KRITIK – IRON WEREWOLF

© EuroVideo Medien GmbH
© EuroVideo Medien GmbH

Autor: Kevin Zindler

Der deutsche Independent-Film hat es nicht leicht. Produktionen außerhalb formelhafter Geschichten und klassischer Genre werden so gut wie nicht gefördert, so dass Horror oder Science-Fiction Fans nur selten in den Genuss kommen, ein derartiges Projekt aus deutschen Landen in Augenschein zu nehmen. Aber es gibt sie! Um diese Streifen zu verwirklichen, müssen die Macher viel Eigenkapital, Zeit und vor allem Energie aufbringen. Kann „Iron Werewolf“ qualitativ – im Vergleich zu ähnlich budgetierten Filmen – das ein oder andere Ausrufungszeichen setzen?

Zum Inhalt: Deutschland, 1945: Die russischen Streitkräfte drängen die Nazis immer weiter zurück. In einer geheimen Forschungseinrichtung arbeiten die Deutschen indes weiter daran, ihre vielversprechendste Waffe auf den Endsieg fertig zu stellen. Eine lebende Bestie, halb Mensch, halb Wolf. Ein Werwolf, darauf abgerichtet, nur feindliche Kombattanten zu töten. Doch dann wird auch die Einrichtung von der russischen Armee überrannt und der eingesperrte Wolf von der Zeit vergessen. 65 Jahre später entdeckt eine Gruppe junger Punkrocker die Forschungseinrichtung und möchte diese als Event-Kulisse nutzen. Dabei befreien sie zu ihrem Leidwesen auch den Nazi-Werwolf, der nichts an Blutdurst eingebüßt hat…

 

© EuroVideo Medien GmbH
© EuroVideo Medien GmbH

„Iron Werewolf“ erfindet das Rad sicher nicht neu, dennoch baut der Streifen eine recht düstere Atmosphäre auf, insbesondere in der ersten Viertelstunde, welche sich in einer Forschungseinrichtung der Nazis im Jahre 1945 abspielt und den „Wolf“ erstmals blutig in Erscheinung treten lässt. Das Einführungs-Szenario – das (wie so vieles im Film) Budget gebunden in einem überschaubaren Rahmen stattfindet – wird Ereignis und temporeich in Szene gesetzt. Der „Wolf“ darf zum ersten Mal wüten, nicht spektakulär, aber inszenatorisch durchaus clever und ansprechend. Mit dem Zeitsprung in die Gegenwart, geht vorerst auch die Langeweile einher. Das obligatorische Opfer-Ensemble, welches sich in das ehemalige Nazi-Gemäuer einnistet, nicht ahnend, dass sich der tot geglaubte böse „Wolf“ im Untergrund vor Freude ein Lätzchen umbindet und die Krallen schärft, erkundet sehr (zu) sorgfältig die Gemächer. Sicher, der Zuschauer soll einen Bezug zu den Charakteren aufbauen, zudem muss die Laufzeit aufgrund fehlender Mittel gefüllt werden, doch der Rahmen dafür wird definitiv gesprengt. Wenn man schon interessiert daran war, die Figuren etwas ausführlicher zu beleuchten, warum hat man sich dann nicht die Mühe gemacht, dem Liebespaar Spike Jones (Dominik Starck) und Jersey (Carolina Rath) mehr Tiefe zu geben, um den Plot am Ende – in dem beide eine wichtige Rolle spielen –  nachvollziehbarer zu machen, statt die Protagonisten von einem Zimmer ins nächste galoppieren zu lassen.

 

© EuroVideo Medien GmbH
© EuroVideo Medien GmbH

Trotz finanzieller Knebelung, hätte man die lange Durstrecke durchaus spannender gestalten und den „Wolf“ früher und vor allem häufiger auf das potenzielle Abendessen loslassen können. Das kostet nichts! So muss sich der geneigte Horror-Fan schon sehr gedulden, bis es endlich ans Eingemachte geht. Die Jagd-Sequenzen sind relativ spannend, blutig und vor allem handgemacht. Während das pelzige Ungetüm in der ersten Hälfte meist verwackelt und kurz zu sehen ist, um den Spannungsbogen zu dehnen und das limitierte Kostüm des Monsters zu kaschieren, wird die Bestie zum Ende hin etwas länger gezeigt, was aufgrund des teils unfreiwillig komischen und billigen Aussehens nicht von Vorteil ist. Da wird das ein oder andere Mal zu explizit draufgehalten. Dennoch: Der Film hat seinen Charme, was nicht zuletzt den optischen Reizen, der soliden Kamera-Arbeit, dem passenden –  wenn auch monotonen – Score und den überwiegend gut agierenden Ensemble an deutschen, unverbrauchten Schauspielern zu verdanken ist. Bei Produktionen dieser Größenordnung nicht selbstverständlich. Hervorzuheben ist dabei das gute und glaubwürdige Spiel von Carolina Rath und Dominik Starck, die als Liebespaar gegen das haarige Monster antreten müssen. Weitere Highlights des Films sind  das Auftreten von Nico Sentner, dessen genial böser Part als Major Schilling ruhig etwas länger hätte ausfallen dürfen und Urs Remond, der perfekt die Rolle des Dr. Müller verkörpert.

 

iron-werewolf-bewertung

Ab dem 11. Oktober 2016 auf Blu-ray™, 3D-Blu-ray™ und DVD erhältlich!

DVD-Cover & Bilder © und Eigentum EuroVideo Medien GmbH.

 

1,918 total views, 1 views today

One thought on “KRITIK – IRON WEREWOLF

Comments are closed.