KRITIK – BEFORE I WAKE

© capelight pictures
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Autor: Kevin Zindler

Zum Inhalt: Nachdem Jessie und Mark (Kate Bosworth & Thomas Jane) bei einem tragischen Unfall ihren Sohn verloren haben, droht ihre Ehe an der tiefen Trauer zu zerbrechen. Sie entscheiden sich, den 8-jährigen Cody (Jacob Tremblay) zu adoptieren, einen sensiblen, schüchternen Jungen, den die beiden schnell in ihr Herz schließen. Doch Cody ist ängstlich, fürchtet sich vor dem Einschlafen. Er versucht sich durch die Einnahme koffeinhaltiger Getränke und Medikamente so lang wie möglich wach zu halten. Schnell wird klar, was den kleinen Jungen so quält, denn er hat eine besondere Gabe:  Während er schläft, tauchen mysteriöse Traumgestalten auf. Was er träumt, wird Wirklichkeit. Wunderbare Visionen erwachen durch Cody zum Leben, aber auch die Dämonen seiner dunkelsten Albträume bahnen sich ihren Weg in die Realität und bedrohen das Leben der jungen Familie.

Der klassische Gruselfilm galt lange Zeit als tot. James Wan machte das Genre mit Produktionen  wie THE CONJURING und INSIDIOUS wieder salonfähig. Doch nicht nur Wan ist es zu verdanken, dass es in den letzten Jahren wieder solide bis sehr gute Genre-Beiträge zu sehen gab. Der Name Mike Flanagan muss diesbezüglich ebenso genannt werden. Dass er mit überschaubaren Budgets qualitativ hochwertige Filme abliefern kann – die sich überwiegend als sehr lukrativ herausstellen – quittieren Titel wie HUSH, OCULUS oder OUIJA. Flanagan ist zudem ein passionierter Geschichtenerzähler, was er mit BEFORE I WAKE erneut unter Beweis stellt. Er zeichnet sich nicht nur für die Regie verantwortlich, sondern schrieb gemeinsam mit seinem langjährigen Freund Jeff Howard auch das Drehbuch.

 

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BEFORE I WAKE kann am besten mit THE BABADOOK verglichen werden, jedoch legt Flanagans Mysterie-Drama in Sachen Emotionalität und Tiefgründigkeit noch einmal eine Schippe drauf. Natürlich kommt es zu Gänsehaut-Sequenzen, wenn der „Kreuzmann“ erscheint – jene böse, skurrile Figur aus Codys Albträumen – doch im Vordergrund stehen die Charaktere und die Verarbeitung dessen, was ihnen genommen wurde. Die Schreckmomente im Film drehen sich um den Verlust und die Angst davor, geliebte Menschen und die Erinnerung an sie zu verlieren. Der Regisseur, der ein großer Stephen King Fan ist, beschreibt die Intention seiner Geschichte wie folgt:  „Der Film beginnt als eine Geschichte über Eltern, die versuchen den Verlust ihres Kindes zu überwinden und endet als eine Geschichte über ein Kind, das den Verlust seiner Eltern verwindet. Er ist eine Gute-Nacht-Geschichte für Erwachsene mit einem ganz eigenen Schwarzen Mann. Es gibt keine besseren Verfasser von Horrorgeschichten als Kinder – mit ihren imaginären Freunden und in der Fantasie entsprungenen Gestalten. Ein siebenjähriges Kind ist, ohne es zu wissen, ein Genie, wenn es um Horrorstories geht. Niemand fühlt Angst oder kreiert Grauen wie ein Kind.“

Neben der eigentlichen Story kann BEFORE I WAKE auch optisch überzeugen. Die Effekte sehen toll aus und auch der “Kreuzmann“ vermag den Zuschauer durchaus das Fürchten zu lehren. Die Balance Horror/Drama/Fantasy ist stimmig und der eigentliche Fokus des Films droht zu keinem Zeitpunkt durch typische  Effekthascherei in den Hintergrund zu rücken. Das Böse im Film ist die Reflektion dramatischer Erlebnisse, wie sie eben nur Kinder verarbeiten. Und so wird dem Zuschauer auch eine Auflösung geboten, die schon fast zu logisch und „normal“ erscheint,  was sie aber gerade deswegen so besonders macht. Besonders gut ist auch die Besetzung:  Kate Bosworth und Thomas Jane – der immer noch mit seinem PUNISHER-Image zu kämpfen hat – liefern als gebrochenes und liebevolles Elternpaar eine tolle Performance und Cody Darsteller Jacob Tremblay hat schon in Lenny Abrahamsons RAUM gezeigt, dass er das Zeug hat, in die Fußstapfen eines Haley Joel Osment zu schlüpfen.

 

Before I Wake - Bewertung

Ab dem 17. März 2017 auf Blu-ray™, DVD und VOD erhältlich!

DVD-Cover & Bilder © 2016 Capelight Pictures.

 

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