KRITIK: ANGEL HAS FALLEN

© Universum Film
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Autor: Florian Wurfbaum

Zum Inhalt: Immer an vorderster Front, um sein Leben für den Präsidenten zu geben: Mike Banning (Gerard Butler) ist der loyalste Mann des Secret Service. Zweimal in seiner langen Karriere hat er bereits den US-Präsidenten gerettet – Zeit, einen Gang runter zu schalten und über eine Versetzung in den Innendienst nachzudenken. Doch alles ändert sich nach einem vermeintlichen Routineeinsatz: Bei einem großangelegten Anschlag auf Präsident Trumbull (Morgan Freeman) stirbt fast das gesamte Secret Service-Team – nur Mike Banning überlebt und ist plötzlich der Hauptverdächtige. Während der Präsident schwer verletzt im Koma liegt, wird Banning von seinen Kollegen und dem FBI quer durchs Land gejagt und muss beweisen, wer die wahren Drahtzieher sind. Ein gnadenlos rasantes Katz-und-Maus-Spiel beginnt…

Nachdem LONDON HAS FALLEN mit einem weltweiten Einspiel von 205 Millionen US-$ sogar die Umsatzzahlen vom Erstling OLYMPUS HAS FALLEN übertreffen konnte, war bei den führenden Herren des produzierenden Studios Millennium Films schnell klar, dass die Reihe mit einem dritten Film fortgeführt werden soll. Jedoch wollte Hauptdarsteller Gerald Butler nur unter der Voraussetzung zusagen, dass die zweite Fortsetzung tonal wesentlich geerdeter und charakterbezogener daher kommt. Da Millennium Films Boss Avi Lerner der Idee durchaus was abgewinnen konnte und ihm natürlich auch bewusst ist, dass die Reihe von Butler getragen wird, willigte er ein und engagierte mit dem talentierten und aufstrebenden Regisseur Ric Roman Waugh auch gleich einen Action-Thriller-Spezialist für die Umsetzung.

 

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Dies überraschte auf dem ersten Blick, denn Waugh wartet bislang noch auf seinen endgültigen Durchbruch in Hollywood und hatte hauptsächlich bei kleineren Produktionen auf dem Regiestuhl gesessen. Aber bei näherer Betrachtung schien der kalifornische Filmemacher mit seinen bisherigen Regie-Arbeiten, wie der Knast-Thriller FELON (2008) mit Stephen Dorff und Val Klimer, oder das Dwayne „The Rock“ Johnson Action-Vehikel SNITCH – EIN RISKANTER DEAL (2013) sowie das zuletzt für Aufsehen sorgende Knast-Drama SHOT CALLER mit „Game of Thrones“-Star Nicolaj Coster-Waldau, der Ideale Mann für die anstrebte tonale Änderung zu den beiden Vorgängern, die bei den Genre-Fans vor allem für Ihre überdrehte Dauer-Action nach alter Schule geschätzt werden.

Und genau diese – an sich erfreuliche – andersartige Herangehensweise an das Action-Franchise, wird am Ende leider auch zum größten Problem für die Balance von ANGEL HAS FALLEN. Denn zwar zählen die emotionalen Momente um die Familiengeschichte von Butler‘s Charakter zu den stärksten Szenen. Jedoch wird diese nicht ausreichend behandelt, um über die komplette Laufzeit zu fesseln. So entsteht immer wieder Leerlauf, da die darauffolgende Action einfach zu unspektakulär, zu spannungsarm und stellenweise auch zu unübersichtlich daherkommt.

Zumal der Zuschauer eben aufgrund der Vorgänger und den Trailern ein Action-Brett der alten Schule erwartet und genau dies ist die 40 Millionen US-$ Produktion eben nicht. Auch fehlt es dem Film an der Party-Attitude mit der überzogenen Action und den markigen Sprüchen der ersten beiden Teile, was dann auch mächtig auf den Unterhaltungswert von Teil 3 drückt. Action-technisch erweist sich lediglich der Drohnen-Angriff als Action-Highlight des Streifens. Dies liegt daran, das dieser recht spannend und mit großteils handgemachten Explosionen inszeniert ist. Aber leider bleibt der Drohnen-Angriff die einzige große Action-Sequenz, die den Zuschauer in den Sessel presst.

 

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Dafür sind die bereits hervorgehobenen zwischenmenschlichen Momente wirklich sehenswert. Vor allem die Chemie zwischen Nick Nolte und Gerald Butler als Vater/Sohn-Gespann ist großartig und ihre gemeinsamen Auftritte zählen zu den besten Szenen des Films, so dass man sich gewünscht hätte, dass die Macher die Geschichte um die beiden noch weiter ausgebaut hätten. Aber auch die anderen Darsteller um Piper Perabo, Danny Huston und Morgan Freeman machen ihre Sache mehr als ordentlich.

Wenn da nicht der furchtbar vorhersehbare Verschwörungsplot und die erwähnte fehlende Balance wäre. Zumal auch das Finale inszenatorisch enttäuscht und die CGI-Schwächen weiterhin ein generelles Problem der Millennium Films Produktionen bleibt. So ist ANGEL HAS FALLEN insgesamt zwar tiefgehender und charakterbezogener als die Vorgänger, aber leider auch wesentlich träger und weniger unterhaltsam. Das ist sehr schade, da der geerdete Ansatz durchaus Potential gehabt hätte und mit einer besser ausbalancierten Gewichtung deutlich mehr drin gewesen wäre.

 
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