KRITIK – XX

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© Koch Media

Autor: Tom Burgas

Kann man Horror eigentlich so breit treten bis selbst der beinhärteste Fan keine Lust mehr hat? Anscheinend nicht, kein Genre ist wohl so unkaputtbar und in seiner Qualität so schwankend. Zudem ist zu jeder Zeit immer ein Trend abzulesen. Mal sind es Zombies, dann gibt es wieder mehr Folterkeller und wenn das nicht reicht gibt es mal wieder einen Wald voller Inzestkollegen. Aber warum denn nur eine Geschichte erzählen? Seit ein paar Jahren sind Horroranthologien der letzte Schrei. Ob die VHS-Reihe oder ABS oder Death oder wie sie alle heißen. Das Motiv liegt auf der Hand, Kurzfilme sind billiger zu produzieren und man kann Neulinge ransetzen und gucken was die können. Zudem planzt man irgendein übergeordnetes Thema rein und schon hat man sein Franchise. Das läuft jetzt noch nicht millionenträchtig, ist jedoch immer eine kleine sichere Bank. Um wenigstens irgendein Alleinstellungsmerkmal zu haben und wie der Name schon vermuten lässt, haben wir es hier mit Filmen zu tun die ausschließlich von Regisseurinnen inszeniert wurden. Ob das jetzt eine andere „Note hervorbringt“ sei mal dahingestellt. Jedenfalls haben wir somit 4 Kurzfilme die sich im Bereich Horror rumtreiben.

Den Anfang macht THE BOX nach einer Kurzgeschichte von Jack Ketchum und ist zugleich der stärkste Beitrag. Wobei hier der Grundton eher ein düsteres Drama verspricht und auch hält. Nachdem ein kleiner Junge in eine Box guckte will dieser nichts mehr essen. Auch schauspielerisch die stärkste Episode ohne dabei effekthaschend zu sein oder mit Ekeleffekten um sich zu werfen und zieht auch bis zum Ende, welches erzählerisch enttäuschen könnte.

 

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© Koch Media

Leider geht es dann bergab. Anni Clark gibt hier ihr Debüt und kommt eigentlich aus der Musikszene und das merkt man leider. Die Geschichte um eine Leiche, die man in einer ungünstigen Situation vor anderen verstecken muss (hier ein Kindergeburtstag), ist nicht neu. Und lässt auch komplett jeden Anflug von Horror vermissen. Lustig oder grotesk ist das Treiben auch nicht. Es führt nicht mal zu einem aussagendem Ende. Also Frau Clark, ihre BIRTHDAY PARTY war nichts, bitte machen sie wieder Musik.

Auch wenn es dann nicht meisterhaft weitergeht, aber immerhin kommt uns mit DON’T FALL eine waschechte Horrorepisode um die Ohren geknallt. Die Story ist ein Hauch von nichts und viel zu schnell runtergekurbelt. Das Kurzgeschichtenkonstrukt kommt dem Ganzen nicht entgegen. Ihr dürft hier nicht hin, ihr haltet euch nicht dran, eine von euch wird zu einem Monster und will Blut sehen. Treibt die Geschwichtigkeit etwas in die Höhe, sorgt für einen höhreren Blutverlust, aber im Grunde auch hier nichts besonderes. Stellt euch vor dass ein Deadite in der Wüste ausgesetzt wurde und ein paar Minuten Zeit hat Scheibe zu spielen.

 

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© Koch Media

Die letzte Episode wurde dann endlich von jemandem inszeniert, der etwas mehr Erfahrung vorweisen kann. Karyn Kusama machte immerhin „Aoen Flux“ und „Jennifers Body“. Ich weiß alles keine Glanzlichter, aber – und das ist mal wieder so ein fettes aber…. – sie kann auch den meisterhaften THE INVITATION vorweisen, der letztes Jahr sicher in meinen Top 3 gelandet sein dürfte. Geschichtlich soll es wohl an „Rosemarys Baby“ anknüpfen. Das halte ich allerdings für Marketingallerlei. Fakt ist aber dass sich hier eine Mutter um ihren Teenagersohn kümmern muss, der eindeutig keine Lust auf den Himmel hat und eher hitzigere Gefilde aufsucht. Mehr zu verraten wäre schon sehr böse von mir und das bin ich dann lieber an anderer Stelle. Leider ist das Ende sehr enttäuschend, was der ganzen Episode die Luft nimmt. Atmosphärisch aber bis dahin sehr angenehm.

Was bleibt also am Ende des Tages. Zuallerst solltet ihr euch die Illusion nehmen, dass man es hier mit beinhartem Horror zu tun hat. Außer in einer Episode, werden in „XX“ eher leisere Töne angestoßen. Jetzt könnte man sagen dass man das davon hat wenn man Frauen ranlässt, jedoch machen gerade die ruhigen Charaktermomente die Höhepunkte aus und von denen gibt es leider eher wenig. Zu sehr fällt auf, dass hier Erfahrung fehlt, zu wenig wird mal probiert neue Wege zu gehen.

 

XX - Bewertung

Ab dem 26. Mai 2017 auf Blu-ray und DVD erhältlich!

DVD-Cover & Bilder © Koch Media GmbH.

 

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