SPECIAL ZU „ROSEMARY’S BABY“ – LIEBLINGS-TEUFELSKIND DER FILMGESCHICHTE

Im Zuge des Heimkinostarts der Serie ROSEMARY´S BABY präsentieren wir euch ein Special. Hier stellt euch  Dominik Starck sein Lieblings-Teufelskind der Filmgeschichte vor.

Aber erstmal vorab ein paar Fakten zur Serienversion der Ira Levins Romanvorlage:

 

© Studiocanal
© Studiocanal

ROSEMARY´S BABY
DE-Videostart: 21. Januar 2016
DE-Verleih: Studiocanal
Genre: Drama, Horror
Besetzung: Zoe Saldana, Patrick J. Adams, Jason Isaacs
Regie: Agnieszka Holland

 

Infos zur Serie: Das junge Ehepaar Rosemary und Guy zieht von New York nach Paris um einen Neuanfang zu wagen. Dort angekommen lernen sie ein nettes und einflussreiches Pärchen kennen und ihr Glück scheint perfekt, als die beiden ihnen eine luxuriöses Apartment in ihrem eigenen Wohnhaus vermitteln und Rosemary schwanger wird. Doch schon bald merkt die junge Frau, dass das ihre neuen Freunde ein dunkles Geheimnis verbergen und teuflische Ereignisse ihren Lauf nehmen …

 


SPECIAL – LIEBLINGS-TEUFELSKIND DER FILMGESCHICHTE

DES OMENS AUSGEBURT DES BÖSEN:

BELZEBUB JUNIOR IN FILM UND FERNSEHEN

 

Das Böse hat keine Gestalt und dennoch mannigfaltige Formen. Nicht immer sind diese so offenkundig, dass sie sich aus schwarzem Rauch manifestieren und Hörner auf der Stirn zur Schau tragen. Manchmal wird das Böse auch als Inbegriff der Unschuld unter die Menschen gebracht. Als ein Baby, ein Spross aus dem Schoss jener Lebensform, zu deren Untergang es einst beitragen soll. Wehe, wenn am 6. Tag eines 6. Monats um 6 Uhr ein Kind geboren wird, welches ein verborgenes Zeichen mit eben jenen Ziffern am Laib trägt. Die Nummer des Biests, das Mal des Anti-Christen.

Willkommen in der Welt von „Das Omen“, einem der prägendsten und noch heute tief in der kollektiven Erinnerung des Publikums verankerten Hollywood-Horrorfilme, welche von einem Studio produziert wurden und ein religiöses Sujet von seiner dunkelsten Seite beleuchten. Die einzigen anderen Beispiele, mit denen man schnell bei der Hand ist, sind Roman Polanskis „Rosemaries Baby“ von 1968 ist William Friedkins „Der Exorzist“ von 1973, welcher zwei Oscars und über ein Dutzend weitere Preise gewann.

Obgleich „Der Exorzist“ mit der Titelfigur zwar einen christlichen Funktionär in den Kampf gegen das in einem -sich berühmt-berüchtigt grün übergebenden- Mädchen eingenistete Böse schickt, geht „Das Omen“ 1976 nur wenige Jahre später an die Quelle allen Übels. In der bereits genannten Nacht wird ein Kind geboren und in die Familie eines Diplomaten adoptiert. Ein dunkles Geheimnis umgibt die Herkunft des kleinen Damien und noch ehe der Satansbraten die Schulbank drücken muss sterben die ersten Menschen in seinem Umfeld. Der mit dem Oscar ausgezeichnete Gregory Peck hatte einst als Kapitän Ahab dem großen Weißen Wal ins Auge geblickt, der ihm das Bein raubte („Moby Dick“). Nun stellte er sich als Vater dem immer stärker werdenden Bewusstsein, dass sein Sohn nicht von dieser Welt ist. Dass er nicht sein leiblicher Sohn ist, war ihm –im Gegensatz zur ahnungslosen Mutter- früh bekannt. Doch kann Damien wirklich das Kind einer uralten Überlieferung und der Anti-Christ sein? Er kann. Und es dauert nur einige Todesfälle länger, eher auch Gregory Peck alias Robert Thorn dahinter steigt- doch da ist es bereits zu spät und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Am Ende steht Klein-Damien als Weise da. An der Schwelle zu einem Leben, das ihn weiter und höher in die Politik führen wird, wo er wahrhaftigen Schaden biblischen Ausmaßes anrichten kann. Globale Auswirkungen stehen der Welt bevor, die in der Bibel als Buch der Offenbarung populär sind. Populär nicht etwa, weil sich die Mehrheit der Cineasten den Weltuntergang wünschen, sondern vor allem, weil die Mehrheit der Filmemacher sich der düsteren Vorahnung und Vision vom Ende aller Dinge nicht entziehen können.

