KRITIK: SHOT CALLER

© Constantin Film
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Autor: Dominik Starck

Hätte GAME OF THRONES-Star Nikolaj Coster-Waldau auch in der Serie PRISON BREAK mitgespielt, dann wäre er inzwischen mit Sicherheit unangefochtener Star des Subgenres „Knastfilm/-Serie“. So prangt sein Name dieser Tage werbewirksam auf dem Cover eines unbekannten neuen Films namens SHOT CALLER. Tätowiert und mit markanter Gesichtsbehaarung. Doch was macht SHOT CALLER nun zum „Hingucker“ sowohl für Fans von Coster-Waldau als auch THE WALKING DEAD, ganz zu schweigen vom Rest der Filmfans dort draußen?

Zum Inhalt: Ein fataler Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang bringt einen unbescholtenen Familienvater (Nikolaj Coster-Waldau) ins Gefängnis. Um in dem brutalen Knastalltag nicht zum Opfer zu werden wird „Money“ Mitglied einer gefährlichen rechtsradikalen Gang. Zehn Jahre später verlässt Money nicht nur äußerlich als völlig anderer Mensch das Gefängnis, fest in die Struktur der Gang eingebunden. Unter der Beobachtung der Polizei soll er einen riskanten Waffendeal abwickeln, wobei auch seine entfremdete Familie zur Zielscheibe wird…

 

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KEIN PRISON BREAK: DAS HARTE KNASTLEBEN DES SER JAIME LANNISTER

Nikolaj Coster-Waldau nutzte den Schub seiner durch GAME OF THRONES rasant gewachsenen Popularität frühzeitig und wartete nicht auf das Ende seiner Zeit in Westeros, um weitere Karriereschritte einzuleiten. Weit über ein Dutzend neue Produktionen finden sich seit dem Start der Erfolgsserie in seiner wachsenden Vita, von Kinofilmen wie GODS OF EGYPT bis zu Independent-Filmen wie dem vorliegenden SHOT CALLER. Dabei versucht er oft, auch hinter den Kulissen mitzuwirken und zugleich Rollen zu vermeiden, die zu stark auf seinen „Ser Jaime Lannister“ verweisen. Und doch gibt es eine thematische Verbindung zwischen GAME OF THRONES und SHOT CALLER. Schon früh geriet Coster-Waldau als Jaime in GAME OF THRONES in Gefangenschaft, womit er für das Heimkino bereits ausführlich Erfahrung mit unwirtlichen Haftbedingungen machen konnte. In dem 2017 von Netflix veröffentlichten Film SMALL CRIMES sieht man Coster-Waldau nun ebenso hinter schwedischen Gardinen wie in SHOT CALLER. Ein Rollenklischee von ungeahnter Seite, möchte man meinen. Allerdings; die Produktionen unterscheiden sich schon sehr voneinander und SHOT CALLER wurde bereits 2015 und vor SMALL CRIMES gedreht. Der Konkurs der Firma, die SHOT CALLER herausbringen wollte, verzögerte die Veröffentlichung und die Kausalität entpuppt sich als Zufall.

Weniger Zufall steckt dahinter, dass SHOT CALLER von Autor/Regisseur Ric Roman Waugh (SNITCH) realisiert wurde. Waugh blickt auf eine lange Karriere im Stunt-Geschäft zurück, wo er u.a. an John Carpenters SIE LEBEN und LETHAL WEAPON 2 mitwirkte. Er arbeitete mit allen Größen des Geschäfts wie John Woo (HARTE ZIELE), Jean-Claude Van Damme (HARTE ZIELE, UNIVERSAL SOLDIER) oder Arnold Schwarzenegger (LAST ACTION HERO) und an Kultfilmen wie THE CROW, ehe er mit SHADOWS OF DEATH 2001 sein offizielles Debüt als schreibender Regisseur gab (in einem Film über einen Killer, der einen Stuntman töten soll, sich aber in dessen Tochter verliebt und deswegen selbst Stuntman wird!). 2008 ging Waugh dann filmisch erstmals hinter Gittern, denn FELON mit Stephen Dorff und Val Kilmer erzählt die Geschichte eines Familienvaters, der einen Eindringling tötet und dafür in den Knast geht. Die thematischen Parallelen zu SHOT CALLER sind unübersehbar, auch wenn sich die beiden Filme in der Umsetzung doch sehr unterscheiden.

 

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Liegt der Fokus von FELON auf dem Leben und der Gewalt im Gefängnis, so beginnt SHOT CALLER mit der Freilassung des von Coster-Waldau eindringlich gespielten „Money“, wobei die letzten 10 Jahre hinter Gittern in schön eingebundenen Rückblenden aufgearbeitet werden. Dadurch, dass SHOT CALLER eine Dekade im Knast „beiläufig“ parallel zur Haupthandlung erzählt, tritt dieser in FELON bereits stark bearbeitete Part zugunsten des neuen Lebens von „Money“ in den Hintergrund.

Bei der Besetzung hat man auch neben Coster-Waldau auf bekannte Serien-Gesichter gesetzt. Lake Bell (BOSTON LEGAL, SURFACE) kann als Ehefrau dem Absturz nur beiwohnen, der neue PUNISHER Jon Bernthal (THE WALKING DEAD, DAREDEVIL) gibt Gangbruder „Shotgun“, BURN NOTICE-Star Jeffrey Donovan und Holt McCallany (MINDHUNTER, ALIEN³) sind Knast-Schwergewichte und Omari Hardwick (POWER, KICK-ASS) steht mit Benjamin Bratt (TRAFFIC) auf der Seite des Gesetzes.

 

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Doch genug des „Name Dropping“, denn obwohl man selbst in kleinen Rollen bekannte Gesichter entdecken kann liegt der Fokus ganz auf Coster-Waldau und wer nach dessen vielschichtiger und stellenweise unberechenbarer Darbietung in SHOT CALLER Zweifel daran hat, dass er mehr als nur den Schönling von GAME OF THRONES beherrscht, dem ist nicht zu helfen. Alleine die physische Veränderung, die Coster-Waldau in dem Film durchläuft, ist durchaus beeindruckend.

SHOT CALLER ist kein angenehmer Film, keiner, den man sich abends zur entspannenden Unterhaltung ansieht. Er ist eindringlich, wortkarg, zeigt eine komplexe Figur, die es einem oft schwer macht, sie gern zu haben. Man leidet mit ihr und wird zugleich von ihr geschockt. Darüber hinaus ist der Film optisch schön eingefangen und montiert, authentisch, mit stimmiger Musik unterlegt und gut geschrieben. Möchte man etwas kritisieren, dann wäre es sein Fokus, denn wer sich (noch) mehr für die Zeit hinter Gittern interessiert wird von den Gegenwarts-Szenen herausgerissen und umgekehrt. Dennoch drehen sich beide Handlungsstränge um die Frage nach dem Preis, den man für Sicherheit zu zahlen bereit ist- und schrecken nicht vor Antworten zurück, die nicht jedermann schmecken werden.

 

Shot Caller - Bewertung

 


 

Zur DVD: Zur Bewertung lag uns lediglich eine Presse-DVD des Films vor, sodass wir die technische Ausstattung und Qualität der VÖ nicht abschließend beurteilen können. Laut VÖ-Informationen sind sowohl auf der DVD- als auch der Blu-ray-Fassung des Films Trailer und rd. eine Dreiviertelstunde an Interviews mit verschiedenen Beteiligten enthalten.

 

Überall auf DVD und Blu-Ray erhältlich!

DVD-Cover und Bilder © Constantin Film.

 

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