KRITIK – THE WOLF OF WALL STREET

© Universal Pictures
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Autor: Marcel Flock

Zum Filminhalt: Nach einer wahren Begebenheit erzählt THE WOLF OF WALL STREET die Geschichte des New Yorker Börsenmaklers Jordan Belfort (LeonardoDiCaprio). Belfort lebt seine eigene Version des amerikanischen Traums: Auf dem Weg nach oben findet er sich schnell in der korrupten Realität des Kapitals zurecht. Denn der Erfolg kennt nur eine Maxime: hemmungslose Habgier. Als Broker jongliert Belfort bald mit Millionen, feiert am Ende des 80er-Jahre exzessive Erfolge mit seiner Maklerfirma „Stratton Oakmont“ und lebt schon mit Anfang 20 ein Leben in überbordendem Luxus und Überfluss was ihm den Titel „The Wolf of Wall Street“ einbringt.

More, More, More, More, More, More is never enough“
1974 gelang einem der größten Filmemacher mit „Alice lebt hier nicht mehr? und dem legendären „Taxi Driver? der ultimative Durchbruch. Danach schrieb er mit Filmen wie „Goodfellas“, „Wie ein wilder Stier“ und „Casino“ Filmgeschichte und wurde zu einer Regielegende. Dennoch blieb ihm jahrelang aus unerklärlichlichen Gründen die begehrte Trophäe des Filmbuisness, der Oscar, verwehrt. Erst 2007 in der Kategorie Beste Regie bekam er den Goldjungen für „The Departed“, das Remake des Hong-Kong-Thrillers „Infernal Affairs“, und erreichte damit auch dieses Ziel. Noch heute zählt er zu den einflussreichsten Filmemachern des zeitgenössischen amerikanischen Kinos. Die Rede ist natürlich von Martin Scorsese, der 3 Jahre nach seiner Verfilmung des Jugendbuchs „Hugo Cabret?, sich nun mit der Börsensatire „The Wolf of Wall Street? wieder auf der Kinoleinwand zurückmeldet.

 

© Universal Pictures
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Als Vorlage dafür diente die gleichnamige Biografie des Finanzhais Jordan Belfort, der sich in den 90er Jahren durch seinen exzessiven Lebensstil einen Namen machte. Für die Rolle des Börsenmaklers holte Scorsese Leonardo DiCaprio ins Boot, was zugleich die fünfte gemeinsame Zusammenarbeit der beiden ist. Für das Drehbuch engagierte Scorsese keinen geringeren als den vierfachen Emmy-Gewinner Terence Winter (Die Sopranos), mit dem er schon bei Boardwalk Empire zusammengearbeitet hat und der bekannt für großartige Drehbücher ist. Mit diesen grandiosen Voraussetzungen machte sich nun Scorsese ans Werk. Und es wurde wie erwartet ein Meisterwerk. Alleine schon die Bilder und die exzellente ruhige Kameraführung sind ein Genuss. Hinzu kommt, dass Scorsese den Film wie Art Dokumentation wirken lasst, was sich deutlich in den Szenen zeigt, in denen DiCaprio zum Publikum spricht und z.B. erklärt, wie es so bei seiner Firma Stratton Oakmont zugeht. Auch merkt man, dass Scorsese viele Elemente von seinen Klassikern „Goodfellas“ und „Casino“ übernommen hat.

Ein weiteres wichtiges Merkmal des Films ist, dass das Wort Fuck benutzt wird wie bitte und danke, und in fast jedem Satz der Charaktere vorhanden ist, was dem Film seine persönliche Note verpasst.

