KRITIK: JEAN-CLAUDE VAN DAMME SPECIAL #12: TIMECOP

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© Universal Pictures

Autor: Tom Burgas

Wir erreichen hier die erfolgreichste Phase von van Damme und damit ein weiteren Plotpoint in seiner Karriere. Nachdem er mit HARD TARGET, dank John Woo, abgeliefert hat, sollte es nun der noch größere Wurf werden. Weg von den in Fankreisen geliebten Klopper-Filmen, hin zum wirklichen Blockbuster, der die Massen in die Kinos ziehen soll. Das klappte sogar auch, wodurch Jean-Claude Van Damme allerdings zum Höhenflug ansetzte, der ihm gehörig die Flügel brennen ließ, aber dazu mehr beim nächsten Film. Jetzt erstmal TIMECOP. Allein der Name schon, BÄM!! TIMECOP. Mehr braucht es doch nicht: ROBOCOP, MANIAC COPTIMECOP. Alles klar?

Dazu basiert das Ganze auf einer Comicvorlage. Die kennt zwar kein Schwein, aber nach dem Film wurde das alles zu einem richtigen Franchise ausgebaut…welches auch kein Schwein kennt. Was jetzt gar nicht so negativ klingen soll, schließlich haben wir ein feines dickes Budget von 27 Mio. US-$ und einen Regisseur der weiß was zu tun ist. Also haben wir die halbe Miete schon mal im Sack.  Regisseur Peter Hyams ist bis heute ein Weggefährte Van Dammes und war vor TIMECOP schon ein Genreregisseur, der sich getraut hat 2010, die Fortsetzung von 2001 zu inszenieren und machte dabei einen völlig okayen Job.

 

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© Universal Pictures

Muss man bei dem Titel noch was zur Geschichte sagen? Van Damme gibt den Zeitpolizisten und sucht einen Schweinehund der die Zeitmaschine dafür nutzt, ein reicher Politiker zu werden. So wird munter hin und her gereist und immer wieder ändern sich Kleinigkeiten. Die Story ist also so einfach wie geil, da nicht unnötig kompliziert. Man muss sich hier keine pseudointelligenten Abhandlungen anhören und keine Bücher wälzen. Einfache Sache: Jemand killt am Anfang die Frau von unserem Walker und mehrere Jahre später bekommt er mit, dass die Pläne des Schweinehundpolitikers nicht ganz Unschuldig sind.

Leude, Leude, schon die erste Szene wo ein Kerl einen Konförderiertentrupp, zur Zeit des Unabhängigkeitskriegs, überfällt, rockt. Der zieht nämlich einfach Maschinenpistolen und pfeffert die Soldaten  fein über den Haufen. Hunderte Jahre später gibt Van Damme natürlich den harten introvertierten Hund der auf keinen Bock hat: Frau weg, nur von Arschlöchern umgeben und die Zukunft bietet wohl kaum Gutes, Heldenalltag eben.

Jeder Held ist aber nur so gut wie sein Konterpart und da spielt TIMECOP auf. Ron Silver als schmieriger Politikerbastard ist eine wunderbar dreckige Nummer. Selbst sein eigenes früheres Ich hasst er. Seine Untergebenen haut er gerne mal gegen die Autotür und selbst Leute die ihn nur bedienen, lässt er spüren dass sie nichts wert sind. Es macht so Spaß ihn zu hassen. Silver ist eindeutig das Aushängeschild. Anders als erwartet ist die Action oder die Zeitreisethematik ist dagegen gar nicht so sehr optisch präsent wie man es erwartet.

 

TIMECOP, Jean-Claude Van Damme, 1994. ©MCA Universal Pictures/courtesy Everett Collection
© Universal Pictures

Eigentlich bekommt man nur am Anfang genau das was mal will: Eine Reise in eine klare Vergangenheit, gute Witze und Action die gut was weghaut. Danach gibt es eigentlich nur noch eine nette Prügelei, bei der van Damme halbnackt wieder zeigen kann dass er seinen Arsch geil findet und zum Ende hin hier und da ein paar Kickereien zum besten geben.

Ist zwar alles ganz nett, aber gerade heute merkt man, dass da einiges an Federn gelassen wurde. Wie ein großer Kinofilm wirkt das nicht mehr. Die Nebendarsteller bekommen nichts zu tun, außer ihr Klischee zu erfüllen. Dass TIMECOP aus den 90ern stammt sieht man dann auch gleich an den Helfershelfern von Böskopp Silver. Die könnten regelrecht aus einem DOUBLE DRAGON-Spiel entstammen. Der WOLVERINE-Gag funktioniert dann auch nur wenn man weiß dass Walker/Van Damme tatsächlich nur so einen Fiffi aufm Kopp hat, weil die sich an eben jene Comicfigur orientiert haben. Ihr wollt also wissen wie Jean-Claude als Logan ausgesehen hätte? Bitte sehr! Und warum er ziemlich penetrant dauert Kaugummi kaut? Na weil er für die Marke aus dem Film gerade Werbung machte, neben der Dreharbeiten.

 

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© Universal Pictures

Alles in allem haben wir einfach einen recht glattgebügelten kleinen gut ausgestatteten Sci-Fi Film, der weder nach oben noch nach unten ausschlägt, aber allein durch die Wichtigkeit in Jean-Claude Van Dammes Oeuvre in die Sammlung gehört. Da die Blu-Ray für wenig Geld überall zu haben ist, dürfte das kein Problem sein. Leider hat man es vermieden auch nur die kleinsten Extras auf die Scheibe zu packen. Besonders ein Extra zur Vorlage oder ein gutes Making of dürfte doch eigentlich möglich sein.

Wer noch weiterhin Lust auf das Thema hat, kann sich den zweiten Teil mit Jason Scott Lee und Thomas Ian Griffith reinziehen, der für eine Direct to DVD-Produktion ganz ordentlich geraten ist, immerhin geht es Hitler an den Sack. Eine kurzlebige Serie und ein schlechtes Videospiel gab es auch noch.

 

Timecop - Bewertung

Blu-Ray-Cover und Bilder © Universal Pictures / Concorde Video. All Rights Reserved.

 

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