KRITIK: JEAN CLAUDE VAN DAMME SPECIAL #5: CYBORG/SLINGER

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Autor: Tom Burgas

BLOODSPORT und CYBORG, ich denke das dürften die beiden Titel sein, welche mich extrem früh zu einem Van Damme-Fan machten und bis heute ist die Liebe groß. BLOODSPORT hatte ich ja schon vorher besprochen und anders als bei CYBORG bekommt dieser auch heute noch viel Zuspruch und CYBORG? CYBORG scheint belächelt zu werden seit jeher und das liebe Leute, kann ich einfach nicht zulassen.

Zu der Qualität des Films selber komm ich später,denn was schon fast viel interessanter ist ist die wohl spannenste Entstehunggeschichte aller van Damme-Filme und man weiß gar nicht so richtig wo man anfangen soll.

Vielleicht bei Cannon Films, die Filmfirma die jeder kennen und lieben sollte der nur ansatzweise Geschmack beweisen will. Im Grunde kam jeder meist recht billige aber mit Liebe gemachte stereotype Selbstjustiz-Actiontohuwabohu von denen. DEATH WISH, DELTA FORCE, AMERICAN NINJA und wie sie alle heißen. Alles was wir als kleine Knirpse geil und cool fanden haben haben meistens die fabriziert. Ende der 80er hatten sie dann 2 ganz heiße Eisen im Feuer, denn sie besaßen die Lizenzen von MASTERS OF THE UNIVERSE und SPIDER-MAN und es wurde fleißig gleichzeitig an Drehbüchern gezimmert und Geld in die Vorproduktion gesteckt. Durch diverse Geldprobleme wurde ein Regisseur rangeholt der beides gleichzeitig kostengünstig drehen sollte. Dieser Werte Herr hieß Albert Pyun. Pyun sollte man als Genrefan schon kennen, ich selber weiß noch nicht ganz was ich von ihm halten soll, für mich ist er wie der Uwe Boll der B-und C- Actionfilme. Der Kerl dreht bis heute wie am Laufband und irgendwo sind auch mal kleine Perlen bei(wie eben CYBORG oder DOLLMAN), aber im Grunde weiß man dass er schon irgendwie viel Scheiße produziert, sympatische Scheiße, aber eben Scheiße.

 

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Die Vorgeschichte ist in dem Sinne wichtig, dass man im Drehbuch zu MotU 2 erste Anzeichen von CYBORG erkennt. Dieser sollte nämlich davon handeln, dass Skelletor auf die Erde flieht, die Macht an sich reißt und blablabla…auf jeden Fall war die Erde da wohl schon Mad Maxmäßig mächtig im Arsch(was hier ganz klar nicht durch eine künstlerische Schaffenskraft ersonnen wurde, sondern durch den Wunsch das Budget klein zu halten).

Ich erwähnte bereits die Geldprobleme und diese führten dazu, dass fast zeitgleich beide Lizenzen für nichtig erklärt wurden, denn in beiden Fällen, bei Marvel und Mattel, wurden Gelder nicht gezahlt oder waren Checks geplatzt. Mittlerweile wurden jedoch schon rund 2 Millionen ausgegeben und man wollte das Ganze nur noch abhaken. Pyun jedoch stellte in Aussicht, dass er für zusätzliche 500.000 $ ein neues Drehbuch schreiben könne und die schon gebauten Locations und Kostüme dafür genutzt werden könnten. Nach kurzer Zeit willigten sie ein, in der Hoffnung irgendwie noch Geld daraus machen zu können und schwubbs war das erste mal die Rede von SLINGER, der als Western in der Zukunft gedacht war. Übrigens wollte Pyun von Anfang an Chuck Norris für die Rolle, aber Golam und Globus(Bosse bei Cannon) wollten den neuen aufstrebenen Star Jean Claude haben, der gerade mit BLOODSPORT einen Wahnsinnserfolg genossen hatte. Er seinerseits konnte wählen aus DELTA FORCE 2, AMERICAN FIGHTER 3 oder eben CYBORG(zu dem Zeitpunkt noch SLINGER) und wählte zur Freude der Produzenten letzteres auch wenn er später meinte dass er kein großer Fan des Films wurde.

Wer jetzt denkt dass die Geschichte endlich strukturiert weitergehen kann hat ja keine Ahnung, denn der Regisseur wollte doch glatt einen Schwarz/weiß-Western drehen in dem nicht gesprochen wird und das ganze von Rock/Metalmusik unterlegt ist. Das wurde nicht gestattet,aber diese Intension ließ er sich beim drehen nicht ganz nehmen wie wir später sehen werden.