Zur Handlung kann nur so viel gesagt werden: Anders als in anderen Filmen wie z.B. Oliver Stones „Wall Street“ wird die Börse als undurchdringlicher Dschungel beschrieben, in dem nur die Stärksten überleben, was schon zu Beginn des Films sehr deutlich wird. Belfort wird später, als seine eigene Firma große Erfolge feiert, immer mehr als eine Art Löwenbändiger dargestellt, der die Meute unter Kontrolle hält. Das zeigt sich sehr deutlich, als er zum ersten Mal Steve Madden vorstellt und zunächst alle ausrasten und ihn mit Zeug bewerfen. Erst als Belfort die Bühne betritt und ein „Machtwort“ spricht, wird Madden von den anderen „Wölfen“ akzeptiert. All das zeigt, das sich der Film überhaupt nicht ernst nimmt und sich eher als eine selbstironische Satire mit einer gehörigen Portion schwarzen Humor auf die Wall Street erweist. Alles wird sehr überspitzt dargestellt. Wer hierbei Ernsthaftigkeit und reale Probleme erwartet, ist da wirklich fehl am Platz. Auf einen Gag folgt der nächste. Das geht soweit, dass in einem Moment strahlendblauer Himmel ist auf dem Wasser und im nächsten ein gewaltiges Unwetter mit Monsterwellen tobt.

 

© Universal Pictures
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Doch nicht nur das tolle Drehbuch und der Regie Scorseses machen „The Wolf of Wall Street“ zum Highlight, sondern vor allem die überragende schauspielerische Leistung DiCaprios. Er zieht hier wirklich sämtliche Register und zeigt, was er alles kann. Er spielt hier mit seinem gesamten Repertoire an Mimik und Gestik und wenn es erforderlich ist, sorgar mit ganzem Körpereinsatz. All das kommt vor allem sehr stark in den Szenen zu Geltung, wo er die Kontrolle über sämtliche seiner Gliedmaßen verliert, bei nicht vollem Bewusstsein einen Helikopter landet, exzessiv Drogen konsumiert und wilde Partys feiert oder beim Streit mit seiner Frau Naomi. Apropos Naomi: Sie wird grandios verkörpert von der Australierin Margot Robie und gibt ihr eine gewaltige weibliche Ausstrahlung, die sogar Jonah Hills Charakter Donnie Azoff in einer Szene ganz scharf macht. Jonah Hill liefert hier seine wohl beste Leistung seit Moneyball ab. Er spielt Donnie Azoff so genial, dass man wirklich das Gefühl hat, er sei mit der Person verschmolzen. Das macht sich sehr bemerkbar in seiner Ausdrucksweise und seiner Art. Bestes Beispiel ist hierbei das Gespräch mit dem jungen Broker und seinem Goldfischglas. Jedoch eine der besten Szenen des Films liefert Matthew McConaugheys Auftritt als Mark Hanna im Lokal. Da macht sich die unglaubliche Entwicklung der letzten McConaugheys bemerkbar, denn hier ist er ganz in seinem Element und lenkt dabei die ganze Aufmerksamkeit auf sich.

Auch zeigt sich Oscarpreisträger Jean Dujardin in der Rolle des gerissenen Schweizer Bankers Saurel sehr präsent, was er von der ersten Szene beim Zusammentreffen auf Belfort zeigt. Weiterhin gab es zahlreiche großartige Gastauftritte von Rob Reiner als Beforts aufbrausender Vater, Jon Favreau als Anwalt Mandy Riskin, Jon Bernthal als Belforts Kumpane Brad und sogar einen selbstironischen Cameo von Jordan Belfort höchstpersönlich. All das wird zusätzlich durch einem rundum perfekten Soundtrack mit Songs von Billy Joel, The Lemonheads, Sharon Jones and the Dap Kings, 7Horse und Elmore James abgerundet.

Dann fragt man sich nur noch, ob der Film auch irgendwelche Schwachstellen hat. Jedoch bleibt man in diesem Punkt bei der Suche fast erfolglos, denn das einzige, was man da bemängeln könnte, wäre die austauschbare, blasse Rolle von Kyle Chandlers FBI-Agent Patrick Denham, und dass McConaughey viel zu wenig Screentime bekommen hat. So eine tolle Rolle, wie er sie hatte, hätte ruhig noch ein, zwei Auftritte im Film vertragen können.

Wer sich jedoch davon nicht stören lässt, den erwartet ein grandioses Filmerlebnis. Scorsese schafft es wirklich, den Zuschauer drei ganze Stunden in die Welt des Jordan Belfort zu ziehen, aus der man am liebsten nie wieder raus möchte.

 

The Wolf of Wall Street - Bewertung

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