnobten Gegenden fahren? Hier liegt ganz klar der größte Reiz von BRIGHT. Ayers TRAINING DAY hätte hier wohl nochmal ganz andere Höhepunkte gehabt.

 

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© Netflix

Damit man noch auf Nummer Sicher gehen kann, haben wir noch das Buddy-Movie-Kostrukt. Joel Edgerton spielt nämlich den einen Ork, der bei den Menschen als Polizist arbeitet und den keiner haben will. Auch hier funktionieren emotionale, wie auch witzige Szenen und BRIGHT spielt dabei teilweise sehr sympathisch mit den gängigen Klischees und sozialkritischen Untertönen. Riesige Brüller sind nie bei, aber gerade ab dem Moment wo Mensch und Ork immer besser zusammenarbeiten, hat man seinen Spaß mit den Jungs.

Zu kompliziert will man die Sause nicht werden lassen und das merkt man. Optisch und erzählerisch geht man den einfachen Weg. Während es einen bei der Story, durch die vielen kreativen Ideen, weniger stört, ist mir die Optik ansich etwas zu glatt. Wie bei Netflix typisch, wirkt alles zu digital, zu sauber und diesmal auch oftmals zu dunkel. Gerade dadurch, dass er meist nachts spielt, schon eine nervige Sache. Immer wenn ich aber anfangen wollte etwas zu kritisieren, kam die recht nette Action um die Ecke. Noomi Rapace darf mit ihren bösen Elfenbuddys schön vom Leder ziehen. Das hat Wumms, das sieht gut aus, das gefällt. Auch dadurch dass man die FSK 16 ausnutzt und es hier und da schön spritzt….. also eher DRAGON AGE anstatt NARNIA.

Teil 2 wurde schon so gut wie bestätigt und wenn jetzt noch 1-2 wirkliche Showrunner oder unterhaltsame Ideen reingebracht werden, hätte ich Bock auf ein großes Franchise. Der Grundton dürfte bei einer Weiterführung interessant sein, denn den sozialkritischen Subtext sowie den ironischen Umgang mit der Grundmaterie bedienen sie zu gleichen Teilen, also wäre alles möglich. Aber ich hoffe, dass man sich darum dann beim nächsten Mal Sorgen machen kann. Willie und Edgerton dürfen gerne weiter ihre Runden drehen, vielleicht kommt das nächste Mal ja ein nerviger Goblin hinzu.

 

Bright- Bewertung

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One thought on “KRITIK: BRIGHT (ODER HERR DER RINGE IN DER GROSSSTADT)

  1. Hört sich für mich sehr nach dem Pen-and-Paper „Shadowrun“ an, das im Jahre 2050 spielt und von einer technologisierten Welt handelt, in der die Magie zurückgekehrt ist und Orks, Trolle, Elfen, Drachen usw. die Straßen bevölkern. Alleine deshalb reizt mich der Film sehr — nur nutze ich kein Netflix… 😉

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