Unheimliche Kinder sind etwas, das uns beunruhigt, was den zivilisierten und sozialen Teil unseres Selbst irritiert. Kinder sind schützenswert und unsere Zukunft. Wenn diese Zukunft in dunklen Farben gemalt und unser potentieller Untergang ist, rührt dies an Urängste, dass sich unser Erbe gegen uns wendet.

„Das Omen“ wurde ein sensationeller Erfolg bei Publikum und Kritik, nicht zuletzt dank der starken Regie von Richard Donner, dem Mann hinter dem originalen „Superman“ und der „Lethal Weapon“-Reihe. Aber auch die Kameraarbeit von Gilbert Taylor muss gelobt werden, bietet der Film doch eine solche Fülle nahezu perfekter Aufnahmen, dass man sie alle jederzeit als Poster drucken könnte. Nicht zuletzt ängstigt uns der Klangteppich von Jerry Goldsmith (1929-2004), einem der großen Meister der Filmmusik („Star Trek“), der für über ein Dutzend Oscars nominiert war- und ihn für „Das Omen“ auch verdient erhielt. Doch; vergessen wir kurz all die guten handwerklichen Leistungen, welche dieses Horror-Meisterwerk zum Leben erweckten.

Die Idee des in die Menschheit geborenen und unter uns lebenden Anti-Christen war so stark, dass bereits 1978 eine Fortsetzung folgte. „Damien – Omen II“ kümmerte sich um die frühen Teenager-Jahre von Satans Sohn. In „Barbaras Baby – Omen III“ ist Damien erwachsen (und sieht aus wie der spätere „Jurassic Park“-Star Sam Neill). Als Botschafter und Chef eines weltweit tätigen Konzerns ist aus dem Teufelskind beinahe selbst der Leibhaftige geworden. Mit „Omen IV: Das Erwachen“ wanderte die Kinoreihe 1991 ins Fernsehen. Dafür beschäftigt man sich erneut mit dem Thema böser Kinder. Zu guter Letzt erschien 2006 das u.a. mit „Ray Donovan“ Liev Schreibe gut besetzte und edel gefilmte, leider aber innovationsarme Remake zum Original.

Das Einspiel der Neuverfilmung war nicht schlecht, aber weit von gut entfernt. So sollte es einige Jahre dauern, ehe es zur erneuten Widerkehr des Anti-Christen kam. Inzwischen wurde es en vogue alte Horrorfilmreihen für das Fernsehen neu aufzulegen. „Bates Motel“ nimmt sich seit 2013 Alfred Hitchcocks legendärem „Psycho“ und dessen Fortsetzungen thematisch an, „Hannibal“ (2013-2015) serviert die Kannibalen-Küche aus der Zeit vor „Das Schweigen der Lämmer“ und „Das Omen“ kommt 2016 als „Damien“ ins Fernsehen. Ein Kind ist dieser Anti-Christ auch nicht mehr, doch dieses finden wir in „Rosemary’s Baby“, der Neu-Adaption von Polanskis mit dem Oscar ausgezeichnetem Klassiker gleichen Namens. Bald 50 Jahre sind seit der Romanverfilmung fürs Kino vergangen, als 2014 erneut eine junge Frau namens Rosemary von Paranoia ergriffen wird. Sind ihre Nachbarn Satanisten, die es auf ihr ungeborenes Kind abgesehen haben? Wieso ist sie überhaupt schwanger? Und wenn die Nachbarn Kult-Anhänger sind, haben sie vielleicht recht damit, dass das Böse in ihr heran wächst?

Ob Japan-Horror über unheimliche Mädchen, der Festival-Hit „The Children“ (2008), der besessene Sohn der Hauptdarstellerin im Meta-Horror „Freddy’s New Nightmare“ (1994) oder die schaurigste filmische Schwangerschaft aller Zeiten in der Mini-Serie „Rosemary’s Baby“, eines ist sicher: unheimliche oder gar böse Kinder werden sowohl dem Kino als auch dem Fernsehen nie ausgehen. Genauso wenig wie uns unsere Angst vor ihnen.

 

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