 

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Die Story des Films kann man ziemlich schnell runter brechen und welche Einflüsse angeblich hergehalten haben lass ich mal unerwähnt, denn jeder klaut bewusst oder unbewusst irgendwo. Auf jeden Fall sehen wir New York in der Zukunft. Die Stadt wie wohl auch die ganze Welt hat wohl schon mal bessere Zeiten erlebt und ist ein ziemlicher ranziger Haufen geworden. Schuld daran ist ein Virus der mal schön seiner Bestimmung nachkommt und alles infiziert und tötet was nicht bei eins auf dem Baum ist. Hier entstehen dann keine Zombies sondern die Toten bleiben tot. Allerdings gibt es einen Cyborg der nach Atlanta muss und da Ärzten ein Heilmittel überbringen will. Beschützt wird sie von …Achtung, kurze Atempause für den besten(ergo schlechtesten) Rollennamen von van Damme…Gibson Rickenbacker(der im Original sehr deutsch ausgesprochen wird). Gejagt wird sie von den Fleischpiraten(!!!), angeführt vom tollsten Bösewicht den je ein Celluloid inne hatte..Fender Tremollo!! Dieser mag die Welt nämlich wie sie ist und seine Rolle in ihr, wobei nie so ganz rauskommt ob er eben nur der Anführer einer kleinen Gruppe ist oder ob er weitreichend gefürchtet wird. Rickenbacker hat mit ihm natürlich stilecht noch ein Hühnchen zu rupfen, wir sind immerhin in einem 80er Jahre-Film.

Was da jetzt alles Handlungstechnisch vonstatten geht ist vorhersehbar wie ein morgendlicher Stuhlgang, aber wer da mehr erwartet ist selber Schuld.

Also der Film raus kam waren die Testscreenings die Hölle auf Erden, nur ein einziger bewertete ihn positiv und man wollte ihn im Giftschrank verkümmern lassen. Van Damme allerdings kam auf die Idee, wie schon bei Bloodsport, den Schnitt nochmal zu übernehmen. In 2 Monaten schnitt er die Dramaaspekte raus und konzentrierte alles mehr auf die Action und tata, CYBORG kam 1989 als letzter Cannonfilm in die Kinos. Es wurde ein moderater Erfolg mit einem Einspiel von rund 10 Millionen.

 

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Beim Film selber versteh ich bis heute ganz ehrlich nicht warum ihn viele eher in die Trashecke drücken. Ich liebe die hoffnungslose Stimmung des Films. In der Welt hat man einfach kein Bock zu leben und selbst Gibson ist irgendwie ein armes Schwein der auch nicht wirklich cool ist. Allein wenn in den ersten Szenen die Fleischpiraten(ich liebe es 🙂 ) mordend umherziehen weiß man dass das einfach ziemliche beschissengefährliche Drecksäcke sind. Fender ist der schlimmste von allen in seinem schmucken Kettenhemd(seine Rolle bei MutU 2 hieß Blade und sollte genauso aussehen). Vincent Klyn ist wohl allein durchs eine Größe und seinem Auftreten eindrucksvoller als Van Damme. Wenn er dann noch mit seiner Stimme alles rausgrunzt als käme er direkt aus der Hölle würden viele schon sagen, dass er zu einer Karrikatur verkommt. Ich für meinen teil liebe diese Figur einfach, er liebt diese verkomme Welt, er liebt Mord und Totschlag, mehr Motivation brauch er nicht, wunderbar. Ich finde es bis heute Schade dass der eigentlich professionelle Surfer kaum mehr in anderen Produktionen beteiligt war, nur im schon erwähnten Dollman von Pyun kam er mir in einer Minirolle unter die Augen.

Durch van Damme ist die Action natürlich komplett auf den Nahkampf ausgelegt, wobei auch hier alles dreckiger wirkt und dadurch dass er meist in der Unterzahl ist auch kein sauberes Gekicke wie bei BLOODSPORT abgehalten wird sondern Messerstechereien und schnelle Prügeleien bei denen er am Ende auch gerne an einen Schiffsmast wie Jesus genagelt wird. Schauspielerisch merkt man dass er sich komplett auf sein Aussehen konzentriert. Er sagt auch sehr wenig da sein Akzent damals für den Regisseur schwierig war sag ich mal. Bekannte Namen gibt es sonst eher wenig. Ralf Möller guckt kurz vorbei. Er wollte gerne hier einfach mitspielen damit er in die Schauspielgewerkschaft aufgenommen wird. Gesagt, getan, nur muss man dafür ein paar Worte sagen und er musste wegen seinem zu starken Dialekt neu vertont werden. Naja heute darf er trotzdem Haie auf Mallorca jagen, ist doch auch was.

