KRITIK: SIX – STAFFEL 1

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Autor: Dominik Starck

Der Kampf gegen den Terror ist nicht nur ein Thema der Politik sondern auch für die Unterhaltungsindustrie, besonders in den USA. So wurde es nach TV-Erfolgen wie HOMELAND (seit 2011) wieder einmal Zeit, eine hartgesottene militärische Eingreiftruppe ins Feld zu schicken. Beraten von einem Ex-Navy SEAL hat Autor William Broyles Jr. (JARHEAD – WILLKOMMEN IM DRECK) nun SIX ins Leben gerufen. Können es die SEALS von SIX mit den VIKINGS des gleichen Senders aufnehmen?

Zum Inhalt: Das SEAL-Team Six führt im gefährlichen Kampf gegen den Terrorismus ein Leben auf Messers Schneide. Bei einem Einsatz in Afghanistan macht Team-Leader „Rip“ (Walton Goggins) einen folgenschweren Fehler, der das eingeschworene Team entzweit. Während „Bear“ (Barry Sloane), „Buddha“ (Juan Pablo Raba) und Caulder (Kyle Schmid) weiter ihren Dienst verrichten taucht Rip zwei Jahre später alkoholkrank als Sicherheitsberater in Nigeria wieder auf, wo er beim Versuch, eine Schulklasse vor einer radikalen Islamisten-Gruppe zu schützen, zusammen mit den Mädchen und ihrer Lehrerin in Gefangenschaft gerät. Trotz ihres Zerwürfnisses gibt es für Rips SEAL-Brüder nur noch ein Ziel; ihren Ausbilder aus der Gefangenschaft zu befreien. Doch auch ein unerwarteter weiterer Gegenspieler hat es auf Rip abgesehen…

 

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ZEICHEN DES TERRORS: SEALS ZWISCHEN EGO-SHOOTER-ROMANTIK UND DRAMA

Amerikanische Militär-Serien blicken inzwischen auf eine lange Tradition zurück. Obwohl man ihnen gerne einen gewissen, mitunter auch nachvollziehbaren, „Hurra-Patriotismus“ nachsagt, taucht alle paar Jahre eine neue Serie über ein mutiges Team besonderer Soldaten auf. Bereits in den 90er Jahren sorgte eine clever aufgezogene Serie namens J.A.G. – IM AUFTRAG DER EHRE (1995-2005) für gute Quoten und brachte es mit einer Mischung aus den beiden Kinohits TOP GUN und EINE FRAGE DER EHRE auf stolze 10 Staffeln. Hier stand zwar die juristische Ermittlung des JAG-Corps im Mittelpunkt, doch fand jene stets im Umfeld des Militärs statt- und mit dessen großzügiger Unterstützung mit Filmmaterial und Zugang zu Einrichtungen. Etwas weniger langlebig aber nicht weniger authentisch erwies sich THE UNIT – EINE FRAGE DER EHRE (2006-2009), die ein Jahr nach dem Ende von J.A.G. auf Sendung ging. Die von David Mamet (SPARTAN, WAG THE DOG) kreierte Serie um eine geheime Eingreiftruppe brachte es auf vier Staffeln. Markant war hier der geteilte Fokus, denn während ein Teil der Episoden sich jeweils auf die Einsätze des Teams konzentrierte, handelte die andere Hälfte von dem Leben der Familien, die dabei zuhause zurück bleiben bzw. auch von dem Leben der Soldaten zwischen den Einsätzen. Diesen Ansatz greift nun auch die neue Militär-Serie SIX auf, die vom Sender HISTORY in Zusammenarbeit mit den legendären Weinstein-Brüdern produziert wird.

Wo J.A.G. noch auf erfolgreichen Hollywood-Blockbustern basierte, hatte THE UNIT bereits die Memoiren eines Ex-Delta-Force-Soldaten als Basis. SIX wiederum geht auf ein Buch zurück, welches die Einsätze und das Leben als US-Navy-SEAL zur Basis hat (der Serientitel SIX bezieht sich auf das bekannte, real existierende Seal Team Six). HISTORY hat bereits mit seiner Eigenproduktion VIKINGS (seit 2013) gezeigt, wie ein Geschichtssender qualitativ hochwertiges Fernsehen produzieren kann und hier braucht sich auch SIX nicht zu verstecken.

