KRITIK – BASTILLE DAY

© Studiocanal
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Autor: Florian Wurfbaum

Zum Inhalt: Der US-Amerikaner und Taschendieb Michael Mason (Richard Madden) gerät nach einem Explosion in Paris ins Visier der Geheimdienste. Der CIA-Agent Sean Briar (Idris Elba) wird auf ihn angesetzt, um ihn in die USA zu überführen. Aber Mason ist nicht nur unschuldig, er ist auch der Einzige, der die Spur zu den Attentätern zurückverfolgen kann. Gemeinsam decken Briar und Mason eine Verschwörung auf, deren Netz bis in die obersten Reihen des französischen Staatsapparates reicht. Ihnen bleiben lediglich 24 Stunden Zeit, um den nächsten Anschlag zu verhindern …

Luc Besson sorgte Ende der 80er-Jahre bis Mitte der 90er-Jahre mit seinen Filmen „Im Rausch der Tiefe“ (1988), „Nikita“ (1990) und „Leon, der Profi“ (1994) weltweit für Furore, so dass es nicht verwunderte, dass Hollywood dem Franzosen den roten Teppich ausrollte. Doch Besson folgte – zur Überraschung der Branche – nicht der Verlockung Hollywoods und gründete stattdessen im September 2000 mit der EuropaCorp seine eigene Produktions- und Verleihgesellschaft. Seine Intention war hierbei überwiegend Genrefilme, unabhängig von den großen US-Studios, für den internationalen Filmmarkt zu produzieren. Es dauerte nicht lange bis die neu gegründete Filmfirma mit Hauptsitz in Paris ihre ersten großen, internationalen Erfolge feiern konnte. So setzte der Action-Knaller „Transporter“ (2002) ein erstes Ausrufezeichen und machte zugleich den ehemaligen englischen Olympia-Sportler Jason Statham über Nacht zum Actionstar. Ihren bisherigen, finanziellen Höhepunkt erreichte die EuropaCorp 2008 mit „96 Hours – Taken“, einem weiteren Actionfilm, der wiederum den zuvor ausschließlich als Charakterdarsteller gebuchten Liam Neeson – trotz vorgeschrittenen Alters – zum Genre-Star machte. Luc Bessons Filmfirma etablierte somit den französischen Actionfilm weltweit und war Initiator für eine Vielzahl an weiteren Genre-Beiträgen seiner Landsleute.

 

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Auch „Bastille Day“ wurde zum Großteil mit französischen Geldern produziert und zielt letzten Endes exakt auf das selbe Publikum wie die Luc Besson Produktionen. So verwundert es auch nicht, das ursprünglich mit Pierre Morel der Regisseur von „96 Hours – Taken“ für den Regiestuhl vorgesehen war. Der Franzose sagte jedoch kurzfristig ab, so dass schlussendlich James Watkins das Regiezepter übernahm. Der Brite hatte zuvor mit „Eden“ (2008) und „Die Frau in schwarz“ vor allem bei der Horror-Fangemeinde für Aufsehen gesorgt. Watkins schrieb auch gemeinsam mit Andrew Baldwin, das auf dem ersten Blick durchaus politisch brisante Script. Zumal „Bastille Day“ während der Post-Produktion auch noch von der aktuellen Terrorgefahr eingeholt wurde. Dies führte auch dazu, dass der Kinostart des Films in mehreren Ländern mehrfach verschoben wurde. Allerdings verfügt der Film letzten Endes nicht über die vermutete Brisanz, sondern entpuppt sich vielmehr als relativ geradliniger, generischer Actioner ohne Tiefgang. Sicherlich erinnert die eine oder andere Szene an die aktuelle, französische Politlage, aber spätestens wenn der Zuschauer die vorhersehbare Verschwörung in den eigenen Reihen aufgedeckt hat, bemerkt dieser, dass es sich bei „Bastille Day“ eben nur um einen oberflächlichen und stellenweise arg konstruiert wirkenden Genrefilm handelt.

Dafür macht aber der Streifen inszenatorisch fast alles richtig und bietet dem Zielpublikum erstklassig choreographierte Action vor einer beeindruckenden Kulisse. Insbesondere die Verfolgungsjagden über den Dächern und auf den Straßen der Seine-Metropole bleiben in Erinnerung und sorgen für kurzweilige Unterhaltung. Als weiterer Pluspunkt erweist sich das Hauptdarsteller-Duo Idris Elba („Luther“) und Richard Madden („Games of Thrones“). Die beiden Stars harmonieren gut miteinander und wirken schlichtweg unverbraucht. Vor allem Elba verfügt über eine unglaubliche, physische Präsenz, die ihn eigentlich als Genre-Star prädestiniert, so dass sich der Brite trotz des Misserfolges von „Bastille Day“ hoffentlich mit weiteren Einsätzen als Actionstar etablieren kann.

 

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Ab dem 27. Oktober 2016 auf Blu-ray™, DVD und VOD erhältlich!

DVD-Cover & Bilder © Studiocanal. Alle Rechte vorbehalten.

 

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