KRITIK – BIG GAME

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Autor: Kevin Zindler

Zum Filminhalt: Der schüchterne 13-jährige Oskari (Onni Tommila) steht vor einer großen Aufgabe: Er muss, wie es die Tradition verlangt, eine Nacht alleine und nur mit Pfeil und Bogen bewaffnet in den finnischen Bergen verbringen. Dort ist es seine Aufgabe, ein Tier zu erlegen. Kehrt er am nächsten Tag mit seiner Beute zurück, hat er bewiesen, dass er nun ein ganzer Mann ist. Keine leichte Aufgabe für den ängstlichen Oskari, denn die Familienehre steht auf dem Spiel und nicht einmal sein eigener Vater glaubt, dass er es schaffen kann. Während sich der Junge also mit großen Versagensängsten auf den Weg macht, wird direkt über ihm die Air Force One Ziel eines Terroranschlags. Mit an Bord: der Präsident der Vereinigten Staaten (Samuel L. Jackson). In letzter Minute gelingt es einem der Leibwächter, diesen in eine Rettungskapsel zu verfrachten, die aus dem Flugzeug geschossen wird. Oskari findet den angeschlagenen Präsidenten, zeigt sich aber wenig beeindruckt. Schließlich ist er entschlossen, seine Mission zu erfüllen. Dem mächtigsten Mann der Welt bleibt also keine Wahl, er muss den Jungen auf seiner Jagd begleiten. Noch ahnen die beiden nicht, dass sie selbst die Beute sind. Denn die Attentäter sind ihnen auf den Fersen und zu allem bereit. Die Jagd ist eröffnet…

Zugegeben: Trailer und Story von BIG GAME haben mich im Vorfeld neugierig gemacht. Nicht, dass ich in irgendeiner Form etwas komplett Neues erwartet hätte, doch die Vorstellung, den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gemeinsam mit einer Art „Baby-Rambo“ in den Wäldern Finnlands gegen Terroristen kämpfen zu sehen, gefiel mir. Meine Erwartungshaltung stand daher sehr schnell fest: Ein kurzweiliger No Brainer mit guter B-Action sollte durchaus drin sein.

 

Big Game - Bild 2
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Doch Trailer und Filmbeschreibungen suggerieren oftmals mehr Spaß, als das Produkt letzten Endes zu liefern im Stande ist. Dabei sind die Voraussetzungen für einen soliden Actioner durchaus gegeben. Allein die Besetzung mit Samuel L. Jackson und „Punisher“ Ray Stevenson kann sich sehen lassen. Zudem ist der Schauplatz des Spektakels perfekt gewählt. Dennoch funktioniert der Streifen nicht so, wie man es sich wünschen würde.

Wer mag vorlaute Kinder, welche böse, erwachsene Verbrecher in den Arsch treten? Ich nicht! Mit Ausnahme meines Namensvetters Kevin alias Macaulay Culkin sind mir diese Kids ein Dorn im Auge. Dies ist sicher ein Punkt, weswegen viele Actionfans diesen Film vorab eine Absage erteilt haben. Doch in diesem Fall ist es zum Glück etwas anders. Oskari – gespielt von Onni Tommilla – ist schüchtern, hält die Klappe und nervt nur bedingt. Das Problem ist aber, dass er ständig in Helden-Slomo angekündigt wird, daraufhin jedoch nie etwas passiert. Der Präsident könnte quasi auch alleine gegen die Terroristen kämpfen. Diese agieren dazu einfach nur hohl, so dass selbst ihr Anführer Morris alias Ray Stevenson kaum einen positiven Eindruck hinterlassen kann. Jackson, welcher zwischen A und C Film mittlerweile überall vertreten ist, spult seinen Part als Obama Verschnitt runter, ohne dabei auch nur Ansatzweise seine Klasse unter Beweis zu stellen. Die Dialoge, welche ihm von den Drehbuch-Autoren aufgezwungen wurden, geben ihm aber auch nicht die Möglichkeiten dazu. Unfreiwillig komisch ist allein die Szene, in der er Oskari erklärt, dass er während einer Pressekonferenz einen Urin-Tropfen auf der Hose hatte (er hatte sein bestes Stück nicht richtig abgeschüttelt) und sich nichts hat anmerken lassen (das soll Oskari im Kampf gegen die Terroristen die Angst nehmen). Herrlich!

 

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Die Jagd selbst erweist sich als recht unterhaltsam. Der Flugzeugabsturz wird relativ gut eingefangen und die Actionszenen sind technisch in Ordnung. Jedoch ist die Jagd vorbei, bevor sie eigentlich richtig angefangen hat. Die 8,5 Million Euro Produktion kann vor allem optisch überzeugen, denn Regisseur Jalmari Helander versteht es, schöne und klare Bilder zu liefern. Die CGI-Effekte sind ebenfalls für eine Produktion dieser Größenordnung zufriedenstellend. Das größte Manko bei BIG GAME ist, dass sich die Macher anscheinend nicht entscheiden konnten, was der Film eigentlich sein möchte. Zu weich für echten Thrill ala´ „Cliffhanger“ oder „Mörderischer Vorsprung“, zu „hart“ für einen reinen Kinder-Abenteuerfilm wie „Spy Kids“. Das Ergebnis ist ein Misch-Masch aus beidem, eine Art Kinder-Actionfilm. Unbefriedigend und öde.

 

Big Game - Bewertung

Ab 1. Dezember 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich!

DVD-Cover und Bilder © und Eigentum von Ascot Elite Home Entertainment.

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