 

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Ähnlich wie THE UNIT zeigt SIX nicht nur die Missionen des SEAL-Teams sondern auch deren private Probleme und manchmal auch nervlichen Belastungen, wobei die psychologischen Nebenwirkungen andauernder Kampfeinsätze bei David Mamet besser ausgelotet wurden. Dafür bedient SIX im Gegensatz zu Mamets Show den modernen Ansatz einer durchgängigen Geschichte, die durch eine ganze Staffel gezogen wird, anstelle der vor rund einem Jahrzehnt noch üblichen, weitgehend abgeschlossenen Handlungen pro Episode. Und um dem Ganzen noch einen zusätzlichen Level zu verleihen hat man in diesem Fall auch noch die Perspektive einer Terror-Organisation mit einbezogen, die bereits ab Episode 2 u.a. gespenstisch aufzeigt, wie sie eine moderne Gesellschaft infiltriert.

So folgt natürlich auch SIX ein Stück weit dem zu erwartenden und vorab erwähnten Patriotismus, der für eine entsprechende US-Serie üblich ist (von dem aber auch europäische Pendants wie STRIKE BACK nicht immer frei sind), sorgt jedoch mit dem vermittelten hohen Maß an Authentizität und einer Mischung aus „Mission der Woche“, rotem Faden der Staffel, Privatleben und Terror-Netzwerk-Geschichte für eine dichte Erzählung über gerade einmal acht Episoden in der ersten Staffel.

Für die Hauptrolle hat man ein profiliertes TV-Gesicht gewinnen können, welches durch die zweifache Zusammenarbeit mit Kult-Regisseur Quentin Tarantino in DJANGO UNCHAINED und THE HATEFUL 8 zusätzliches Gewicht gewinnen konnte; Walton Goggins. Der Mann mit dem markanten Look gilt als sehr ernsthafter Schauspieler, der hier zwar physisch weniger imposant daher kommt als viele seiner Team-Kollegen, aber in jeder Szene ein unübertreffliches Charisma versprüht, auch wenn man sich gewünscht hätte, dass er in der deutschen Fassung einen seiner drei häufigsten Sprecher bekommen hätte anstatt einen neuen.

 

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Goggins gelang der Durchbruch als korrupter Cop in der herausragenden Crime-Drama-Show THE SHIELD, der schnell eine weitere Hauptrolle in JUSTIFIED folgte. Eigentlich sollte seine Rolle dort bereits im Piloten sterben, doch dank Goggins überlebte Boyd Crowder um noch mehrere Jahre Harlan County unsicher zu machen und Goggins eine verdiente Emmy-Nominierung einzubringen. 2018 wird er im Kino-Remake von TOMB RAIDER dabei sein und durch ANT-MAN AND THE WASP zum Teil des Marvel Cinematic Universe.

Die anderen Besetzungsmitglieder wie Barry Sloane (LONGMIRE, REVENGE) und Juan Pablo Raba (SHOT CALLER, NARCOS, Marvel’s AGENTS OF S.H.I.E.L.D.) machen einen ordentlichen Job, wobei besonders Kyle Schmid hervorzuheben wäre, den man u.a. aus Serien wie COPPER, LOST GIRL oder BEING HUMAN kennen könnte. Eine erste Serienhauptrolle hatte er bereits 2007 neben Christina Cox in der kurzlebigen Dreiecksgeschichte zwischen einer Privatdetektivin, einem 470 Jahre alten Vampir (Schmid) und einem Cop; BLOOD TIES – BISS AUFS BLUT.

SIX arbeitet sich wie ein langer Spielfilm durch ihre Geschichte und hätte theoretisch auch genau so abgeschlossen werden können, wie die erste Staffel endet. Dem Erfolg sei Dank wurde eine zweite Staffel bereits in Auftrag gegeben. Es bleibt abzuwarten, welche Wendung die Serie in der Zukunft nach ihrem ordentlichen Auftakt nehmen wird.

 

Six - S1 - Bewertung

 


 

Zur Blu-ray: Die erste Staffel SIX erscheint bei Concorde als 2-Disc-Blu-ray-Set und bietet die acht Episoden mit einer Gesamtlaufzeit von 343 Minuten in gestochen scharfem 16:9-Bild. Als Tonspuren werden Deutsch und Englisch in DTS Master Audio 5.1 geboten und zusätzlich noch eine DD 2.0-Spur in Deutsch. Eine weitere gute Nachricht; es gibt deutsche Untertitel für Hörgeschädigte und natürlich auch eine DVD-VÖ (3 Discs).

Danach hört es mit den guten Nachrichten aber auf, denn abseits der technisch einwandfreien Präsentation muss man auf Bonusmaterial neben dem deutschen Trailer und einer kleinen Trailershow komplett verzichten. Ähnlich der HISTORY-Produktion VIKINGS hätten hier Making of oder Audiokommentare sicher einen Mehrwert dargestellt.

 

Überall auf DVD und Blu-Ray erhältlich!

DVD-Cover und Bilder © Concorde Home Entertainment.

 

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