KRITIK & PODCAST-INTERVIEW: PLAN B – SCHEISS AUF PLAN A

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© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Autor: Tom Burgas

Was ich hier jetzt gerade mache ist wohl sowas wie ein kleiner Traum. Ich schreibe über einen deutschen Kampfsportfilm der offiziell und mit großem Start im Kino anläuft, wie verdammt geil ist das denn bitte? Wie lange mussten wir darauf warten? Ich mein es gibt ja kaum im B- und/oder C-Bereich Martial Arts aus Deutschland. Es gibt im Grunde kaum eine Szene dafür, aber wenn man genau nachforscht, gab es mal kleine erste Schritte durch die Jungs von Action Concept (Alarm für Cobra 11), die es mit KAMPFANSAGE: DER LETZTE SCHÜLER probierten. Aber das ist auch schon gute 15 Jahre her und war recht wenig zufriedenstellend; aber man nimmt ja was man zu greifen bekommt. In den letzten paar Jahren kam aber Bewegung in die Sache. Und wenn man alle Stränge zurückverfolgt, liegt das an einer Truppe: Real-Deal-Action!!

Die Jungs, das sind im Grunde 6 Leute (5 Kampfsport-Stuntprofis und 1 Regisseur), die genau das machten wonach Actionfans aus Deutschland jahrelang fordern. Sie bringen internationales Level in heimische Produktionen die sich nicht verstecken muss. Vor 5 Jahren zirka bekamen sie ihre ersten Projekte in Form von Stuntarbeiten in Filmen wie „Skyfall“ oder auch „Die Tribute von Panem“. Schon früh kam der Wunsch nach einem eigenen Kinofilm und nach 3 Jahren harter Arbeit stehen wir hier nun vor „Plan B: Scheiss auf Plan A“.

 

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© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Gewählt wurde ganz bewusst die humoristische Ausrichtung, also kein SPL (KILLZONE) oder KISS OF THE DRAGON. Als erstes Projekt generell immer besser und schon Großmeister Chan zeigte, dass eine harte Kante auch immer mit einem Lächeln überbracht werden kann. Dass das Ganze komplett in Berlin spielt und gedreht wurde ist für mich natürlich noch ein kleiner feiner Extrafußfeger, immerhin sind die Herren auch in Berlin aufgewachsen. Wie es sich gehört, ist die Geschichte eher absolut nebensächlich und soll nur dafür sorgen, dass man verschiedene Locations besuchen kann. Durch eine Verwechslung wird einer der Jungs als Geisel genommen und die übrigen müssen den Standort eines Safes finden, indem ein Obermufti irgeneinen geilen Scheiß hat. Interessiert keinen, tut keinem weh dass es keinen interessiert, gibt aber überall auf die Fresse….wunderbar!!

Von Anfang an wird klar gestellt, dass hier Fans der 80er abgeholt werden sollen. Natürlich sieht man das schon optisch und viele Oneliner sind Klassikern entliehen. Sie fahren also komplett die derzeitig immernoch angesagte Retrowelle. Nicht die schlechteste Idee und ich muss tatsächlich sagen, dass ich die meiste Zeit einfach ein fettes Grinsen im Gesicht hatte und somit kommen wir langsam zu der Stelle, wo wir langsam klären müssen was Krankheit und was Medizin ist.

Ich habe ihn jetzt ein paar Tage in meinem Schädel rumoren lassen und man kann es nicht anders sagen. Man überlegt fast gar nicht welche Fehler er macht oder ob da jetzt handwerklich irgendwas nicht funktioniert. Denn „Plan B“ ist verdammt nochmal sympatisch bis zum letzten Hadouken. Am Anfang führen sie einen noch in die Irre mit einer geilen Actionszene, die aber vom Humor noch eher den Prollsektor erfüllt, nur um dann zu zeigen, dass sie genau diese Schiene nicht fahren wollen. Wunderbar!