Wenn es nach mir gegangen wäre hieße der Film ,,Fleichpiraten, denn Cyborgs kommen kaum wirklich vor aber immerhin in einer recht netten Animation die den Geist der 80er atmet, auch wenn sie sehr kurz ist. Wenn ich was zu meckern hätte dann dass man gerade bei der Geschichte mit den Rückblenden  merkt dass da hier und da was fehlen muss. Den ganzen Showdown finde ich auch etwas zu plötzlich, rockt aber trotzdem wieder mit einem völlig überspitzten Bösewicht. Und natürlich gibt es keine Dreharbeiten ohne komische Geschichten über van Damme. Also was hätten wir denn da? Als da hätten wir dass er einen Schauspieler mit seinem Tritt am Auge traf und dieser auf selbigem erblindete. Der hat ihn auch formschön verklagt und gewann. Oder für eine Szene sollte er nur nochmal auf dem Boden liegen, das verneinte er jedoch da Vincent Klyn an dem Tag wohl am Set muskulöser als er aussah seiner Ansicht nach. Auch drehte er am Anfang keine Oben ohne-szenen da er meinte er sein noch nicht so weit und zeigte Regisseur Pyun in seinem Trailer bei völliger Dunkelheit mit einer Taschenlampe seine Muskelfortschritte. Das ging alles soweit dass seine Eltern ans Set kommen mussten, die ihm klar machten wie wichtig dieser Dreh ist………SCHAUSPIELER!!!

 

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Abschließend will ich völlig ernst meinen dass ich CYBORG für mich selber in die selbe Riege wie MAD MAX und Konsorten stelle. Wie dieser ist es ein trostloser dreckiger Endzeitklopper der viel mehr Beachtung verdient hätte. Ich denke wäre ein Schauspieler in der Hauptrolle den man kommerzmäßig gedacht ernster nimmt und der Bösewicht wäre nicht so, im besten Sinne, comichaft geworden, dann hätte meines Erachtens ein kleiner Klassiker daraus werden können. Gerne hätte ich gesehen dass er nicht klassisch sondern nihilistischer enden würde, da der Grundton des Film gepasst hätte aber was will man machen?

Unterschied Slinger/Cyborg:

In Deutschland kamen wir lange Zeit als einzige in den Genuss von Slinger, der Version die schon sehr nah an das kommen soll was sich der Regisseur gedacht hat. Dies ist übrigens NICHT die Version die er in Eigenregie verkauft und vertreibt. Trotzdem wurden viele Szenen wieder eingefügt , der Score geändert und viele Offdialoge eingesprochen. Wer jetzt allerdings freudig aufschreien will: die Version ist absolute bis zum Himmel riechende Scheiße. Nicht nur dass die Veröffentlichung peinlich ist(die neue Szenen sind im schlechten SD einfach in die HD-Szenen eingefügt worden und die Szenen wechseln sich im sekundentakt ab). Nein auch sind die neuen Storyinfos und Szenen und Dialoge grenzdebil. Zum Beispiel wird aus den Piraten mal schnell Satanisten gemacht , was schon arg rattendämlich ist. Auch Abschlussszenen in welcher ein nackter weiblicher Cyborg aus der Zukunft kommt passt so sehr in den Film wie ein Transformer der auf einmal in Schindlers Liste Hallo sagen kommt. Somit kann man wohl wieder Van Damme danken dass er sich um den Schnitt gekümmert hat. Auch weiß ich nicht ob ich dadurch wirklich sagen kann dass es Pyuns bester Film ist, da nicht mehr auszumachen ist wie viel von dem Ganzen nu wirklich noch seins ist. So oder so wurde wohl sehr viel zum besseren verändert.

Cyborg stand lange auf dem Index, ist mittlerweile runter und kann in allen möglichen Versionen nach Hause geholt werden, wobei es keine Version gibt die beide Versionen an Bord hat. Ich für meinen Teil hab mir von beiden Versionen einzeln die Mediabooks geholt, denn ich kann ja von der Slingerversion halten was ich mag aber der Audiokommentar ist die 20 Euro dicke wert. Hier werden keine Gefangenen gemacht, solch grundehrliche Einblicke kennt man sonst nur von Uwe Boll.

Fortsetzungen gab es auch, in Teil 2 hat sogar Angelina Jolie ihre erste Hauptrolle und dadurch soll DER wenigstens noch kein Augenkrebs verursachen. Für den dritten Teil kann ich das nicht versprechen. Ein Prequel ist schon seit Ewigkeiten in der Vorbereitung und irgendwie soll da Steven Seagal drin vorkommen und Pyun wieder Regie führen aber warten wir mal ab.

 

Cyborg - Bewertung

 


 

VAN DAMME SPECIAL #5 – CYBORG (SLINGER)

 

 

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