 

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© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Man muss natürlich seine Erwartungen richtig einstellen. Wir haben hier kein 40 Millionen Dollar Statham Actionflick sondern einen kleinen Film, der aufzeigt, dass man mit wenig Mitteln an die Grenzen gehen kann ohne den Spirit eines geilen Films zu verlieren, wenn man sich eben nur Mühe gibt. Der größte Negativpunkt ist generell dass man ihm vorhalten kann, dass man merkt, dass das quasi ein Erstlingswerk ist. Aber kommt schon, also wer da nicht sein Herz am rechten Fleck hat soll „Transformers“ gucken und den für einen guten Actionfilm halten…..achso und sich bitte einen Dreier-Brustkick von Donnie Yen abholen. Mal Butter bei de Fische: ja, der Film ist irgendwie immer cheezy und ja das Schauspiel ist jetzt nicht das Beste, aber dadurch dass er das komplett bis zum Ende bewusst durchzieht und auch gewollt nutzt um sich selber nicht ernst zu nehmen, ist das einfach sympatisch und gut. In seiner eigenen Art erinnert das etwas an BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA.

Die Witze und die Situationskomik passen nicht immer und wie gesagt ist das Schauspiel eher auf Sparflamme, aber dafür sind wir nicht hier. Also kommen wir zu dem, weswegen wir alle reingerannt sind. Eugenes Tanzkünste!!!! Nein, auch wenn die der Wahnsinn sind, aber wir wollen sehen wie es auf die Schnauze gibt!!

 

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© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Und da kann man nur mit Extremen um sich werfen. Die Jungs zeigen dass es heute neue Kampfsporthelden geben kann. Egal ob Can, Cha oder Phong, jeder haut für sich mächtig auf die Kacke ohne dass man sagen könnte, dass einer mehr drauf hat, als der Andere. Während Cha und Phong eher die asiatischen Wirbelwinde sind, ist Can mit etwas mehr Muskeln eher der Scott Adkinks-Typ und das ist nicht hochgestapelt. In jeder Kampfszene stand mir ein fettes Grinsen im Gesicht und ich konnte nicht glauben dass es endlich wahr wird. Dass eine deutsche Produktion in diesem Bereich ganz, ganz oben mitspielt und ich gerade nicht mal wüsste, wer da noch mehr zu bieten hätte, selbst beim mithalten wird es schwer. Spätestens beim Showdown hatte ich feuchte Augen, nicht nur wird gekonnt mit Fanservice während der Kämpfe gespielt, sondern der Impact ist einfach Wahnsinn. Die Gegner sind dabei keine No Names, natürlich hat man sich über die Jahre Freunde gemacht, die gerne bereit waren Rollen anzunehmen. Das fängt an bei Mike Möller (der einzige deutsche Kampfsportstar der mir zur Zeit neben vielleicht Mathis Landwehr bekannt war ), geht über Heidi Moneymaker (Stuntdouble von Scarlett Johannson) und Aristo Luis (MMA-Fighter). Am stärksten hatte mich noch Lorenz Hideyoshi Ruwwe beeindruckt, der aussieht wie der typische Mathelehrer und auf einmal ein paar Kanten setzt nach denen nicht nur kein Gras mehr wächst, sondern regelrecht die Erde verbrennt. Ich will euch nicht zuviel vorwegnehmen, aber euch einfach aufzeigen, dass diese Jungs es geschafft haben…Punkt!!

 

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© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Als letzte Worte kann man sagen: das Schauspiel ist nicht gut, das Budget niedrig und man merkt dass es ein Erstprojekt für viele war, in diesem Ausmaß. Dafür hat er Dinge die ich immer weniger im Kino sehe…Sympatie und das Herz am rechten Fleck. „Plan B: Scheiss auf Plan A“ weiß einfach was er sein will und was für ihn wichtig ist und das schafft er mit Bravour, bei allem anderen gibt er sich wenigstens Mühe und das ist jederzeit zu spüren.

Also lasst den nächsten seelenlosen Scheißhaufen von Blockbuster mal links liegen und guckt lieber „Plan B“, Ende aus – ich muss jetzt noch mehr Martial Arts für meine Sammlung kaufen gehen.

 

Plan B - Bewertung

 


 

PODCAST – INTERVIEW MIT DEN JUNGS VON PLAN B

 

© Entertainment Blog
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Zusätzlich zur Kritik gibt es als kleinen Nachschlag (der Wortwitz war nicht geplant) ein Interview mit den 4 höchst sympathischen Prügelknaben. Tom durfte die Jungs in ihren heiligen Hallen in Berlin begrüßen und entspannt nen Plausch abhalten.

 

 

 

 

Kinoplakat & Bilder © Twentieth Century Fox of Germany GmbH.

 

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